Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
Die Extreme nehmen weiter zu. Während das Armutsrisiko in Deutschland
steigt, wachsen die Einkünfte der Reichen. Besonders alarmierend: Auch immer
mehr Menschen mit Arbeit drohen in die Armut abzurutschen.
Während an den Rändern die Extreme zunehmen, ist auch die Mitte im Wandel begriffen. Bis vor sieben Jahren lag die Zahl der Menschen mit mittlerem Verdienst relativ konstant um die 62 Prozent. Neue Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegen jedoch: Die Mitte schmilzt dahin. Im Jahr 2006 zählten nur noch 54 Prozent der Gesamtbevölkerung zur Mittelschicht. Während ein Teil in die Klasse der wohlhabenden Haushalte aufgestiegen ist, ist die Zahl der armutsgefährdeten Haushalte, die weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens haben, stärker gestiegen. Gleichzeitig schafften es immer weniger arme Menschen, in die Mitte der Gesellschaft aufzusteigen.
Als erste Reaktion auf den jüngsten Armuts- und Reichtumsbericht haben SPD-Politiker eine stärkere Belastung der Reichen gefordert. "Wir brauchen eine neue Solidarität", sagte der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. Die geringen Einkommen müssten entlastet werden. Im Gegenzug müsse über eine stärkere Belastung derjenigen Einkommen nachgedacht werden, die am schnellsten wüchsen, so Lauterbach. Die SPD sieht sich auch in ihrer Forderung nach einem Mindestlohn bestärkt. Der mittelstandspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Michael Fuchs (CDU), sprach sich im ZDF hingegen für eine steuerliche Entlastung der Mittelschicht aus, um das Armutsrisiko zu senken. Ebenso sieht es FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Politiker der Grünen und der Linkspartei plädierten dahingegen für eine Anhebung der Regelsätze für das Arbeitslosengeld II. Olaf Scholz nannte die Bildungspolitik als Schlüssel, künftig wieder mehr Menschen in Arbeit zu bringen und so das Armutsrisiko zu senken. Alle Kinder müssten unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Lage eine Chance auf gute Bildung bekommen. Derzeit hätten 15 Prozent der über 35-Jährigen keinen Berufsabschluss; rund acht Prozent der Schüler würden die Schule ohne Abschluss verlassen.

