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Fünf Jahre nach PISA

2001 stellte die erste PISA-Studie deutschen Schulen ein denkbar schlechtes Zeugnis aus und versetzte das Land in den "PISA-Schock". Seitdem ist die Debatte um das Bildungswesen nicht mehr abgerissen. Doch hat es sich auch verbessert?

Büffeln für PISA oder fürs Leben?
Foto: stock.xchngBüffeln für PISA oder fürs Leben?
Foto: stock.xchng
An sich klingt PISA, das "Programme for International Student Assessment" (Programm zur internationalen Schüler-Beurteilung) kaum wie Stoff für Schlagzeilen: Eine aufwendige und komplizierte Studie, die im Dreijahresabstand die Leistungen von weltweit rund 180.000 15-jährigen Schülerinnen und Schülern aus den Mitgliedsländern der OECD in Lesen, Mathematik und schließlich Naturwissenschaften vergleicht. Doch nach der Veröffentlichung der ersten Studie am 4. Dezember 2001 war zumindest in Deutschland nichts mehr wie zuvor: Deutsche Schülerinnen und Schüler landeten im weltweiten Vergleich im hinteren Drittel, große Schwächen zeigten sie ausgerechnet beim Textverständnis. Die Studie enthüllte außerdem: In keinem anderen Industrieland hing der Schulerfolg so von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. Kinder aus sozial schwachen und Migrantenfamilien taten sich deutlich schwerer als ihre Mitschüler, statt gleiche Chancen zu schaffen, vertieften die deutschen Schulen soziale Ungleichheiten.

Die Studie machte Schlagzeilen und leitete eine fieberhafte Suche nach Wegen aus der "Bildungskatastrophe" ein, dabei wurde vor allem auf den Musterschüler Finnland geschaut. Die 2002 erschienene Erweiterungsstudie PISA-E heizte die politische Debatte weiter an, da sie die Leistungen in den einzelnen Bundesländern miteinander verglich. Unter dem Eindruck der Studie einigte sich die Kultusministerkonferenz der Länder schließlich Ende 2003 auf die Einführung von Bildungsstandards, etwa für die Fächer Deutsch und Mathematik am Ende der Grundschule oder für die Schulabschlüsse nach der neunten bzw. zehnten Klasse. Die Länder richteten außerdem ein Institut für Qualität im Bildungswesen ein, das Tests für die Bildungsstandards entwickelt und ihre Einhaltung kontrollieren soll. Ausgebaut wurde auch das Angebot an Ganztagsschulen. Die Schulen wurden selbständiger, viele Länder führten ein Zentralabitur ein, in Kindergärten wird nun der Sprachstand erhoben, allgemein soll es mehr Ganztagsangebote und Sprachförderung geben, wovon vor allem ausländische Kinder profitieren sollen. Dass Deutschland in der PISA II-Studie 2003 einige Plätze im "Ranking" der OECD-Länder wettmachte, werteten viele Politiker als erste Früchte der Reformen.

Kritiker wie der Bildungsforscher Klaus Klemm, Mitglied im wissenschaftlichen PISA-Beirat, weisen dagegen darauf hin, dass einige Plätze mehr oder weniger im sehr gleich verteilten Mittelfeld der OECD-Länder wenig bedeuteten. Die wesentlichen Probleme des Schulsystems blieben weiterhin unangetastet: nämlich das dreigliedrige Schulsystem selbst. Wie es allerdings genau aussehen solle, darin scheiden sich die Geister. Vor allem die Zukunft der Hauptschule, Sammelpunkt von "Risikoschülern", ist heiß umstritten. Wie auch immer die Reformen ausfallen werden, die PISA-Ergebnisse werden sie nicht mehr beeinflussen: Im Mai diesen Jahres wurde die Datenerhebung des dritten und vorerst letzten PISA-Zyklus abgeschlossen. Schwerpunkt von "PISA 2006" sind die Kompetenzen in den Naturwissenschaften. Bundesweit wurden 1.516 Schulen getestet, jeweils 25 Schülerinnen und Schüler pro Schule. Mit ersten Ergebnissen kann ab Dezember 2007 gerechnet werden.

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