Erde

Dollar unter Druck

Am Dienstag senkte die amerikanische Notenbank ihre Wachstumsprognose, der Dollar fiel darauf am Mittwoch auf einen neuen Tiefstand, während der Ölpreis kurzfristig auf Rekordhoch kletterte. Ölexporteure spekulieren nun, ihre Geschäfte nicht mehr in Dollar abzuwickeln. Verliert der Dollar seine Rolle als Leitwährung?

Der Dollar sinkt, der Euro steigt
Foto: APDer Dollar sinkt, der Euro steigt
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Seit dem Einbruch des US-Hypothekenmarktes im September reißt die Kette der Krisenschlagzeilen über die US-amerikanische Wirtschaft nicht ab. Am Dienstag senkte die US-Notenbank Fed ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft auf 1,8 bis 2,5 Prozent für das kommende Jahr. Bisherige Schätzungen waren von 2,5 bis 2,75 Prozent ausgegangen.

Die Devisenmärkte reagierten prompt: Am Mittwoch fiel der Dollar im Verhältnis zum Euro auf ein Rekordtief, der Euro kostete zeitweilig 1,49 Dollar. Anleger vermuten, dass die US-Notenbank nun ihre Leitzinsen erneut senken werde, um einer Rezession entgegenzuwirken. Anlagen in Dollar würden damit weniger gewinnträchtig, andere Währungen wie der Euro attraktiver. Mehrere große Zentralbanken überlegen bereits, ihre Devisenreserven künftig stärker in Euro anzulegen, was die Rolle des Dollars als globale Leitwährung schwächen würde. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank stieg der Anteil des Euro an den weltweiten Währungsreserven seit 1999 von knapp 18 auf gut 25 Prozent, der Dollar verlor in der gleichen Zeit von mehr als 70 auf weniger als 65 Prozent.

Gleichzeitig gerät der Dollar noch von einer anderen Seite unter Beschuss. Auf dem OPEC-Gipfeltreffen vergangenes Wochenende forderten Venezuela und der Iran, den weltweiten Ölhandel nicht länger in US-Dollar abzuwickeln. Die Forderung wurde zwar von Saudi-Arabien blockiert, dennoch wollen auch die Golfstaaten noch im Dezember beraten, ihre geplante gemeinsame Währung stärker vom Dollar abzukoppeln. Der unentwegt steigende Ölpreis befeuert solche Überlegungen zusätzlich: In den vergangenen zehn Jahren ist der Ölpreis um das zehnfache gestiegen, allein in den letzten zwölf Monaten nahm er - in Dollar gerechnet - um 60 Prozent zu. Am Mittwoch kostete ein Barrel Öl (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zeitweise sogar 99,28 Dollar - ein neues Rekordhoch.

Weit wichtiger als Ölmarkt und Währungsreserven freilich sind die großen privaten Investment- und Pensionsfonds in den USA. Zusammen verwalten sie ein Vielfaches der Summen, die als Währungsreserve in den Zentralbanken liegen. Und diese Fonds investieren bislang nach wie vor bevorzugt daheim.

Die deutsche Wirtschaft blieb von den Spekulationen um Dollarkrise, Euro-Stärke und Öl- und Finanzmärkte jedenfalls bislang unberührt. Wie das statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 0,7 Prozent höher aus als im zweiten. Vor allem Investitionen am Standort Deutschland und der starke private Konsum trügen das Wachstum der deutschen Wirtschaft. Für das Gesamtjahr wird ein Wachstum von 2,5 Prozent vorausgesagt.



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