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Kinderarmut in Deutschland

Trotz Aufschwung steigt die Kinderarmut in Deutschland weiter. Laut Deutschem Kinderschutzbund lebten im März 2007 rund 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Armut - mit schweren Folgen für ihre Zukunft.

Die Grundausstaatung eines Schulkindes ist für Familien, die Hartz IV beziehen, oftmals zu teuer. Foto: APDie Grundausstaatung eines Schulkindes ist für Familien, die Hartz IV beziehen, oftmals zu teuer. Foto: AP
Rund 1,93 Millionen Kinder unter 15 Jahren lebten in Familien, die Hartz IV beziehen, so Heinz Hilger, der Präsident des Kinderschutzbundes am Montag in Berlin. Dieser neue Höchststand wurde von den jüngsten Statistiken des Bundesagentur für Arbeit bestätigt. Dazu zählt der Kinderschutzbund die etwa 700.000 Jugendlichen bis 18, für die durchschnittlich nicht mehr als 208 Euro im Monat zur Verfügung stehen - so viel erhalten Familien, die vom Arbeitslosengeld II leben, für ein minderjähriges Kind pauschal im Monat.

Viel zu wenig, beklagen Experten. "Für Empfänger von Arbeitslosengeld II ist es kaum möglich, ihre Kinder ausgewogen und gesund zu ernähren," warnt etwa Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung. Auch auf die Zukunft der Kindern wirkt sich die Armut gravierend aus, so Gerda Holz vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik: Je länger eine Familie in Armut lebt, desto stärker würden die Einbußen. Schon in der Grundschule hätten arme Kinder deutlich schlechtere Noten und blieben häufiger sitzen als ihre finanziell besser gestellten Schulkameraden.

Armut bestimme nicht selten den künftigen Bildungsweg, stellte auch das Max-Planck-Institut in einer jüngeren Studie fest. "Es gibt die Vermutung, dass die Lehrer eher eine Empfehlung für die weiterführende Schule aussprechen, wenn sie wissen: Zur Not können die Eltern auch mal Nachhilfeunterricht bezahlen", so Forschungsgruppenleiter Ulrich Trautwein. Sozial schlechter gestellte Jugendliche würden daher mitunter auf Schulen landen, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen.

Um einen weiteren Anstieg der Kinderarmut zu verhindern, forderte der Präsident des Kinderschutzbundes, den monatlichen Kinderzuschlag für Geringverdienende von derzeit 140 Euro pro Kind auf 175 Euro zu erhöhen. Ab dem dritten Kind müsse er 225 Euro betragen. Seit 2005 erhalten Familien, die trotz Berufs den Unterhalt ihrer Kinder nicht bestreiten können, einen Zuschlag. Dies betrifft jedoch nicht Hartz-IV-Empfänger. Medienberichten zufolge strebt die Bundesregierung eine Reform des Kinderzuschlags für Familien mit geringem Einkommen an. In einem Reformpapier, das Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) Mitte des Monats ihrer Parteispitze vorstellte, forderte die Ministerin den Kreis der Empfänger des Kinderzuschlags von derzeit 124.000 auf 530.000 Kinder auszuweiten.



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