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Bürgerkrieg in Gaza

Im Gaza-Streifen eskalieren die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen Fatah und Hamas. Die Hamas kontrolliert inzwischen das gesamte Gebiet.

Eine palästinensische Zivilistin begegnet einem Hamas-Kämpfer. Foto: APEine palästinensische Zivilistin begegnet einem Hamas-Kämpfer. Foto: AP
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat am Donnerstag Abend die Regierung der "nationalen Einheit" aufgelöst und Ministerpräsident Ismail Hanija aus seinem Amt entlassen. Dieser widersetzte sich jedoch gegen Abbas Entscheidung. Bis zu vorgezogenen Neuwahlen soll ein Notstandskabinett die Regierungsgeschäfte weiterführen. Die Außenminister der Arabischen Liga werden sich am Freitag in Kairo zu einer Sondersitzung treffen, um über den den Konflikt zu beraten.

Immer wieder loderten in den vergangenen Monaten die Kämpfe zwischen Anhängern der Fatah und Hamas auf. Israelischen und palästinensischen Medienberichten zufolge haben die gewaltsamen Auseinandersetzungen jedoch eine "neue Realität" erreicht. Aus den Machtkämpfen zwischen der Fatah und Hamas hat sich ein Bürgerkrieg entwickelt.

Die rivalisierenden Palästinensergruppen kämpfen beide für einen Palästinenserstaat. Die Hamas wirft der Fatah vor, versagt zu haben: In den 1990er Jahren hätte die von Arafat geführte Fatah kein Ende der israelischen Besatzung erreicht. Während Fatah zu Verhandlungen mit Israel bereit ist, lehnt die Hamas eine zwei-Staaten-Lösung und Friedensverhand-
lungen noch immer ab.

Ein palästinensischer Staat unter einer Regierung scheint immer unwahrscheinlicher. Israelische Medien sprechen bereits von einem getrennten Palästinenserstaat: Einen von der Hamas dominierten Gaza-Streifen, "Hamastan", und ein von der Fatah kontrolliertes "Fatahstan" in der Westbank. Beobachter vermuten, dass die Gewalt auch auf das Westjordanland übergreifen wird. Erste Kämpfe gab es bereits. Hanija und Abbas sprachen sich beide für eine Ende des blutigen Bruderkrieges aus. Über eine Waffenruhe verhandelten die beiden palästinensischen Führungsköpfe bisher jedoch nicht. Seit Sonntag sind über 70 Menschen in dem innerpalästinensischen Konflikt getötet worden.


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