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Wechsel des UN-Generalsekretärs

Am 1. Januar 2007 übernimmt der Südkoreaner Ban Ki Moon das Amt des UN-Generalsekretärs. Sein Vorgänger Kofi Annan hinterlässt ihm ein Erbe aus großem Ansehen und dringenden Reformen.

Der achte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
Foto: Public domainDer achte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
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Er ist das offizielle Gesicht der Weltgemeinschaft: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Amtsherr über rund 9.000 Beamte und 81.000 "Blauhelme", die derzeit weltweit in UN-Friedensmissionen im Einsatz sind. Laut UN-Charta ist der Generalsekretär eigentlich nur der "höchste Verwaltungs- beamte". Doch wie wenige seiner Amtsvorgänger hat der siebte UN-General- sekretär Kofi Annan seinem Amt Anerkennung als höchster Vermittler und Friedenswächter verschaffen können.

1938 in Ghana geboren, studierte er zunächst in seiner Heimatstadt Kumasi, dann in Genf und den USA Wirtschaftswissenschaften. 1962 trat Annan in die Weltgesundheitsorganisation ein und stieg in dreißig Jahren Dienstzeit zum Unter-Generalsekretär des damaligen UN-Generalsekretärs Boutros-Gali auf, dessen Amt er 1997 übernahm. Annans erste Amtszeit gilt allgemein als überaus erfolgreich und wurde 2001 mit dem Friedensnobelpreis gekrönt: Gleich nach seinem Amtsantritt leitete er Reformen der UN-Verwaltung ein, richtete die Organisation stärker auf Entwicklungspolitik aus und schuf neue Formen der Einbeziehung der Zivilgesellschaft. Schlagzeilen machten der Welt-Klimagipfel, der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, der "Global Compact", in dem sich Wirtschaftsunternehmen zu einer sozialverträglichen Globalisierung verpflichten, und nicht zuletzt die "Millennium-Entwicklungsziele", auf die sich die UN-Mitgliedsländer 2000 einigten.

Annans zweite Amtszeit von 2002 bis 2006 stand dagegen unter dem Zeichen zunehmender Spannungen zwischen den Vereinten Nationen und den USA, die Annan selbst nominiert hatten. Erfolglos stemmte sich Annan gegen den zweiten Irak-Krieg 2003, den er ein Jahr später öffentlich als "illegal" bezeichnete. Umgekehrt erfuhr er vor allem aus den USA massive Kritik wegen Skandalen um Blauhelmtruppen und einer mutmaßlichen Korruptionsaffäre im irakischen "Öl-für-Nahrung"-Programm, in die sein Sohn verwickelt gewesen sein soll. Auch wird ihm vorgeworfen, als Chef der UN-Friedenssicherung 1994 nicht früh und deutlich genug auf den drohenden Völkermord in Ruanda hingewiesen zu haben.

Dennoch gilt Kofi Annan in UN-Kreisen als der bislang stärkste Generalsekretär. Am 13. Oktober 2006 wählte die Generalversammlung den südkoreanischen Diplomaten Ban Ki Moon zu seinem Nachfolger. Der 62-Jährige war öffentlich durch seine Vermittlungsarbeit im Streit um das Atomprogramm Nordkoreas in Erscheinung getreten und ist wie Annan für ein bescheidenes und ausgleichendes Auftreten bekannt. Von seinem Vorgänger erbt er eine Reihe von dringend anstehenden Reformen der Vereinten Nationen. Denn dem gewachsenen Ansehen ihres "höchsten Beamten" steht der Vorwurf der Ineffizienz und zunehmenden Bedeutungslosigkeit der UN selbst gegenüber.

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