Erde

Abschluss des G8-Gipfels in Japan

Beim Gipfel in Japan haben sich die G8-Staaten darauf geeinigt, den globalen CO2-Ausstoß bis 2050 zu halbieren. Außerdem soll die Entwicklungshilfe für Afrika aufgestockt werden. Kritiker bemängeln, dass keine verbindlichen Ziel- und Zeitpläne aufgestellt wurden.

Die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten in Toyako, Foto: APDie Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten in Toyako, Foto: AP
Die Staats- und Regierungschefs der acht führenden Wirtschaftnationen verständigten sich auf eine Zusammenarbeit beim Klimaschutz: Sie einigten sich auf der japanischen Insel Hokkaido darauf, den weltweiten CO2-Ausstoß um mindestens 50% bis 2050 zu reduzieren. Damit wurde die Absichtserklärung vom Gipfel in Heiligendamm konkretisiert. Die G8-Staaten wollen hierbei eine Führungsrolle übernehmen. Gleichzeitig riefen sie die G5-Staaten auf, ihren Teil zum Klimaschutz beizutragen. Ohne bedeutsame Beiträge auch der großen Schwellenländer wie China und Indien könne das Problem nicht gelöst werden. China und Indien bekräftigten ihren Willen zur Zusammenarbeit bei Maßnahmen gegen die globale Erwärmung. Sie signalisierten allerdings, dem von den G8 ausgegebenen Ziel einer Emissionsminderung um 50 Prozent derzeit noch nicht folgen zu wollen. Die beiden asiatischen Länder hätten sich jedoch bereit gezeigt, zu einem späteren Zeitpunkt Maßnahmen zur Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes zu ergreifen.

Offen ist noch, auf welches Vergleichsjahr sich die angestrebte Reduzierung der Treibhausgase beziehen soll. Außerdem wurden keine klaren Vorgaben für einzelne Länder genannt. Deswegen kritisierten Umweltschutzorganisationen die Beschlüsse als nicht weitgehend genug. Die Vereinbarung bezeichnete der Leiter des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, als ein ernüchterndes Signal. Statt einer "Vision, die in 42 Jahren zum Tragen kommt", wäre es wichtig gewesen, sich auf mittelfristige Ziele bis 2020 zu einigen, sagte Steiner im "Morgenmagazin" von ARD und ZDF am Mittwoch (09.07.2008). In Kopenhagen soll im Dezember 2009 ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Klimaschutzprotokoll verabschiedet werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gipfels war die Afrikahilfe. Die G8-Staaten haben zugesagt, bis 2010 die Entwicklungshilfe für Afrika um 25 Milliarden US-Dollar im Jahr zu erhöhen. Damit bekräftigten die Staats- und Regierungschefs das Versprechen aus dem Jahr 2005. Die G8-Staaten stellten in Aussicht, nach 2010 die Entwicklungshilfe nochmals aufzustocken. Hilfsorganisationen kritisierten den Beschluss, der keine Angaben darüber mache, durch wessen Beiträge das Ziel von zusätzlich 25 Milliarden US-Dollar im Jahr erreichen werden solle.

Für den Kampf gegen Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern wurden Ausgaben von 60 Milliarden Dollar (rund 38 Milliarden Euro) binnen fünf Jahren beschlossen. Der Betrag war bereits in Heiligendamm zugesagt worden, jedoch ohne einen Zeitrahmen für die Auszahlung zu nennen. Die so genannten Milleniumsziele wurden bekräftigt. Sie sehen vor, den Anteil der Menschen, die Hunger leiden, bis 2015 zu halbieren. Außerdem soll die Ausbreitung von Aids, Malaria und anderen Krankheiten zum Stillstand gebracht werden. Oxfam zufolge haben die G8-Staaten bislang erst 14 Prozent dieser Zusage für Afrika eingehalten.

Ein weiteres Thema des Gipfels waren sie steigenden Lebensmittel- und Ölpreise. Die Staats- und Regierungschefs der G8 forderten die Erdöl produzierenden Länder auf, ihre Produktionskapazitäten "kurzfristig" zu steigern. Der Inflationsdruck infolge steigender Öl-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise sei eine "ernste Gefahr" für das globale Wirtschaftswachstum.

Der nächste G8-Gipfel wird auf der Insel La Maddalena stattfinden, die zu Sardinien gehört.

Mehr zum Thema

euro|topics - Presseschau

G8-Gipfel in Japan

Auf dem G8-Gipfel in Japan haben sich die beteiligten Länder auf eine Halbierung des weltweiten CO2-Ausstoßes bis 2050 verständigt. Die USA stimmten damit erstmals einer verbindlichen Verpflichtung zur Reduzierung der Treibhausgase zu. Europas Presse sieht die Vereinbarung dennoch kritisch. Weiter...

Peter Molt

Zur Afrikastrategie der Europäischen Union

Die Entwicklungszusammenarbeit der EU mit Afrika bedarf einer Revision. Sie vollzieht sich immer noch im Rahmen der AKP-Staatengruppe. Trotz Kritik am eingeschlagenen Weg hat Europa nicht nur elementare Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen, sondern auch eine Verpflichtung zur Solidarität mit Afrika. Weiter...