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Immer weniger Kinder in Deutschland

Die Zahl der Geburten in Deutschland nimmt weiter ab. Im vergangenen Jahr wurden 13.100 Kinder weniger geboren als noch 2005. Zugleich werden die Menschen immer älter. Der demografische Wandel führt zu erheblichen Problemen für die sozialen Sicherungssysteme.

In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren. Foto: Dot.ti/photocase.comIn Deutschland werden immer weniger Kinder geboren. Foto: Dot.ti/photocase.com
Wie das Statistische Bundesamt mitteilte kamen im Jahr 2006 in Deutschland etwa 672.700 Kinder zur Welt. Im Bundesdurchschnitt brachte jede Frau nur noch 1,33 Kinder zur Welt, 2005 waren es 1,34 und 1990 noch 1,45 Kinder. Rückläufig ist die Geburtenrate insbesondere in den alten Bundesländern. Seit dem Jahr 2000 sinkt hier die Zahl der geborenen Kinder fast kontinuierlich. In den neuen Bundesländern stieg die Geburtenrate hingegen von 2000 bis 2006 um 7,4 Prozent. Dennoch liegt die Geburtenrate mit 1,34 Kindern pro Frau in Westdeutschland immer noch leicht über dem ostdeutschen Durchschnitt (1,30 Kinder).

Seit den 1970er Jahren sinkt die Zahl der Geburten in Ost- wie Westdeutschland kontinuierlich. Das hat zur Folge, dass seit den 1970er Jahren jede Kindergeneration um ein Drittel kleiner ist als die ihrer Eltern. Statistischen Berechnungen zufolge müsste in modernen Gesellschaften mit geringer Säuglings- und Kindersterblichkeit jede Frau im Laufe ihres Lebens zwei Kinder zur Welt bringen, um die Bevölkerungsstruktur auf einem konstanten Niveau zu erhalten.

In Deutschland werden nicht nur immer weniger Kinder geboren, die Gesellschaft wird auch stetig älter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei Jungen derzeit 76,6 Jahre, bei Mädchen sind es 82,1 Jahre. Das Bundesamt schätzt, dass es im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene geben wird.

Die Verschiebung der Altersstruktur erhöht den Druck auf die Strukturen des Sozialstaates. Vor allem das umlagefinanzierte Rentensystem, bei dem die gegenwärtig Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen die Renten der Älteren zahlen, stößt bereits jetzt an seine Grenzen: Während die Zahl der Beitragszahler sinkt, beziehen immer mehr Menschen aufgrund ihrer gestiegenen Lebenserwartung Rente. Ab 2015 kommt die große Gruppe der so genannten "Babyboomer", die zwischen 1955 und 1969 Geborenen, ins Rentenalter. Das System wird dann in seinen bisherigen Strukturen kaum mehr bestehen können.

Seit Jahren sucht die Politik nach Antworten auf den demografischen Wandel. Unter anderem soll die gesetzliche Rentenversicherung reformiert werden. Ab 2012 wird das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Auch die gezielte Anwerbung von Zuwanderern steht immer wieder im Mittelpunkt der Diskussion. Zudem sollen mehr Anreize geschaffen werden, dass in Deutschland künftig wieder mehr Kinder geboren werden. Die Bundesregierung will dazu die Kinderbetreuung stärker fördern. Anfang des Monats verabschiedete das Kabinett einen Gesetzesentwurf, der den Ausbau der Krippenplätze bis 2013 von derzeit 250.000 auf 750.000 vorsieht. Bereits zum 1. Januar 2007 wurde das so genannte Elterngeld eingeführt. Trotz anderslautender Medienmeldungen gab es aber auch im ersten Quartal 2007 keinen neuen "Babyboom". Die Zahl der Neugeborenen stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal lediglich um 0,4 Prozent.

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