Erde

Wirtschaftswachstum verlangsamt sich

Die Bundesregierung rechnet für das nächste Jahr mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur. Grund dafür sei die schwache weltwirtschaftliche Entwicklung. Die Zahl der Arbeitslosen werde aber auch 2008 weiter sinken.

Der Logport Hafen in Duisburg ist einer der wichtigsten Binnenhäfen Deutschlands. Foto: APDer Logport Hafen in Duisburg ist einer der wichtigsten Binnenhäfen Deutschlands. Foto: AP
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird im kommenden Jahr nur noch um 2,0 Prozent wachsen. Das teilte Bundeswirtschafts-
minister Michael Glos (CSU) am Donnerstag in Berlin mit. Bislang war die Bundesregierung für 2008 noch von einem Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent ausgegangen. Für 2007 konnte der Wirtschaftsminister die Prognosen allerdings leicht nach oben korrigieren - von 2,3 auf 2,4 Prozent. 2006 war die Wirtschaft noch um 2,9 Prozent gewachsen.

Der Wirtschaftsminister begründete die schwächeren Konjunkturerwartungen unter anderem mit den Auswirkungen der Immobilien- und Hypothekenkrise in den USA, dem steigenden Kurs des Euro und dem hohen Ölpreis. Die niedrigeren Wachstumsziffern böten aber keinen Anlass zur Sorge: Die "konjunkturelle Grunddynamik" sei intakt und stehe weiterhin "auf einem soliden Fundament" - der Aufschwung werde sich fortsetzen, so Glos.

Nach Einschätzungen der Bundesregierung wird sich die Binnennachfrage 2008 als Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft erweisen: "Die privaten Haushalte übernehmen im kommenden Jahr die Rolle des Wachstumsträgers", sagte Glos. Man erwarte auch, dass die Unternehmen ihre Investitionen weiterhin fortsetzen werden. Das Wirtschaftsministerium geht für 2008 von einem Anstieg der Binnennachfrage um 1,9 Prozent aus.

Die konjunkturellen Erwartungen der Bundesregierung bleiben damit hinter den Prognosen der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands zurück. In ihrem jüngst erschienenen Herbstgutachten prognostizieren die Forscher für das kommende Jahr ein Wachstum von 2,2 Prozent. 2007 soll das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,6 Prozent betragen - 0,2 Prozentpunkte mehr als von der Bundesregierung vorhergesagt. Im Vergleich zu 2006 ist das allerdings ein Minus von 0,3 Prozentpunkten. Auch die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass sich die Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums negativ auf den deutschen Außenhandel - bislang Konjunkturmotor der deutschen Wirtschaft - auswirken wird. Nach Ansicht der Forschungsinstitute wird daher die Binnennachfrage 2008 den Export als Wachstumsfaktor ablösen.

Trotz des voraussichtlich schwächeren Wirtschaftswachstums geht die Bundesregierung auch für 2008 von einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen aus. Bereits 2007 sank die Zahl der registrierten Arbeitslosen um 700.000. 2008 werde sie im Jahresdurchschnitt um weitere 295.000 auf unter 3,5 Millionen sinken. Die Zahl der Erwerbslosen erreiche damit "den tiefsten Stand seit über zehn Jahren", ergänzte der Wirtschaftsminister bei der Vorstellung der Konjunkturprognosen. Gleichzeitig geht die Bundesregierung davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2008 mit über 40 Millionen einen Höchststand in der Geschichte der Bundesrepublik erreichen werde.

Negativ wird sich die Verlangsamung der Konjunktur aber auf die Haushalte von Bund und Länder auswirken, denn je geringer das Wirtschaftswachstum umso geringer fallen auch die Steuereinnahmen aus.


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