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Zukunftskonferenz in Jerusalem

Zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels haben hochkarätige Vertreter aus Politik und Gesellschaft auf einer internationalen Konferenz in Jerusalem über die Zukunft des jüdischen Staates diskutiert. Ein Raketenangriff der radikal-islamischen Hamas überschattete die Feierlichkeiten.

Israels Premier Ehud Olmert spricht auf der Zukunftskonferenz. Foto: APIsraels Premier Ehud Olmert spricht auf der Zukunftskonferenz. Foto: AP
60 Jahre nach der Staatsgründung steht Israel ganz im Zeichen der Zukunft. Unter dem Motto "Facing Tomorrow - Konfrontiert mit der Zukunft" ist am Donnerstag (15.05.2008) die erste Zukunftskonferenz in Jerusalem zu Ende gegangen. Drei Tage lang hatten einige der "besten und intelligentesten" Vertreter - so die offizielle Ankündigung - aus allen Gesellschaftsbereichen über Chance und Probleme des jüdischen Staates diskutiert. Zu der Zusammenkunft hatte Staatspräsident Shimon Peres geladen. Der 85-Jährige Politiker war bereits als enger Berater von Israels erstem Ministerpräsidenten David Ben-Gurion tätig. Neben amtierenden Staatsoberhäuptern kamen auch viele "Ehemalige" zu Wort, darunter der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, Michail Gorbatschow, ehemals Präsident der UDSSR, und der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer. Auch US-Präsident George W. Bush war als Ehrengast geladen. Darüber hinaus nahmen hochrangige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Bildung sowie sieben Nobelpreisträger an der internationalen Konferenz teil.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand der nach wie vor fragile Friedensprozess mit den Palästinensern und den arabischen Nachbarn. Nach Meinung des israelischen Schriftstellers Amos Oz seien die Rückkehr und das Wohlergehen der palästinensischen Flüchtlinge eine wichtige Voraussetzung für die Sicherheit Israels - denn in den Flüchtlingslagern, wo ein Großteil der Palästinenser seit dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 lebt, gediehen Extremismus und Fundamentalismus, so der Schriftsteller. Auch Kissinger sieht den islamistischen Fundamentalismus als zentrale Herausforderung, der global bekämpft werden müsse. Aufgabe der Politik müsse es vor allem sein, die Zahl der Nuklearmächte in der Welt zu begrenzen. Der israelische Regierungschef Ehud Olmert bekräftigte den Willen Israels zu einer Zwei-Staaten-Lösung: Ein Frieden in der Region erfordere klare Grenze zwischen einem israelischen und einem palästinensischen Staat, betonte der Premier. Vor knapp einem halben Jahr wurden die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien in Annapolis wieder in Gang gebracht - bisher jedoch ohne konkrete Ergebnisse. Insbesondere der israelische Siedlungsbau im Westjordanland sowie die Gewalt palästinensischer Extremisten sind Haupthindernisse auf dem Weg zu einer gegenseitigen Annäherung.

Gewalt überschattete auch die Zukunftskonferenz. Trotz Sicherheitsstufe 3 - die höchste vor dem akuten Notstand - hatte am Mittwoch ein Raketenangriff der radikal-islamischen Hamas aus dem Gaza-Streifen die südisraelische Stadt Aschkelon getroffen. Dabei wurden mindestens 14 Menschen verletzt. Olmert drohte der Hamas darauf mit "beispielsloser Gewalt", falls der Beschuss des jüdischen Staates nicht aufhören sollte. Noch am Mittwochabend flog die israelische Luftwaffe einen Angriff auf Ziele im Gazastreifen. Medienberichten zufolge sollen dabei zwei Hamas-Mitglieder getötet worden sein. In der Vergangenheit hatte Israel auf die andauernden Raketenbeschüsse mit zeitlich befristeten Militäraktionen und wirtschaftlichen Sanktionen reagiert, die vor allem die palästinensische Bevölkerung in dem dicht besiedelten Küstenstreifen trifft. Die Regierung in Jerusalem will so einen Regimewechsel der dort regierenden Hamas herbeiführen.


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