Erde

Wahlen in Bremen

Bei der Wahl zur Bremer Bürgerschaft bleibt die SPD stärkste Kraft, musste aber wie die CDU deutliche Verluste hinnehmen. Grüne und Linkspartei sind die großen Gewinner der Wahl; auch die FDP zieht wieder in den Landtag ein. Für die SPD stellt sich nun die Frage, mit wem sie zukünftig regieren will.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommt die SPD auf 36,8 Prozent der Stimmen und zieht künftig mit 33 Abgeordneten in die Bremer Bürgerschaft ein. Sie erhielten damit sieben Mandate weniger als vor vier Jahren. Damals erreichten sie noch 42,3 Prozent der Stimmen. Verluste musste auch die CDU hinnehmen. Im Vergleich zur Wahl im Jahr 2003 rutschte sie um 4,1 Prozentpunkte auf 25,7 Prozent ab. Mit 16,4 Prozent erzielten die Grünen ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt. Auch die FDP verbesserte sich gegenüber 2003 um 1,7 Prozent und schaffte mit 5,9 Prozentpunkten erstmals seit 1991 wieder den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Besonderes Aufsehen weckte das Ergebnis der Linken: Gleich mit 8,4 Prozent zog sie erstmals in einen westdeutschen Landtag ein. Aufgrund einer Sonderregelung des Bremer Wahlrechts zieht auch die rechtsextreme DVU wie schon 1999 und 2003 mit einem Abgeordneten in die Bremer Bürgerschaft ein, da sie im Wahlbereich Bremerhaven über fünf Prozent der Stimmen holte.

Mit 57,6 Prozent (2003: 61,3 Prozent) fiel die Wahlbeteiligung in dem kleinsten deutschen Bundesland auf den niedrigsten Wert seit 1947. Für den Berliner Wahlforscher Richard Stöss ist das nicht verwunderlich: "In der auf die Mitte ausgerichteten Politik waren zuletzt keine Konfliktlinien mehr erkennbar." Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen wandten sich Wähler fast alle Altersgruppen von der Großen Koalition ab. Lediglich die über 60-Jährigen stimmten überdurchschnittlich häufig für eine der beiden großen Volksparteien. In der Gruppe der Arbeitslosen konnte vor allem Die Linke punkten: Hier gaben rund 21 Prozent der Linkspartei ihre Stimme. Für die Grünen votierten überwiegend die jüngeren Wähler.

Bürgermeister Jens Böhrnsen muss nun über die künftige Bremer Regierung entscheiden. Innerhalb von 14 Tagen will der 57-Jährige mit den Christdemokraten und den Grünen "transparente" Sondierungsgespräche führen. Eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei schloss er jedoch aus.

Mehr zum Thema

Harald Schoen / Jürgen W. Falter

Die Linkspartei und ihre Wähler

Die Linkspartei erzielte bei der Wahl 2005 ein herausragendes Ergebnis. Sie konnte verstärkt Schichten ansprechen, in denen sie vorher relativ wenig Rückhalt gefunden hatte. Weiter...