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Islamisten drohen mit Terror in Deutschland

Islamisten haben mit Anschlägen in Deutschland gedroht, sollte die Bundesregierung die derzeit 3.000 deutschen Soldaten nicht aus Afghanistan abziehen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will jedoch nicht nachgeben.

Die Bundesrepublik dürfe sich "nicht erpressen lassen", sagte Schäuble am Montag im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch sowie die Polizeiausbildung würden fortgesetzt. Er diene dazu, das Land zu stabilisieren. Erst am Freitag hatte der Bundestag dem verfassungsrechtlich umstrittenen Einsatz von sechs "Tornado "-Aufklärungsflugzeugen sowie von rund 500 zusätzlichen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan mit großer Mehrheit zugestimmt.

Daraufhin waren am Wochenende im Internet Videos aufgetaucht, in denen die Entführer zweier Deutscher im Irak und eine Gruppe von Islamisten die Bundesregierung aufforderten, die deutschen Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Die islamistische Gruppe drohte in dem Internet-Forum namens "Stimme des Kalifats" mit Terroranschlägen in Deutschland, falls die Bundeswehr am Hindukusch bleibe. Die Drohung richtete sich auch gegen Österreich, das ebenfalls Soldaten in Afghanistan stationiert hat. Deutschland und Österreich könnten die USA nicht länger unterstützten, ohne dass dies zu einer Gefährdung im eigenen Land führen werde.

Unklar ist, welche Gruppe hinter der Drohung steht und wie ernst sie zu nehmen ist. Die Sicherheitsbehörden prüfen das Video von "Stimme des Kalifats" noch. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte in Berlin, dass sich die Sicherheitslage in Deutschland nach Darstellung des Innenministeriums auch nach den Drohungen nicht verändert habe. Deutschland sei nicht erst seit gestern Teil eines weltweiten Gefährdungsraums. Der Terrorismus-Experte Guido Steinberg, Mitarbeiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, hält es für möglich, dass das Video von in Europa lebenden Moslems stammen könnte.

Die Entführer der vor etwa vier Wochen entführten Hannelore Marianne K. und ihrem Sohn drohten mit der Ermordung ihrer Geiseln. Sie setzten der Bundesregierung ein Ultimatum: Binnen zehn Tagen solle der Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan bekannt gegeben werden. Im Auswärtigen Amt in Berlin ist ein Krisenstab eingerichtet, der die Freilassung der Geiseln zu erreichen versucht.

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