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Präsidentschaftswahlen in Argentinien

Cristina Fernández de Kirchner hat am Sonntag die argentinischen Präsidentschaftswahlen gewonnen. Ihren Sieg sicherte sich die Ehefrau des amtierenden Präsidenten Néstor de Kirchner bereits in der ersten Runde.

Cristina Fernández de Kirchner feiert zusammen mit ihrem Mann ihren Wahlsieg. Foto: APCristina Fernández de Kirchner feiert zusammen mit ihrem Mann ihren Wahlsieg. Foto: AP
Nach Auszählung von 75 Prozent der Wahlzettel erhielt die Kandidatin der peronistischen Regierungspartei de Kirchner 43,6 Prozent der Stimmen und siegte damit bereits im ersten Wahlgang. De Kirchners Gegenkandidatin vom Mitte-Links-Bündnis Coalicion civica, Elisa Carrió, kam lediglich auf 23,1 Prozent. Wer im ersten Wahlgang entweder 45 Prozent der Stimmen oder einen Stimmanteil von 40 Prozent bei einem Vorsprung von zehn Prozent gegenüber dem Zweitplazierten erhält, kann den Sieg für sich beanspruchen. Eine Stichwahl ist damit nicht erforderlich. Der frühere Wirtschaftsminister Roberto Lavagna wurde mit rund 19 Prozent Dritter. Insgesamt 14 Kandidaten hatten sich um das Präsidentenamt beworben. Über 27 Millionen Wähler waren dazu aufgerufen an die Wahlurnen zu gehen - in dem südamerikanischen Land herrscht Wahlpflicht.

Nach dem guten Ergebnis zeigte sich de Kirchner erfreut: "Wir haben mit einem großen Vorsprung gewonnen, vielleicht mit dem größten Vorsprung seit Beginn der Demokratie", sagte die 54-Jährige. Kirchner galt als klare Favoritin und war mit dem Versprechen in den Wahlkampf gezogen, die Politik ihres Mannes fortzusetzen. Der amtierende Präsident wurde 2003 ins Amt gewählt und hatte das Land nach der großen Wirtschaftskrise politisch erfolgreich stabilisieren können. Seit seinem Amtsantritt wuchs die Wirtschaft jährlich um etwa neun Prozent, die Arbeitslosigkeit sank in den letzten vier Jahren von 25 auf knapp neun Prozent. Allerdings sind die Kirchners auch nicht frei von Kritik. Korruptionsvorwürfe und angebliche Manipulation bei der Ermittlung der Inflationsrate hatten während des Wahlkampfes zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit der Opposition geführt. Zunächst wollte Gegenkandidatin Carrió das Wahlergebnis auch nicht anerkennen und sprach von Manipulation bei der Stimmauszählung. Später gratulierte sie ihrer Konkurrentin zum Sieg. Kirchner wird gleichzeitig auch das Amt des Regierungschefs bekleiden - so sieht es die Verfassung des Landes vor, die dem Präsidenten eine starke Stellung einräumt.

Die Parteienlandschaft des zweitgrößten lateinamerikanischen Landes ist stark zersplittert. Bedeutendste Partei ist die Partido Justicialista (PJ), die oftmals auch nur als peronistische Partei bezeichnet wird. Sie stellt landesweit rund die Hälfte der Wählerschaft. Die PJ entstand in den vierziger Jahren unter dem späteren Präsidenten Juan Perón und hatte zunächst den Charakter einer Arbeiterbewegung. In den 1960er Jahren spaltete sich die Partei in verschiedene Flügel auf. Bis heute prägen die Machtkämpfe der rivalisierenden ideologischen Strömungen innerhalb der PJ die politische Landschaft Argentiniens. Auch die Kirchners sind erklärte Peronisten. In den 1970er Jahren engagierten sie sich bei der linken Peronistischen Jugend. 1989 wurde Cristina Kirchner in das Provinzparlament Santa Cruz gewählt, sechs Jahre später wechselte sie nach Buenos Aires in den Senat. Die 54-jährige Juristin wird am 10. Dezember ihren Mann ablösen und als erste demokratisch gewählte Frau in den Präsidentenpalast einziehen.


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