Erde

Globaler Klimawandel

Die Klimaforscher sind sich einig: Der Mensch ist "sehr wahrscheinlich" schuld an der globalen Erwärmung – und sie schreitet schnell voran. Bis 2100 kann es bis zu sechseinhalb Grad wärmer werden, so der jüngste UN-Weltklimabericht.

Der Weltklimabericht sagt stürmische Zeiten voraus. 
Foto: stock.xchngDer Weltklimabericht sagt stürmische Zeiten voraus.
Foto: stock.xchng
Zum vierten Mal seit 1990 stellte der so genannte Weltklimarat am Freitag in Paris seinen Klimabericht vor. Das "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) war 1988 von der Weltwetterorganisation WMO und dem UN-Umweltprogramm (UNEP) gegründet worden. Für den jüngsten Bericht werteten über 2.500 Wissenschaftler aus mehr als 130 Ländern in den vergangenen sechs Jahren die existierenden Studien und Modellrechnungen zum Klimawandel aus. Das Ergebnis: Der weltweite Anstieg der Temperaturen ist "sehr wahrscheinlich" vom Menschen zu verantworten, so der Bericht. "Sehr wahrscheinlich bedeutet in der Sprache des IPCC mit mehr als neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit. Der letzte Bericht 2001 gebrauchte nur das Wort "wahrscheinlich". Der Vorsitzende des Rates, Rajendra Pachauri, äußerte zur Veröffentlichung die Hoffnung, der Klimabericht werde die Menschen "schocken" und Regierungen zum Handeln bewegen.

Skeptiker des menschengemachten Klimawandels hatten den Klimawandel mit natürlichen Schwankungen oder verstärkter Sonnenaktivität erklärt. Laut IPCC ist die Erderwärmung in den letzten 50 Jahren jedoch vor allem auf das Verbrennen von Benzin, Öl und Gas zurückzuführen, wodurch der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre ansteigt. Und der Klimawandel verläuft schneller als bislang vermutet: Die Forscher rechnen mit einem wahrscheinlichen Anstieg der Durchschnittstemperaturen von 1,8 bis 4 Grad Celsius in diesem Jahrhundert, wobei auch Temperaturanstiege von "nur" 1,1 bis zu 6,4 Grad Celsius möglich wären. In der Folge werde der Meeresspiegel bis 2100 sehr wahrscheinlich um 28 bis 43 Zentimeter ansteigen.

Zudem stellt der Bericht klar, dass die menschengemachten Treibhausgase verantwortlich sind für extreme Wetterlagen und das rapide Schmelzen von Gletschern und Polareis; Stürme, Hochwasser, Dürren und Wasserknappheit sind die Folge, worunter vor allem kleine Inselstaaten und Entwicklungsländer zu leiden haben.

Solche Ergebnisse sind auch politisch brisant. Vor seiner Veröffentlichung musste der am Freitag erschienene erste Band des Bericht daher von Regierungsvertretern aus 190 Staaten offiziell angenommen werden, die "Zusammenfassung für Entscheidungsträger" wurde Zeile für Zeile verabschiedet. Anfang April erscheint der zweite Teil des Berichtes, der die Auswirkungen für Mensch und Natur beschreibt. Der dritte und letzte Teil mit Maßnahmen zum Klimaschutz folgt im Mai.

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