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Kolumbien: Ex-Präsidentschaftskandidatin Betancourt aus Geiselhaft befreit

Nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft ist die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt aus der Gewalt der Guerillaorganisation FARC befreit worden. Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin war im Februar 2002 während einer Wahlkampfreise im Süden des Landes entführt worden.

Ingrid Betancourt mit ihrer Mutter nach ihrer Ankunft in Bogotá, Foto: APIngrid Betancourt mit ihrer Mutter nach ihrer Ankunft in Bogotá, Foto: AP
Ingrid Betancourt bezeichnete ihre Befreiung als "Zeichen des Friedens". Soldaten der kolumbianischen Armee hatten die 46-Jährige zusammen mit drei Amerikanern und elf weiteren Geiseln am Mittwoch (02.07.2008) befreit. Mit einem Täuschungsmanöver hatten sie die Guerilleros der linken FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) in der südlichen Dschungel-Provinz Guaviare überlistet und die Geiseln per Hubschrauber nach Bogotá gebracht. Offenbar war es der kolumbianischen Armee im Vorfeld der Aktion gelungen, Agenten in die Führungsebene der FARC einzuschleusen.

Betancourt bedankte sich nach ihrer Befreiung bei der Armee, Alvaro Uribe, dem Präsidenten Kolumbiens, Frankreich sowie den zahlreichen weltweiten Unterstützern. Die Befreiung Betancourts wurde international mit großer Erleichterung aufgenommen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, US-Präsident George W. Bush und andere Politiker beglückwünschten die Regierung in Bogotá zu der geglückten Befreiung. Insbesondere die französische und die venezolanische Regierung hatten sich zuletzt um die Freilassung der Politikerin bemüht.

Mit dieser Aktion konnte auch der konservative Präsident Kolumbiens, Alvaro Uribe, seinen bisher größten Erfolg feiern. Kurz nach der Befreiung am Mittwoch (02.07.2008) rief er die FARC zu Friedensgesprächen und zur Freilassung der übrigen Geiseln auf. Er bekräftige seine Bereitschaft zu Verhandlungen mit den Rebellen, sollten diese ihren bewaffneten Kampf einstellen.

Damit wächst die Hoffnung auf Frieden in Kolumbien. Das südamerikanische Land befindet sich seit über 40 Jahren in einem Bürgerkrieg zwischen rechten Para-Militärs, linken Guerillaorganisationen und der Armee. Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) schätzt die Zahl der vor dem bewaffneten Konflikt und Menschenrechtsverletzungen fliehenden Kolumbianer auf über 500.000. Nach Angaben der Weltbank lebten im Jahre 2006 mehr als 49 Prozent der kolumbianischen Bürger in Armut. Davon gelten sieben Prozent als arm: Sie müssen mit einem Tageseinkommen von weniger als einem US-Dollar auskommen.

Beobachter rechnen mit der sukzessiven Schwächung der FARC, deren Gründer Manuel Marulanda im Frühjahr 2008 angeblich an einem Herzinfarkt gestorben ist. Sie gilt als größte noch bestehende linksgerichtete Guerillaorganisation Lateinamerikas und finanziert sich hauptsächlich über den Drogenhandel und mit Lösegeldern aus spektakulären Entführungen. Bereits Anfang des Jahres hatte die FARC auf Vermittlung von Venezuelas Präsident Hugo Chavez mehrere Geiseln freigelassen. Die durch zahlreiche Militäraktionen bereits stark geschwächte FARC hat noch rund 700 Geiseln in ihrer Gewalt.


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