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Irak: Großbritannien zieht Truppen ab

Nach knapp vierjähriger Militärpräsenz haben sich die britischen Truppen in der Nacht zum Montag aus ihrem Hauptquartier im südirakischen Basra zurückgezogen. Bis zum Jahresende soll die gesamte Provinz an die Iraker übergeben werden.

Ein britischer Soldat bereitet sich auf den Abzug vor. Foto: APEin britischer Soldat bereitet sich auf den Abzug vor. Foto: AP
550 britische Soldaten wurden vom "Basra-Palace", dem ehemaligen Palast Saddam Husseins, auf den Militärflughafen außerhalb der Stadt Basra verlegt. Dort ist bereits ein Großteil der noch im Land verbliebenen 5.500 britischen Soldaten stationiert. Nach Angaben der britischen Agentur PA bestätigte der irakische Generalleutnant Mohan al-Firedschi, dass irakische Sicherheitskräfte das Kommando auf dem Militärstützpunkt übernommen hätten.

Spekuliert wird nun, ob die Regierung Brown einen größeren Truppenrückzug plant. Aus Regierungskreisen hieß es, man wolle zunächst die Einschätzung der Kommandeure vor Ort in den kommenden Wochen und Monaten abwarten. Die Zeitung "Sunday Times" berichtete, dass London den Abzug der Truppen aus dem Irak vorbereite. Der britische Nachrichtensender BBC mutmaßte, dass sich die britischen Soldaten künftig darauf beschränken würden, irakische Sicherheitskräfte zu trainieren.

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums ist die Übergabe des Hauptquartiers bereits seit längerem geplant. Im vergangenen Jahr hat sich die britische Armee aus zwei irakischen Provinzen zurückgezogen. In Basra und Umgebung befanden sich zu Beginn des Jahres noch 7.000 britische Soldaten. Die 5.500 verbliebenen Soldaten sollen weiterhin vom Flughafen aus das Gebiet kontrollieren. Geplant ist, bis zum Jahresende die gesamte Provinz Basra an die irakischen Behörden zu übergeben. Der BBC sagte Premier Gordon Brown, der Abzug aus Basra sei ein wesentlicher Schritt, um aus einer Kampf- in eine Überwachungsaufgabe hineinzuwachsen.

Anders als Großbritannien will die US-Regierung derzeit an ihrer bisherigen Strategie festhalten und ihr Truppenkontingent weiter aufstocken. Nicht nur im US-Kongress sorgte das für Kritik: Wenige Tage vor dem Abzug hatte der ehemalige General Mike Jackson, der bis 2006 Oberbefehlshaber der britischen Armee war, dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eine "mit tödlichen Fehlern behaftete" Irak-Politik vorgeworfen. Wie die USA im Irak weiter vorgehen werden, könnte sich entscheiden, wenn der derzeitige US-Oberkommandierende im Irak, David Petraeus, dem US-Kongress am 15. September einen Lagebericht vorstellt. Der Bericht könnte den Ausschlag darüber geben, ob der Kongress den Plänen von US-Präsident Bush, weitere Milliarden für den Irak-Einsatz aufzuwenden, zustimmt.


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