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Nordirak: Türkei greift Stellungen der PKK an

Die türkische Luftwaffe hat in der Nacht zum Sonntag mehrere Dörfer im Nordirak bombardiert. Ziel waren mutmaßliche Stellungen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in der Nähe des Kandil-Gebirges. Die irakische Regierung und die kurdische Autonomieregierung protestierten gegen die Angriffe.

Grenzpatrouille: türkischer Soldat an der Grenze zwischen der Türkei und dem Irak
Foto: APGrenzpatrouille: türkischer Soldat an der Grenze zwischen der Türkei und dem Irak
Foto: AP
Mehrere Kampfflugzeuge waren kurz nach ein Uhr von einem Stützpunkt im südosttürkischen Diyarbakir aufgestiegen. Der Einsatz dauerte etwa drei Stunden. Im Anschluss setzte die türkische Artillerie den Beschuss der Ziele noch eine halbe Stunde fort. Mindestens zehn Dörfer sollen angegriffen worden sein. Ein türkischer Nachrichtensender berichtete, eine Frau sei bei den Angriffen getötet worden. Nach kurdischen Angaben sollen zwei Zivilisten und fünf PKK-Kämpfer bei den Luftangriffen ums Leben gekommen sein.

Der türkische Generalstabschef Yasar sagte der Nachrichtenagentur Anadolu, dass der Angriff mit Billigung der USA stattgefunden habe: "Amerika hat vergangene Nacht den irakischen Luftraum für uns geöffnet." Ein Sprecher des Pentagons wollte sich zu diesen Behauptungen zwar nicht äußern, betonte aber, dass die USA über den Angriff informiert gewesen seien und die Türkei im Kampf gegen die PKK unterstützten. Dazu würden von Seiten der USA vor allem Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt. Als Reaktion auf die Luftangriff bestellte das irakische Außenministerium den türkischen Botschafter in Bagdad ein. Der Vize-Außenminister Mahmud al Hadsch Humud sagte, die Angriffe gefährdeten die "freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern". Die türkischen Behörden sollten derartige Aktionen gegen Unschuldige beenden. Schon vor den Angriffen demonstrierten am Samstag in Düsseldorf rund 10.000 Kurden gegen die Militäraktionen der Türkei.

Die Mitglieder der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) nutzen das schwer zugängliche Kandil-Gebirge im Nordirak als Rückzugsgebiet. Die türkische Armee vermutet, dass sich mehrere tausend PKK-Kämpfer dort versteckt halten. Die Arbeiterpartei Kurdistans kämpft für einen eigenen Kurdenstaat. Nach Angaben der Agentur AP sind in dem Konflikt zwischen der Türkei und der PKK seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet worden.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als terroristische Vereinigung betrachtet. 2007 hat die PKK wiederholt militärische und zivile Einrichtungen in der Türkei angegriffen. Im Mai gab es einen Selbstmordanschlag in Ankara, Anfang Oktober töteten Mitglieder der PKK 13 türkische Soldaten. In Izmir und Istanbul explodierten Bomben, die mehrere Opfer forderten. Immer wieder kam es seither zu Gefechten an der Südgrenze des Irak mit Toten auf beiden Seiten. Inzwischen sind rund 100.000 Soldaten der türkischen Armee an der Grenze zum Irak stationiert. In den vergangenen Monaten kam es vermehrt zu grenzüberschreitenden Einsätzen gegen die kurdischen Rebellen. Anfang Dezember hatte die türkische Luftwaffe bereits Kampfhubschrauber gegen PKK-Stellungen eingesetzt.

Die meisten der etwa 30 Millionen Kurden leben im Grenzgebiet zwischen der Türkei, dem Irak, Iran und Syrien. Einen eigenen Staat der Kurden hat es noch nie gegeben. Seit dem Fall Saddam Husseins haben die Kurden im Nordirak allerdings eine Art Selbstverwaltung errichtet. In der Türkei stellen die Kurden mit 11,5 Millionen Menschen die größte ethnische Minderheit dar, werden aber von der türkischen Regierung nicht anerkannt.

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