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Terrorgefahr in Großbritannien

Nach einer Serie von Attentatsversuchen in London und Glasgow hat die britische Regierung am Sonntag die höchste Terrorwarnstufe über das Land verhängt. Großbritanniens neuer Premier Gordon Brown betonte, sein Land werde sich nicht "einschüchtern" lassen. Sieben Verdächtige hat die Polizei bereits festgenommen, nach weiteren Personen wird noch gefahndet.

In Großbritannien herrscht derzeit die höchste Terrorwarnstufe - strengste Kontrollen sind die Folge. Foto: APIn Großbritannien herrscht derzeit die höchste Terrorwarnstufe - strengste Kontrollen sind die Folge. Foto: AP
Der englische Nachrichtensender BBC meldete, dass es sich bei den Verdächtigen nicht um britische Staatsbürger, sondern um Männer und Frauen aus dem Nahen Osten handele. Einer der Festgenommenen befindet sich schwer verwundet im Krankenhaus. Gemeinsam mit seinem 27-jährigen Komplizen hatte er am Samstag versucht, mit einem brennenden Geländewagen in die Haupthalle des Glasgower Flughafens einzudringen. Obwohl der Wagen noch vor der Sicherheitsabsperrung gestoppt werden konnte, wurden fünf Menschen bei dem Vorfall verletzt. Bereits in der Nacht zum Freitag konnten in der Londoner Innenstadt zwei Autobombenanschläge vereitelt werden. Ein Sprengsatz, der in einem parkenden Auto in der Nähe eines Nachtclubs deponiert war, wurde von der Polizei entschärft, indem sie die Mobiltelefonzünder kappten.

Inzwischen verdichten sich die Informationen, dass zwischen den Anschlägen in London und Glasgow ein Zusammenhang besteht. Peter Clark, Chef der Anti-Terror-Einheit der Londoner Polizei, spricht von einer "eindeutigen" Verbindung. In allen Wagen seien Gasflaschen desselben Typs gefunden worden. Die Polizei vermutet, dass es sich bei den Tätern um islamistische Terroristen handelt. Die Bauart der Bomben sowie der Anschlag in Glasgow deuten allerdings auf Amateure - für die britische Polizei ein Anzeichen dafür, dass die Terroristen heute schlechter organisiert und ausgestattet sind.

Dennoch warnte Lord Stevens, ehemaliger Chef von Scotland Yard und nun Terrorismusberater von Brown, vor einer neuen Dimension des Terrorismus. In Irak und Afghanistan geschult, würden die in Großbritannien geborenen Muslime als kampferprobte Einzelkämpfer zurückkehren. Bereits im April hatte Scotland Yard vor möglichen Anschlägen gewarnt. Auch die englische Zeitung "The Times" berichtet, dass die Sicherheitsbehörden vor wenigen Tagen vor Terroranschlägen mit Fahrzeugen gewarnt hatten.

Der britische Premier Brown mahnte seine Mitbürger, Muslime nicht pauschal zu verurteilen - nur ein kleiner Teil der Muslime sei extremistisch. Derweil wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Großbritannien verschärft. Die Flughäfen in Liverpool und Glasgow nahmen am Sonntag ihren Betrieb nur eingeschränkt auf. Für das ganze Land gilt weiterhin die höchste Terrorwarnstufe.

Auch in Deutschland wächst nach den Ereignissen vom Wochenende die Sorge vor einem möglichen Terroranschlag. Bundesinnenminister Schäuble betonte am Sonntag zwar, dass es keinen konkreten Bezug der Anschläge in London und Glasgow nach Deutschland gäbe. Dennoch bestehe für jedes europäische Land eine potentielle terroristische Bedrohung, Europa befände sich "im Fadenkreuz" des internationalen Terrorismus.


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