Erde

Klimakonferenz auf Bali

In fünf Jahren läuft das Kyoto-Protokoll aus. Auf dem Weltklimagipfel auf Bali sollen die Weichen für den Klimaschutz neu gestellt werden. Die Ziele sind ehrgeizig, konkrete Vorgaben wird es aber vorerst nicht geben.

Bringe das Klima nicht zum Kochen - Umweltaktivisten machen auf die Erd-erwärmung aufmerksam. Foto: APBringe das Klima nicht zum Kochen - Umweltaktivisten machen auf die Erd-
erwärmung aufmerksam. Foto: AP
Der Klimawandel ist eindeutig, der Mensch muss handeln. Zu diesem Schluss kommt der UN-Klimarat IPPC in seinem aktuellen Klima-Report. Der Bericht bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Klimakonferenz auf Bali. Noch bis Ende nächster Woche sollen auf der indonesischen Insel die Weichen für ein Nachfolge-
abkommen des Kyoto-Protokolls gestellt werden. Vor zehn Jahren wurde das erste internationale Klimaschutzabkommen in Kyoto vereinbart, 2012 läuft es aus. Bisher verpflichteten sich 38 Industriestaaten, den Ausstoß der sechs wichtigsten Treibhausgase bis 2012 um weltweit 5,2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren.

Nach einem Regierungswechsel trat zu Beginn der Konferenz auch Australien dem Abkommen bei. Damit hat einzig die USA das Klimaschutzabkommen noch nicht ratifiziert. Dabei sind die US-Amerikaner weltweit für rund ein Viertel der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Doch der Druck auf die Regierung in Washington wächst. In einem Schreiben an den Chef des Weltklimasekretariats, Yvo de Boer, raten US-Kongressmitglieder dazu, die Blockadehaltung der US-Regierung zu ignorieren: Deren Positionierung in der internationalen Klimapolitik entspreche "nicht dem Status quo in Amerika". Die Abgeordneten appellierten an die Konferenzteilnehmer auf Bali "einen wirksamen Rahmen für die Zeit nach 2012" auszuhandeln. Im Alleingang haben mehrere US-Bundesstaaten bereits Klimainitiativen auf den Weg gebracht, die eine Senkung des CO2-Ausstoßes bis 2050 um 60 bis 80 Prozent vorsehen.

Bisher fehlt es den 192 Teilnehmer-Staaten auf Bali jedoch an einem klaren Konzept. Zum Auftakt der Konferenz am Montag machte de Boer deutlich, dass kein "detaillierter Fahrplan" ausgehandelt werde. Man wolle allenfalls einen Prozess in Gang setzen. Ein Abkommen, das konkrete Reduktionsvorgaben vorschreibt, soll erst 2009 in Kopenhagen verabschiedet werden. Umstritten sind vor allem die Verbindlichkeiten für Entwicklungs- und Schwellenländer. Während das Kyoto-Protokoll allein die Industrieländer in die Pflicht nimmt, soll das Nachfolge-Abkommen auch die wirtschaftlich aufstrebenden Nationen, allen voran China und Indien, einbeziehen. Beide Länder sind schon jetzt zusammen mit den USA für mehr als die Hälfte des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die Schwellenländer sperren sich bislang gegen klare Zielvorgaben. Sie fürchten, der Umweltschutz könne ihr Wirtschaftswachstum bremsen. China kündigte allerdings an, bis 2010 seine Energieeffizienz um 20 Prozent zu erhöhen.

Aber auch erste konkrete Zusagen gab es auf Bali, die EU will ihre Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um mindestens 20 Prozent senken. Noch ehrgeizigere Ziele hat sich die Bundesregierung gesetzt: Bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gesenkt werden. Dazu verabschiedete das Kabinett am Mittwoch ein umfassendes Gesetzespaket, das 3,3 Milliarden Euro für den Klimaschutz bereitstellt - 200 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Das "Integrierte Klima- und Energiepaket" sieht vor, die Energie-Effizienz bei Gebäuden zu verbessern und den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung deutlich zu erhöhen. Berechnungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie zeigen, dass sich die Investitionen in klimafreundliche Technologien auf Dauer rechnen: Während sich die jährlichen Zusatzkosten bis 2020 auf 31 Milliarden Euro belaufen, werden die Nutzen mit 36 Milliarden Euro angegeben.


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