Erde

Indisch-chinesisches Gipfeltreffen

Indiens Premier Manmohan Singh ist am Sonntag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Peking eingetroffen. China und Indien wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Alte Grenzkonflikte belasten jedoch die Verhandlungen.

Indiens Premier Manmohan Singh (l.) und der chinesische Premierminister Wen Jiabao, Foto: APIndiens Premier Manmohan Singh (l.) und der chinesische Premierminister Wen Jiabao, Foto: AP
Es sind die bevölkerungsreichsten Nationen und die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Erde: Zusammen stellen China und Indien mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung. Nach Berechnung einiger Experten hat China Deutschland bereits von Platz drei der größten Wirtschaftsnationen verdrängt, der "indische Tiger" zieht ebenso rasch nach. Analysten sprechen schon von einem kommenden chinesisch-indischen Jahrhundert. Die erste Chinareise des indischen Premiers Singh wird daher als Gipfel mit potentiell weltweiten Folgen aufmerksam verfolgt.

Im Mittelpunkt des dreitägigen Teffens steht der Abschluss von insgesamt fünf Wirtschaftsabkommen, die den Abbau von Handelsbarrieren zum Ziel haben. Bereits 2006 vereinbarten China und Indien, ihr Handelsvolumen bis 2010 auf 40 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Das Ziel ist bald erreicht: 2007 betrug das Handelsvolumen bereits 37 Milliarden, allein im ersten Halbjahr lag die Wachstumsrate bei 51 Prozent. Insgesamt hat sich der bilaterale Handel seit 2000 versechsfacht. Allerdings forderte Singh am Montag nach seinem Treffen mit Amtskollegen Wen Jiabao vor Wirtschaftsvertretern eine ausgeglichenere Handelsbilanz, besseren Schutz des geistigen Eigentums und "marktbezogene Wechselkurse" von China. Indien möchte künftig mehr Konsumgüter, Obst und Gemüse und weniger Rohstoffe nach China exportieren. China indes will mehr direkte Investitionen in Indien durchsetzen. In einer Erklärung hieß es, dass der gegenseitige Handel künftig ausgeglichener gestalten werden solle.

Auch der Klimawandel steht auf der Agenda des Gipfeltreffens. Und während der Energiehunger ihrer rasant wachsenden Wirtschaft die beiden Länder potentiell zu Konkurrenten macht, bilden China und Indien in Umwelt-Fragen derzeit eine geschlossene Front. Beide Nationen haben sich bereits vor dem Termin gegen verbindliche Obergrenzen für Emissionen in Entwicklungsländern ausgesprochen. Sie sehen vielmehr die Industrieländer in der Pflicht.

Ein bleibender Schatten auf den Verhandlungen ist der nach wie vor schwelende Grenzkonflikt im Himalaya, der 1962 zu einem kurzen Krieg führte. Seitdem fordert Neu Delhi den von China besetzten Teil Kaschmirs zurück. Peking wiederum erhebt Anspruch auf den nordöstlichen indischen Bundesstaats Arunachal Pradesh an der Grenze Tibets. Die traditionell engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Chinas und Pakistans laden den Konflikt zusätzlich auf: Indien streitet seit Jahrzehnten mit Pakistan um die Grenzregion Kaschmir, während China als größter Waffenlieferant Pakistans fungiert.


Mehr zum Thema

Jochen Buchsteiner

Partner und Rivalen - Das Verhältnis der asiatischen Großmächte Indien und China

Das indisch-chinesische Verhältnis hat mittlerweile internationale Bedeutung erlangt. Nicht nur werden die beiden Volkswirtschaften nach Berechnung von Fachleuten spätestens Mitte des Jahrhunderts etwa die Hälfte des Welthandels unter sich aufteilen. Als Nuklearmächte beanspruchen sie auch mehr Mitsprache auf der Bühne der Weltpolitik. Weiter...

Arbeiterinnen in einer Schuhfabrik nahe Neu Delhi
Foto: Rainer Hörig

Wolfgang-Peter Zingel

Wirtschaftssystem und wirtschaftliche Entwicklung in Indien

Indien wird als einer der BRIC-Staaten (zusammen mit Brasilien, Russland, und China) als neue Wirtschaftsmacht gesehen, die der Weltwirtschaft aus der Krise helfen soll. Der Beitrag untersucht, wie sich das Land nach Jahrzehnten bescheidenen Wachstums zum Hoffnungsträger entwickeln konnte. Die Wahrnehmung Indiens als Wirtschaftsmacht ist nämlich jüngeren Datums. Davor bestimmte der Versuch das koloniale Erbe zu überwinden den Aufbau einer gemischten, von internationalen Märkten weitestgehend abgekoppelten Wirtschaftsordnung sowie Indiens Wiedereingliederung in die Weltwirtschaft. Weiter...

£66m to boost offshore wind power. An aerial view showing the new Centrica Energy Lincs offshore wind farm off the Lincolnshire coast. Picture date: Thursday August 1, 2013. See PA story ENERGY Wind. Photo credit should read: Anna Gowthorpe/PA Wire URN:17212590

Doris Fischer

Chinas sozialistische Marktwirtschaft

Seit 1978 beschreitet China den Weg in eine "sozialistische Marktwirtschaft" mit imposanten Wachstumsraten und deutlichem Strukturwandel. Sorgen um politische und soziale Stabilität führen neuerdings zu Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit. Weiter...