Erde

Wasserkonferenz in Singapur

Immer mehr Regionen der Welt leiden unter Wasserknappheit. 2025 könnte ein Drittel der Weltbevölkerung von akutem Wassermangel betroffen sein. In Singapur berieten rund 5.000 Wasserexperten und Politiker vom 23. bis 27. Juni über den nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Wasser.

Bewässerungssytem in Nebraksa, Foto: APBewässerungssytem in Nebraksa, Foto: AP
Nach Ansichten des kanadischen Wasserexperten und Forschers Andrew Benedek ist die weltweite Verknappung von Trinkwasser weitaus schlimmer als bisher angenommen: Bereits jetzt haben etwa 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wachsende Bevölkerungszahlen führen dazu, dass die Nachfrage auch künftig noch steigen wird. Seit 1950 hat der weltweite Wasserbedarf um etwa 40 Prozent zugenommen. Hinzu kommen die klimatischen Veränderungen, wie Überschwemmungen und Dürrekatastrophen, die in vielen Regionen der Erde große Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit haben.

Eine besondere Herausforderung stellt die Wasserversorgung in den rasant wachsenden Millionenstädten dar. Während es zu Beginn des 20. Jahrhunderts davon weltweit 16 gab, sind es heute bereits 400 - Tendenz steigend. In vielen asiatischen Mega-Städten hängt die Versorgung mit Wasser vom Geldbeutel ab. Armensiedlungen bleiben deshalb häufig von dem städtischen Versorgungsnetz ausgeschlossen und müssen auf verschmutztes Wasser zurückgreifen, was zu Krankheiten führt. Nach Angaben der Weltgesundheits-
organisation sterben weltweit jeden Tag 4.000 Menschen durch verunreinigtes Trinkwasser.

In immer stärkerem Maße verknüpfen sich mit der Wasserfrage auch sicherheitspolitische Interessen. Der Zugang zu Wasser birgt für viele Staaten Konfliktpotenzial. Häufig finden diese Konflikte zwischen Flussanrainerstaaten statt, die um die Kontrolle und Nutzung von Wasser konkurrieren. Insbesondere auf substaatlicher Ebene werden sie immer häufiger gewaltsam ausgetragen. Ebenfalls eng verbunden mit der Verfügbarkeit von Wasser ist die Nahrungsmittelproduktion: Weltweit betrachtet fließen rund 70 Prozent des gesamten Süßwasserverbrauchs in die Landwirtschaft. Die Wasserknappheit, die durch das Bevölkerungswachstum und den Klimawandel forciert wird, gefährdet schon heute in vielen Regionen die Ernährungssicherung.

Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass der natürliche Rohstoff in den letzten Jahren auf der Agenda der internationalen Politik immer präsenter geworden ist. Eine weltweit bessere Versorgung mit Trinkwasser ist eine der drei Vorgaben der UN-Milleniumsziele, welche die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2000 verabschiedete: Bis 2015 soll sich die Anzahl derjenigen halbieren, denen dauerhaft Zugang zu sicherem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen fehlt. Unter anderem wurde dazu 2004 der "Fachbeirat für Wasser und Wasserentsorgung" ins Leben gerufen, der Lösungskonzepte für die drängenden Probleme bei der Wasserver- und -entsorgung ausarbeitet. Derzeit existieren über 30 Programme und Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, die sich mit Wasserfragen auseinandersetzen.

Dabei wird vor allem auf ein besseres Wassermanagement gesetzt: Wasserwiederaufbereitung, Kampagnen zum sparsameren Umgang mit Wasser und die Verbesserung der Wasserleitsysteme - in vielen Staaten der Welt gehen allein 30-40 Prozent des Wassers durch undichte Rohre oder schadhafte Kanäle verloren. Singapur geht mit großen Schritten voran: Bis zum Jahre 2000 führte Singapur seinen gesamten Wasserbedarf noch aus Malaysia ein. Bis 2011 will es ein Drittel des Wasserbedarfs durch die Wiederaufbereitung von Abwasser selbst generieren.


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