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Somalia: Langer Weg zum Frieden

Nach dem Rückzug der Islamisten hat die Übergangsregierung in Somalia das Land weitgehend unter Kontrolle. Befriedet ist es aber noch nicht. Die internationale Gemeinschaft fürchtet, der Konflikt könne sich auf die gesamte Region ausweiten.

Somalische Flüchtlinge 
Foto: UNHCRSomalische Flüchtlinge
Foto: UNHCR
Somalia kommt nicht zur Ruhe. Erst im Juni hatten die islamistischen Milizen der Scharia-
Gerichtshöfe (UIC - Union of Islamic Courts) Mogadischu erobert und in der Folge den Süden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Die mit Hilfe der Vereinten Nationen im Jahr 2004 eingesetzte Übergangsregierung unter Ali Mohammed Ghedi verfolgte die Ereignisse hilflos von Baidoa aus, nahe der äthiopischen Grenze. Die Machtverhältnisse schienen für geraume Zeit geregelt. Mitte Dezember wendete sich das Blatt: Eine Allianz aus Truppen der Übergangsregierung und äthiopischen Einheiten rückte binnen weniger Tage bis nach Mogadischu vor und vertrieb die Islamisten. Ende des Jahres fiel schließlich auch deren letzte Hochburg, die Hafenstadt Kismayo.

Der äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi begründete die Einmischung mit dem Kampf gegen Terroristen. Außerdem habe man äthiopische Interessen waren wollen. Dazu gehört wohl auch die Furcht vor einem muslimischen Gottesstaat im Nachbarland Somalia – zumal die Islamisten nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen vom äthiopischen Erzfeind Eritrea mit Waffen und Soldaten versorgt werden. Die äthiopischen Truppen sollen jedoch nicht für längere Zeit in Somalia bleiben. Premierminister Ghedi forderte die Afrikanische Union auf, möglichst rasch eine Friedenstruppe ins Land zu schicken.

Dies scheint dringend nötig, damit das Land nicht erneut in Chaos und Anarchie stürzt. Die vertriebenen Islamisten haben bereits einen Guerillakrieg angedroht, dessen Ausläufer auch die Nachbarländer erfassen könnte. Schon heute sorgt die Fluchtwelle für Spannungen an der somalisch-kenianischen Grenze. Tag für Tag versuchen mehrere hundert Flüchtlinge, sich vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen und die Grenze im Süden des Landes zu überschreiten. Am Mittwoch verstärkte Kenia die Grenztruppen und setzte unter anderem Helikopter zur Überwachung ein. Die Grenze gilt seitdem als geschlossen. Ein Sprecher der kenianischen Regierung sagte einem Bericht der New York Times zufolge, dies sei notwendig, um die Flüchtlinge überprüfen und verhindern zu können, dass Islamisten die Grenze überqueren.

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