Erde

Weltbevölkerungsbericht 2007

Die Städte wachsen weiter: Im Jahr 2008 werden weltweit mit 3,3 Milliarden erstmals mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land leben. Das geht aus dem UN-Weltbevölkerungsbericht hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Blick über Dharavi, einen Slum in der indischen Metropole Mumbai. Foto:
Stefan MentschelBlick über Dharavi, einen Slum in der indischen Metropole Mumbai. Foto: Stefan Mentschel (© Stefan Mentschel )
Einen Trend zur Verstädterung gibt es zwar auch in den Industriestaaten, doch besonders stark betroffen sind die Entwicklungsländer. Laut Bericht sollen bis zum Jahr 2030 rund 5 Milliarden Menschen in Städten wohnen – etwa 81 Prozent davon in Städten der Entwicklungsländer. Als Grund nennt der Bericht zwei neue Entwicklungen: Waren es bislang die Megastädte, die im Zentrum des Interesses standen, wird das Bevölkerungswachstum des 21. Jahrhunderts von mittleren Städten mit bis zu 500.000 Einwohnern getragen. Gerade ihre Infrastruktur sei schlecht darauf vorbeireitet. Zudem liege die Geburtenrate in Städten deutlich über der Sterberate, was etwa 60 Prozent des Bevölkerungswachstums in Städten ausmache. Doch auch Megastädte wachsen weiter: So wird Mumbai von rund 18,2 Millionen Menschen im Jahr 2005 auf 21,9 Millionen Menschen im Jahr 2015 anwachsen und damit zum zweitgrößten Ballungsraum der Erde. Tokyo bleibt mit etwa 35 Millionen Einwohnern der größte urbane Ballungsraum.

Der Bericht fordert lokale und nationale Regierungen auf, eine zentrale Beobachtung des UN-Berichts nicht länger zu ignorieren: Der Anteil von armen Menschen in den Städten nehme zu, Slumbildung sei die Folge. Bereits jetzt lebten eine Milliarde Menschen weltweit in Slums. Bisherige Strategien, die vor allem den Zuzug der Armen vom Lande unterbinden sollten, müssten aufgegeben werden. Sie seien nicht nur kontraproduktiv, sondern verletzten auch das Recht auf Freizügigkeit. Urbanisierung biete jedoch auch Chancen, schließlich habe es im Industriezeitalter in keinem Land der Erde nennenswertes Wirtschaftswachstum ohne Urbanisierung gegeben. Um diese Chancen aber zu nutzen, müssten Politiker und Stadtplaner vorausschauend planen und Infrastruktur auch für Arme schaffen – sie benötigten Land mit Zugang zu Wasser, Abwasserleitungen, Stromversorgung und Verkehrsanbindung. Wo menschenwürdige Bedingungen fehlten, wachse nicht nur die Gefahr durch Seuchen, auch die Kriminalität steige an - gerade unter Jugendlichen.

Neben der Bekämpfung von Armut sieht der Bericht in der Verbesserung der Situation von Frauen, Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie der Familienplanung geeignete Mittel, um das Bevölkerungswachstum in den Städten zu bremsen. Sollte es nicht gelingen die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von heute statistisch 2,55 Kindern zu senken, würden im Jahr 2050 rund 12 Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Immerhin noch 9,2 Milliarden wären es bei einer Kinderzahl von 2,1 Kinder pro Frau im Durchschnitt.


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