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Islamistische Terroristen in Deutschland verhaftet

Deutsche Sicherheitsbehörden haben am Dienstag drei Angehörige des Terrornetzes der Islamischen Dschihad-Union (IJU) im sauerländischen Oberschledorn festgenommen. Sie sollen Bombenanschläge in Deutschland geplant haben.

Ein Terrorverdächtiger wird nach der Befragung beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgeführt. Foto: APEin Terrorverdächtiger wird nach der Befragung beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgeführt. Foto: AP
Es sei eine der "bislang schwerwiegendsten Anschlagsplanungen" in Deutschland gewesen, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms am Mittwoch in Karlsruhe. Hauptanschlagsziele sollten laut BKA-Chef Jörg Ziercke US-Einrichtungen sein, aber auch Diskotheken und Restaurants, die vorwiegend von Amerikanern besucht werden.

Die drei Hauptverdächtigen, zwei Deutsche und ein Türke, planten die Attentate in einem Ferienhaus in Oberschledorn. Dort sammelten sie insgesamt 730 Kilogramm 35-prozentiger Wasserstoffperoxid-Lösung, um Sprengstoff herzustellen. Die Sprengsätze hätten eine weitaus höhere Sprengkraft entfalten können als bei den Terroranschlägen in London und Madrid, so Ziercke.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde im Januar auf die mutmaßlichen Terroristen aufmerksam. Die Bundesanwaltschaft ließ die Männer seitdem durch das BKA observieren, um an weitere Informationen über mögliche Hintermänner zu gelangen. Im Frühjahr warnten US-Behörden ihre Bürger vor einer erhöhten Anschlagsgefahr durch die IJU in Deutschland. Im Juli tauschten Sicherheitsbeamte dann die Fässer, in denen der Sprengstoff lagerte, durch baugleiche Duplikate mit ungefährlichem Inhalt aus.

Anfang der Woche verdichteten sich die Informationen, dass sich die Männer ins Ausland absetzen wollten. Laut BKA-Chef Ziercke war die Gruppe infolge einer Polizeikontrolle nervös geworden und sah ihre Anschlagsvorbereitungen gefährdet. Die Polizei griff ein und nahm die drei Männer fest. Im Anschluss untersuchten die Beamten über 30 Gebäude in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und dem Saarland. Es war eine der größten Polizeiaktion in der Nachkriegsgeschichte: Rund 300 Beamte waren ein halbes Jahr lang rund um die Uhr im Einsatz.

Den drei Verdächtigen wird vorgeworfen, Ende 2006 eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad-Union gegründet zu haben. Kai Hirschmann vom Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik zufolge handelt es sich bei der IJU um eine ursprünglich usbekische Gruppe, die vorwiegend von Pakistan aus agiere. Sie soll verstärkt auch Europäer in Ausbildungslagern zu so genannten Gotteskriegern ausbilden. Nach Angaben des BKA steht die Gruppe ideologisch unter dem Einfluss des internationalen Terrornetzwerkes al-Qaida.

Nach Informationen der Bundesanwaltschaft unterhielt der mutmaßliche Kopf der deutschen Terrorzelle Kontakte zu Islamistenkreisen in Ulm. Ermittler haben die baden-württembergische Stadt seit längerem im Visier - sie gilt als Zentrum für radikale Islamisten. Als sicher gilt, dass die Männer ein Terrorcamp in Pakistan besucht haben. Es soll auch eine Verbindung zur IJU nach Pakistan gegeben haben. Die Polizei fahndet jetzt nach weiteren Hintermännern und sucht mögliche Kontaktpersonen.


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