Erde

Weltbank: Mehr Armut durch hohe Lebensmittelpreise

Seit Jahren steigen die Preise für Lebensmittel. Das trifft vor allem die ärmeren Länder der Welt. Aber auch dort, wo die Menschen genug zu Essen haben könnten, kommt es zu "Hunger-Unruhen".

In der Kritik: Bio-Kraftstoff Raps. Foto: APIn der Kritik: Bio-Kraftstoff Raps. Foto: AP
Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen: Nach einer aktuellen Studie der Weltbank kletterten die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen drei Jahren weltweit um 83 Prozent, für Weizen sogar um 181 Prozent - Tendenz steigend. Nach Angaben des Internationalen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik (IFPRI) könnten die Preise für Mais und Ölsaaten bis zum Jahr 2020 noch um bis zu 72 Prozent teurer werden. Diese Entwicklung träfe in erster Linie die armen Länder. Schon jetzt können sich viele Staaten essentielle Lebensmittel kaum leisten. Einige Regierungen haben daher Maßnahmen getroffen, um sich gegen den Preisanstieg zu wappnen. Ägypten beispielsweise weitete sein Programm zur Rationierung der Lebensmittel aus. In Malaysia wird jede Ausfuhr von Mehl ohne genehmigte Lizenz strafrechtlich geahndet. Pakistan führte wie in den 1980er Jahren wieder Lebensmittelkarten ein. Alleine hier sind nach Einschätzung des Welternährungsprogramms (WFP) 77 Millionen Menschen von Unterernährung bedroht.

Doch einige Maßnahmen verschärfen die ohnehin angespannte Lage. In vielen Ländern kam es in letzter Zeit zu gewaltsamen "Hunger-Unruhen": In Ägypten wurden bei einem geplanten Generalstreik gegen die steigenden Lebensmittelpreise am Sonntag (06.04.2008) rund 200 Menschen verhaftet. Auch auf Haiti kam es in den vergangenen Tagen zu massiven Protesten. Demonstranten plünderten Geschäfte und lieferten sich Gefechte mit der Polizei. Die Preise für Reis, Bohnen und Obst sind hier im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen.

Die Weltbank warnte diese Woche vor den Gefahren der Preisexplosion bei Lebensmitteln. "In einigen Ländern könnte es nach hart erkämpften Erfolgen im Kampf gegen Armut nun wieder in die umgekehrte Richtung gehen", sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick. Vor allem in Afrika ist eine negative Entwicklung zu erwarten. 70 bis 80 Prozent der afrikanischen Länder sind auf Lebensmittelimporte angewiesen. Immer stärker sind aber auch Länder betroffen, die bislang von Nahrungsmittelkrisen weitestgehend verschont waren: "Hunger betrifft inzwischen auch Länder wie Indonesien, Jemen und Mexiko", so die Exekutiv-Direktorin Josette Sheeran von der UN-Sektion "World Food Programme". Ein Anstieg der Reispreise um zehn Prozent könnte nach Angaben der Weltbank bedeuten, dass alleine in Indonesien weitere zwei Millionen Menschen verarmen.

Weltbank-Präsident Zoellick fordert deshalb einen neuen Ansatz in der internationalen Ernährungspolitik. Vor allem die Ursachen der Preissteigerung sollen stärker beachtet werden: Neben einer weltweit gestiegenen Nachfrage und der wachsenden Zahl von Naturkatastrophen setzt auch der wachsende Bedarf an Biotreibstoffen die Preise unter Druck. Die steigenden Energiekosten erhöhen den Anreiz, biologischen Kraftstoff zu fördern. Immer mehr Entwicklungsländer überlegen, wie sie den Anbau von Produkten optimieren können, die für den Biosprit benötigt werden. Das verteuert insbesondere die Preise für Raps und Mais.


Mehr zum Thema

Armut

Zahlen und Fakten

Armut

Menschen sind von extremer Armut betroffen, wenn sie in Haushalten mit Einkommen von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben. 1981 galt dies noch für 44 Prozent der Weltbevölkerung bzw. knapp zwei Milliarden Menschen. Ende 2015 war weltweit weniger als jeder Zehnte von extremer Armut betroffen – rund 700 Millionen Menschen. Weiter...

euro|topics - Presseschau

Höchstpreise für Lebensmittel

Steigende Lebensmittelpreise sorgen überall auf der Welt für Besorgnis. Welche Wege gibt es aus der Nahrungsmittelkrise? Weiter...

Franz Nuscheler

Wie geht es weiter mit der Entwicklungspolitik?

Bei aller Kritik muss die Entwicklungspolitik schon aus "wohlverstandenem Eigeninteresse" weitergehen. Darüber hinaus ist sie eine Frage internationaler Gerechtigkeit und Solidarität. Weiter...