Erde

17 Jahre Deutsche Einheit

Am 3. Oktober feiert Deutschland den Tag der Deutschen Einheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte den Menschen für ihr Engagement beim Aufbau Ost. Dennoch bräuchten die neuen Länder nach wie vor die besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung der Bundesregierung.

Ein Mauerstreifen im Berliner Mauermuseum erinnert an die Teilung Deutschlands. Foto: APEin Mauerstreifen im Berliner Mauermuseum erinnert an die Teilung Deutschlands. Foto: AP
"Vor 17 Jahren ist es gelungen, die Deutsche Einheit in Frieden und Freiheit zu vollenden", sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrer Videobotschaft. Dies sei ein großartiger Tag für die Menschen in Ost- wie Westdeutschland. Zugleich kündigte Merkel an, die Anstrengungen fortzusetzen und die strukturellen Unterschiede zwischen Ost und West überwinden zu wollen.

Mitte September hatte die Bundesregierung den Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit vorgestellt. Demnach sei die ostdeutsche Wirtschaft im Jahr 2006 mit drei Prozent zwar schneller gewachsen als die in Westdeutschland (2,7 Prozent). Der für den Aufbau Ost zuständige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erklärte aber, es könne noch 20 Jahre dauern, bis die Lebensqualität in Ostdeutschland der im Westen angeglichen sei. Das wesentliche Problem Ostdeutschlands sei nach wie vor eine strukturell hohe Arbeitslosenquote. Mit 14,7 Prozent liegt diese im Osten doppelt so hoch wie in Westdeutschland. Hinzu kommt, dass immer mehr gut ausgebildete junge Menschen den Osten verlassen. Aus einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung vom Mai dieses Jahres geht hervor, dass vor allem gut qualifizierte Frauen zwischen 18 und 29 Jahren ihre Heimat verlassen und in den Westen ziehen. Zurück bleibe eine "neue männerdominierte Unterschicht" ohne Ausbildung und Job. Bundeskanzlerin Merkel betonte daher die besondere Verantwortung der Bundesregierung gegenüber den neuen Ländern: Auch nach 17 Jahren müssten die Bemühungen und Anstrengungen zum Aufbau Ost fortgesetzt werden.

Trotz vieler noch ungelöster Probleme beurteilt ein Großteil der Deutschen die Wiedervereinigung positiv. Laut einer aktuellen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen halten 79 Prozent der Befragten die Wiedervereinigung für richtig - im Osten fällt die Zustimmung mit 84 Prozent noch höher aus. 17 Prozent der Deutschen halten die Wiedervereinigung hingegen für einen Fehler.

Der 3. Oktober 1990 markiert den Tag, an dem die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland beitrat. Vorausgegangen waren friedliche Massenproteste der Menschen in der DDR, die schließlich zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 führten. Für viele Menschen stellt dieses Datum den eigentlichen Wendepunkt in der Deutsch-Deutschen-Geschichte dar. Da das Datum des 9. Novembers aber durch den Pogrom gegen die Juden im Jahr 1938 vorbelastet ist, wurde im Einigungsvertrag der 3. Oktober als Nationalfeiertag festgelegt.


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