Erde

Serben wählen pro-europäischen Tadic

Es war ein knapper Sieg mit großer Bedeutung. Präsident Boris Tadic erhielt am Sonntag in der Stichwahl um das Präsidentenamt nur etwa 100.000 Stimmen mehr als sein Konkurrent, der Nationalist Nikolic. Tadic will sein Land in die EU führen.

Siegerpose: Boris Tadic, der alte und der neue Präsident Serbiens
Foto: APSiegerpose: Boris Tadic, der alte und der neue Präsident Serbiens
Foto: AP (© AP )
"Serbien wählt heute sein Schicksal", hatte die Belgrader Zeitung "Blic" am Morgen der Wahl getitelt. Die Abstimmung galt als Richtungswahl über den künftigen Kurs des Balkanstaats in der Außenpolitik. Während Präsident Tadic sein Land in die Europäische Union führen will, befürwortet der Herausforderer Nikolic eine engere Bindung an Russland – insbesondere, wenn die meisten EU-Staaten einen unabhängigen Kosovo anerkennen sollten.

Wie wichtig den 6,7 Millionen Wahlberechtigen diese Entscheidung war, zeigt die Wahlbeteiligung. Mit 67 Prozent lag sie deutlich über den 61 Prozent der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen, die der Herausforderer Nikolic noch mit 40 zu 35,4 Prozent für sich entschieden, aber die notwendige absolute Mehrheit verfehlt hatte. Dass das Pendel diesmal zu Tadics Gunsten ausschlug, dafür war offenbar die ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung in den großen Städten Belgrad und Novi Sad verantwortlich. Nach ersten amtlichen Teilergebnissen liegt Tadic mit 51 Prozent der Stimmen knapp vor Nikolic, der etwa 47 Prozent erreichte. Noch am Wahlabend gestand Nikolic seine Niederlage ein und gratulierte Tadic zum Sieg.

Im Wahlkampf der vergangenen zwei Wochen hatte Tadic für den Fall eines Sieges von Nikolic vor der weltpolitischen Isolation Serbiens und zunehmender wirtschaftlicher Not gewarnt. Das zeigte offenbar Wirkung. Analysen zufolge sei es Tadic im Gegensatz zu ersten Wahlrunde gelungen, junge Leute zu mobilisieren, die sich von dem pro-europäischen Kurs bessere Lebensbedingungen und mehr Wohlstand versprechen.

Die Kosovo-Frage spielte bei den Wählern offenbar eine untergeordnete Rolle. Tadic lehnt zwar wie Nikolic eine Unabhängigkeit des Kosovos ab und erklärte noch in der Wahlnacht: "Wir geben unseren Landsleuten im Kosovo heute Rückhalt und zeigen ihnen, dass wir sie niemals fallen lassen werden." Den Weg nach Europa will er seinem Land aber dadurch nicht verbauen.

Zu den Verlierern der Wahl ist neben Nikolic auch Regierungschef Kostunica zu zählen, der wie dieser eine Eigenständigkeit des Kosovos ablehnt. Er hatte nach dem Scheitern des eigenen Kandidaten in der ersten Runde keine Wahlempfehlung für Tadic ausgesprochen und damit die in die Regierungskoalition eingebundenen Demokraten vor den Kopf gestoßen. Politische Beobachter vor Ort sahen darin eine Belastung für die künftige Arbeit der Regierungskoalition, ­ steht dieser doch eine schwere Prüfung bevor, sollte der Kosovo wie erwartet in den nächsten Wochen seine Unabhängigkeit erklären.

Europaweit fielen die Reaktionen auf das Wahlergebnis positiv aus. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft sah in der Entscheidung eine "Unterstützung für den demokratischen und europäischen Kurs des Landes". Die EU will schon am Donnerstag ein Abkommen unterzeichen, das Serbien den Umgang mit der EU erleichtert. Die Bundesregierung sah in dem Ergebnis eine "gute Nachricht für ganz Europa". Das serbische Volk habe unterstrichen, dass es die Zukunft Serbiens in Europa sieht, sagte der stellvertretende Sprecher der deutschen Bundesregierung, Thomas Steg, am Montag in Berlin.


Mehr zum Thema

Fischer Weltalmanach

Serbien

Der Fischer Weltalmanach stellt Serbien und Montenegro vor der Abspaltung Montenegros im Juni 2006 vor, liefert einen Jahresüberlick und schildert die Situation im Kosovo. Weiter...

Hintergrund aktuell (21.01.2008)

Präsidentschaftswahlen in Serbien

Die erste Runde der serbischen Präsidentschaftswahlen hat der Nationalist Tomislav Nikolic am Sonntag für sich entschieden. Er erhielt fast 40 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Boris Tadic erreichte nur rund 36 Prozent. Weil beide die absolute Mehrheit verfehlten, fällt die Entscheidung am 3. Februar in einer Stichwahl. Weiter...

euro|topics

Präsidenschaftswahlen in Serbien

Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Serbien hat der Nationalist und Europaskeptiker Tomislav Nikolic gewonnen. Als Chef der oppositionellen Radikalen erhielt er 39,6 Prozent der Stimmen, der pro-europäische Amtsinhaber Boris Tadic von der Demokratischen Partei und 35 Prozent. Am 3. Februar wird in einer Stichwahl entschieden. Weiter...