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18 Jahre Mauerfall

9. November 1989 gegen Mitternacht. Tausende Menschen strömen über die Grenzübergänge in Berlin von Ost nach West. Die friedliche Revolution hat ihren Höhepunkt erreicht: Nach 28 Jahren fällt die Mauer.

Berliner feiern vor dem Brandenburger Tor den Fall der Berliner Mauer. Foto APBerliner feiern vor dem Brandenburger Tor den Fall der Berliner Mauer. Foto AP
Nur wenige Stunden zuvor hatte Politbüromitglied Günter Schabowski vorzeitig eine neue Reiseregelung bekannt gegeben: Jedem DDR-Bürger war demnach die Einreise in den Westen erlaubt - "sofort", lautete die Antwort Schabowskis auf die Nachfrage der Journalisten, wann die neue Regelung in Kraft trete. Bei dem Papier handelte es sich aber lediglich um eine Vorlage der SED-Führung und keinen endgültigen Beschluss - was Schabowski zum damaligen Zeitpunkt nicht wusste.

Ein Großteil der Menschen erfuhr von Schabowskis Erklärung erst mehrere Stunden später in den Nachrichten. Tausende Ostberliner drängten an die Grenzübergänge. Nachdem die Grenzbeamten am Übergang Bornholmer Straße den Schlagbaum öffneten, gab es in der ganzen Stadt kein Halten mehr - die Mauer war offen, jeder konnte in den Westteil der Stadt fahren. Jetzt wachse zusammen, was zusammen gehöre, erklärte der frühere Bundeskanzler Willy Brandt einen Tag später auf einer kurzfristig einberufenen Versammlung vor dem Schöneberger Rathaus, die Zusammenführung der Ost- und Westdeutschen sei nun nicht mehr aufzuhalten.

Aber wie weit ist 18 Jahre nach dem Mauerfall die viel beschworene "innere Einheit" vorangeschritten? TNS Infratest und das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" befragten dazu Ende Oktober bundesweit 1.000 Bürger. Die Studie nimmt die unterschiedlichen Generationen in den Blick: 500 der Befragten sind im Alter von 35 bis 50 Jahre, die andere Hälfte zwischen 14 und 24 Jahre. Dabei sieht die jüngere Generation mehr Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West als die Altersgruppe der 35- bis 50-Jährigen. Die Frage, ob sich junge Ost- und Westdeutsche noch voneinander unterschieden, bejahten 67 Prozent der Befragten zwischen 14 und 24 Jahren, bei den Älteren waren es 82 Prozent. Trotzdem glaubt nur ein Viertel der jungen Generation aus Westdeutschland, dass die Einheit in weniger als fünf Jahren vollendet sei, bei den Ostdeutschen war es sogar nur ein Fünftel - noch pessimistischer ist die Elterngeneration: nur zwölf bzw. vier Prozent glauben an das schnelle Erreichen der Einheit.

Am Freitag, dem 18. Jahrestag des Berliner Mauerfalls, berät der Bundestag in erster Lesung über einen Antrag der Großen Koalition für ein Einheitsdenkmal. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnete ein solches Denkmal für Freiheit und Einheit als "symbolischen Treffpunkt unserer Demokratie" und als "längst überfällig". Zwar gebe es zahlreiche Mahnmale in Berlin, die an die zwei Diktaturen in Deutschland erinnerten, keines jedoch widme sich der Einheitsgeschichte, so Lammert. Unklar ist zudem noch, ob das Denkmal in Berlin oder Leipzig stehen soll. Die sächsische Stadt war Ausgangspunkt der "Montagsdemonstrationen", die maßgeblich zum friedlichen Umsturz am 9. November 1989 beigetragen haben.


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