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Nordkorea legt Atomreaktor still

Nordkorea ist den Forderungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nachgekommen und hat seinen umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon abgeschaltet. Das bestätigten am Sonntag Inspektoren der IAEA. Im Gegenzug erhält das Land 50.000 Tonnen Öl aus Südkorea. Ein nordkoreanischer UN-Diplomat sagte in New York, das Land werde die Anlage vollständig abbauen, sollten die USA ihre Sanktionen aufheben.

Christopher Hill ist Sondergesandter der USA für die Atomgespräche mit Nordkorea. Foto: APChristopher Hill ist Sondergesandter der USA für die Atomgespräche mit Nordkorea. Foto: AP
Am Samstag war eine erste Öllieferung von 6.200 Tonnen aus Südkorea im Nordosten Nordkoreas eingetroffen. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass die nordkoreanische Führung daraufhin den 100 Kilometer von der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang entfernten Reaktor abgeschaltet hätte. Am Montag trafen weitere 7.500 Tonnen Öl ein.

Erstmals seit viereinhalb Jahren reisten am Samstag wieder zehn Inspektoren der IAEA in das kommunistische Land. Sie wollen in dem umstrittenen Atomkraftwerk Kameras installieren, mit denen sie überprüfen können, ob Nordkorea die Anlage nicht wieder in Betrieb nimmt. Laut IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei würde das etwa einen Monat dauern. Zwei Inspektoren sollen vor Ort bleiben.

Am 13. Februar hatte Pjöngjang im Rahmen der so genannten Sechs-Nationen-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm eingewilligt, den Reaktor in Yongbyon stillzulegen. Im Gegenzug versprachen die USA, China, Südkorea, Japan und Russland dem Land Wirtschaftshilfen und die Versorgung mit Energie. Seoul sicherte dem verarmten Land zudem Reislieferungen zu. Insgesamt soll das unter Energiemangel leidende Nordkorea rund eine Million Tonnen Öl erhalten, wenn der Reaktor abgeschaltet ist und das Land zusätzlich sein Atomprogramm offen legt.

Am Sonntag traf der amerikanische Unterhändler Christopher Hill im südkoreanischen Seoul ein. Er zeigte sich erfreut über den nordkoreanischen Vorstoß, mahnte aber zur Besonnenheit: Die Schließung des Reaktors sei nur "ein erster Schritt". Als nächstes Entgegenkommen erwarteten die Vereinigten Staaten eine Auflistung aller Nuklearanlagen Nordkoreas.

Am Mittwoch beginnt eine weitere Runde der Sechs-Nationen-Gespräche in Peking. Ziel der Gespräche ist das Ende des nordkoreanischen Atomprogramms. Eine vollständige atomare Abrüstung Nordkoreas würde dem Land umfangreiche Wirtschaftshilfen und eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA in Aussicht stellen.

Der Atomreaktor in Yongbyon nimmt eine besondere Rolle ein, weil dort das zum Bau einer Atombombe nötige Plutonium hergestellt werden kann. Aus dem Reaktor, der nach US-Angaben seit 1986 in Betrieb ist, stammt zudem das Material für den ersten Atomwaffentest Nordkoreas. Inzwischen soll sich in dem Atomreaktor Substanz für mehrere Sprengköpfe befinden. Im Oktober 2006 hatte Pjöngjang erstmals unterirdisch eine Atomwaffe gezündet und damit weltweit für Aufregung gesorgt. Die internationale Gemeinschaft verhängte daraufhin Reise- und Handelsbeschränkungen sowie ein Rüstungsembargo gegen Nordkorea.


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