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Wahlen in Finnland

Trotz Stimmverlusten kann der amtierende finnische Ministerpräsident Matti Vahanen weiterregieren. Bei den Parlamentswahlen am Sonntag blieb seine liberale Zentrumspartei stärkste Kraft - wenn auch nur knapp.

Der alte und neue finnische Ministerpräsident Matti Vahanen
Foto: Lehtikuva Oy/Prime Minister´s OfficeDer alte und neue finnische Ministerpräsident Matti Vahanen
Foto: Lehtikuva Oy/Prime Minister´s Office
Es gab gleich zwei Sieger bei den Wahlen zum finnischen Reichstag: Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis erreichte die Zentrumspartei 23,1 Prozent der Stimmen und lag damit knapp vor den oppositionellen Konservativen mit 22,3 Prozent. Damit verlor das Zentrum zwar 1,6 Prozent, blieb aber stärkste Kraft. Die konservative Sammlungspartei mit ihrem 35-jährigen Vorsitzenden Jyrki Katainen konnte sogar ein Plus von 3,7 Prozent verbuchen. Im zukünftigen Reichstag kann das Zentrum damit 51 der insgesamt 200 Sitze für sich beanspruchen, die Konservativen immerhin 50. Rechnerisch hätten beide Parteien also eine knappe Mehrheit im Parlament. Klarer Verlierer der Wahl ist die Partei von Finanzminister Eero Heinäluoma: Die Sozialdemokraten, die gemeinsam mit der Schwedischen Volkspartei (SFP) zur Koalition von Premier Matti Vahanen gehörten, kamen auf lediglich 21,4 Prozent der Wähler und büßten damit 3,3 Prozentpunkte ein. Sie besetzen 45 Sitze im künftigen Reichstag.

Während der Parteichef der Konservativen, Yrka Katainen, im Wahlergebnis ein klares Votum für eine Regierungsbeteiligung der Konservativen zu erkennen glaubte, ließ sich Premier Vahanen wie schon vor der Wahl auch in der Wahlnacht keine Koalitionsaussage entlocken. Ob sich die beiden Wahlsieger auf eine Koalition verständigen und damit die Sozialdemokraten erstmals seit 1995 wieder in die Opposition schicken, ist zumindest nicht selbstverständlich: Die Wähler des Zentrums stammen traditionell vom Land, während die Konservativen ihre Stimmen überwiegend in der Stadt gewinnen. Beide Parteien hatten in der Vergangenheit Schwierigkeiten, sich über gemeinsame Ziele zu verständigen. Bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen scheint Ministerpräsident Vahanen zumindest auf den bisherigen kleinen Koalitionspartner zählen zu können. Die SFP, die die schwedischsprachige Minderheit in Finnland repräsentiert, dürfte sich sowohl an einer Regierung mit den Sozialdemokraten als auch mit den Konservativen beteiligen. Die SFP konnte sich mit 4,5 Prozent der Stimmen behaupten.

Verluste von gut einem Prozent musste hingegen die oppositionelle Linkspartei einstecken. Sie kam auf 8,8 Prozent. Leicht verbessert um einen halben Prozentpunkt zeigten sich die Grünen mit 8,5 Prozent. Die Christdemokraten erreichten 4,9 Prozent. Weil außen den Konservativen auch die kleine rechtsnationalistische Partei Wahre Finnen um 2,5 Prozentpunkte auf vier Prozent zulegte, sprachen Beobachter von einem Rechtsruck. Mit 67,8 Prozent fiel die Wahlbeteiligung schwächer aus als 2003 mit 69,7 Prozent. Insgesamt waren 4,3 Millionen Menschen stimmberechtigt.

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