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Kirchentag appelliert an G8

Soziale Gerechtigkeit, Achtung der Menschenwürde und das Zusammenleben der Religionen - das sind die zentralen Themen des Evangelischen Kirchentages. In einem "Ruf aus Köln" forderten Vertreter verschiedener Religionen die G8 auf, die Armut in der Welt entschiedener als bisher zu bekämpfen.

Knapp 3000 Veranstaltungen sorgen beim Evangelischen Kirchentag mitunter für Orientierungsprobleme. Foto: APKnapp 3000 Veranstaltungen sorgen beim Evangelischen Kirchentag mitunter für Orientierungsprobleme. Foto: AP
Sieben Weltreligionen aus 28 Ländern begehen seit Mittwoch den 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln. Angesichts des G8-Gipfels richtete Kirchentagspräsident Reinhard Höppner seinen Appell an die Staats- und Regierungschefs in Heiligendamm: "Setzt nicht auf Wachstum, das die Würde der Menschen verletzt." Globalisierung sei kein Schicksal, sondern eine Gestaltungsaufgabe so der ehemalige SPD-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.

In einem gemeinsamen Aufruf forderten die führenden Vertreter der Weltreligionen die großen Wirtschaftsnationen auf, entschiedenere Schritte im Kampf gegen die weltweite Armut zu unternehmen. Die Religionsführer kritisierten die stockende Umsetzung der Millenniumsziele. Vor sieben Jahren hatten sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren. "Das Ausmaß extremer Armut in unserer Welt ist ein Skandal", hieß es im so genannten Ruf aus Köln, der am Donnerstag an die G8-Gipfelteilnehmer übermittelt wurde.

Auch die Frage nach einem friedlichen Zusammenleben der Religionen wurde auf dem Kirchentag erörtert. Der Vorsitzende des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, führte unter dem Motto "Wie hältst du's mit der Religionsfreiheit?" ein Zwiegespräch mit Ayyub Axel Köhler vom Koordinierungsrat der Muslime. Dabei ging es auch um die Haltung der Evangelischen Kirche zum Islam. Im November letzten Jahres hatte der EKD eine Schrift verfasst, die eine kritische Hinterfragung muslimischer Traditionen forderte. Der islamische Spitzenverband beschuldigte daraufhin die evangelische Kirche, sich auf Kosten bestehender Vorurteile gegenüber den Muslimen zu profilieren.

Eine Einigung in dieser Streifrage zeichnete sich auf dem Kirchentag nicht ab: "Die Kontroverse bleibt", sagte Jürgen Schmude, früherer Präsident der EKD-Synode. Auch Ayyub Axel Köhler sagte, dass der kritische Dialog erst beginnen würde. Grundsätzlich fordern die Muslime einen gleichberechtigten Dialog mit dem Christen- und Judentum. Die EKD vermittele jedoch den Eindruck, den Islam pauschal zu verurteilen. Huber widersprach diesem Vorwurf.

Der Kirchentag wurde 1949 ins Leben gerufen. Er wird alle zwei Jahre in einer anderen Stadt veranstaltet. Im friedlichen Dialog soll eine Vision für eine gerechtere und gewaltfreie Welt erörtert werden. Zum diesjährigen Kirchentag werden bis zum Sonntag 100.000 Teilnehmer erwartet. Bundespräsident Horst Köhler wies auf den wichtigen Beitrag der Kirchen zur Wertevermittlung hin, die für eine funktionierende Demokratie unerlässlich sei.


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