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Türkei: schwere Gefechte an der Grenze zum Irak

Die Lage im türkisch-irakischen Grenzgebiet spitzt sich zu. Am Wochenende kam es zu schweren Kämpfen zwischen PKK-Rebellen und türkischen Soldaten. Seit Monaten verüben PKK-Kämpfer von Nordirak aus Anschläge auf türkischem Gebiet.

Türkische Soldaten patroullieren in der Provinz Sirnak, nahe der türkisch-irakischen Grenze. Foto: APTürkische Soldaten patroullieren in der Provinz Sirnak, nahe der türkisch-irakischen Grenze. Foto: AP
Nach türkischen Armeeangaben drangen Kämpfer der "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) am Sonntag aus dem Irak in die türkische Provinz Hakkari ein und griffen dort eine türkische Militärbasis an. Mindestens 12 Soldaten und 32 PKK-Kämpfer kamen dabei ums Leben. Die PKK ließ vermelden, sie habe mehrere Soldaten als Geiseln genommen. Laut Nachrichtensender CNN Türk werden zehn Soldaten vermisst. Die Medien berichten weiter, die Regierung in Ankara habe weitere Truppen an die Grenze zum Irak verlegt. Am Mittwoch (17.10.2007) hatte das türkische Parlament der Regierung die Erlaubnis für grenzüberschreitende Militärschläge erteilt. Der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönul schloss eine gezielte grenzübergreifende Offensive der türkischen Armee allerdings vorerst aus. Zwar plane man grundsätzlich einen solchen Einsatz, dieser solle aber bevorzugt an der Seite der Amerikaner durchgeführt werden.

Die Regierung in Ankara bittet die USA seit Monaten um Unterstützung im Kampf gegen die PKK-Aktivisten- bislang jedoch ohne Erfolg. Immer wieder verüben kurdische Separatisten vom Nordirak aus Anschläge auf türkischem Gebiet. Mindestens 100 türkische Soldaten kamen dabei seit Jahresbeginn ums Leben. Die türkische Regierung hat deshalb die Truppenpräsenz verstärkt: 60.000 Soldaten sollen derzeit im Grenzgebiet stationiert sein. Seit gut 30 Jahren führt die PKK einen bewaffneten Kampf gegen Ankara und für mehr Autonomie in den Kurdengebieten. 35.000 Menschen sind seither der Gewalt zum Opfer gefallen.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan machte am Sonntag deutlich, dass eine Militäraktion nur verhindert werden könne, wenn die Rebellen von den USA und der irakischen Regierung bekämpft und an die Türkei ausgeliefert würden. Regierungsangaben zufolge befinden sich 3.500 PKK-Kämpfer im Nordirak. Der irakische Präsident Dschalal Talabani forderte die PKK-Kämpfer zwar auf, das Land zu verlassen, kündigte aber zugleich an, dass der Irak keine Kurden an die Türkei ausliefern werde. Auch die USA übten Zurückhaltung und riefen die türkische Regierung dazu auf, ihre Pläne zu überdenken. Die US-Regierung befürchtet, die Lage im Irak könnte sich weiter verschlechtern, sollte die türkische Armee in den weitgehend ruhigen Norden des Landes einmarschieren.

Kurdische Rebellen drohten indes, im Fall eines türkischen Militäreinsatzes Anschläge auf die Erdöl-Pipelines des Landes zu verüben. Ein Teil der irakischen Ölvorkommen werden in der Umgebung der nordirakischen Stadt Kirkuk gefördert und über den türkischen Hafen Ceyhan verschifft. Seit die Lage in der Grenzregion eskaliert, ist der Ölpreis stetig gestiegen. Am Freitag (19.10.2007) erreichte er die Rekordmarke von 90 Dollar pro Barrel Leichtöl. Händler machen die politischen Spannungen dafür verantwortlich. Am Montag (22.10.2007) gingen angesichts der eskalierenden Gewalt rund 3.000 Türken auf die Straße, um gegen die PKK und für einen Militäreinsatz ihres Landes zu demonstrieren.


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