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Darfur-Konflikt weitet sich aus

Der Konflikt in der sudanesischen Krisenregion Darfur hat die Nachbarländer Tschad und die Zentralafrikanische Republik erreicht. Die UN will Blauhelme nach Darfur schicken, doch die Regierung in Khartum stellt sich quer.

Die Situation des seit 2003 tobenden Konflikts im Westsudan wird immer verfahrener. Im östlich angrenzenden Tschad nahmen arabische Rebellen am Samstag kurzzeitig wichtige Städte wie Abéché im Osten und Biltine etwas weiter nördlich ein. Laut Medienberichten wurden sie dabei von der arabisch dominierten Regierung im Sudan und den regierungstreuen sudanesischen Janjaweed-Milizen unterstützt. Auch in der Nordhälfte der Zentralafrikanischen Republik, die an den Tschad und Sudan grenzt, eroberte im Oktober eine mutmaßlich vom Sudan unterstützte Rebellengruppe Gebiete. Diese Ausweitung des Konfliktes in mehrere Staaten droht die gesamte Region zu destabilisieren. Die Regierungen beider Länder haben den Einsatz internationaler Truppen erbeten.

Das Konfliktmuster ist seit Beginn der Auseinandersetzungen stets das gleiche: Arabisch dominierte Gruppen versuchen, die afrikanische Bevölkerung zu vertreiben und das Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Konflikt war im Februar 2003 eskaliert, als sich afrikanische Milizen, die "Sudanesische Befreiungsarmee" (SLA) und die "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit", gegen die Benachteiligung durch die Regierung in Khartum erhoben. Die Regierung schlug mit Luftbombardements und Bodenangriffen zurück, die zum Teil von den arabischen Janjaweed-Milizen ausgeführt wurden. Sie gelten als Hauptverantwortliche für die ethnischen "Säuberungen" im weiteren Verlauf des Konfliktes, mutmaßlich unterstützt von der sudanesischen Regierung, die jedoch jede Verantwortung abstreitet. Ein im Mai unterzeichnetes Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Regierung und der SLA sah unter anderem die Entwaffnung der Miliz vor, die bis heute nicht geschehen ist. Laut Medienberichten sollen seit August bei verschiedenen Offensiven Soldaten der sudanesischen Armee und Milizen gemeinsam vorgegangen sein. Dabei hätten die Attacken darauf gezielt, der Bevölkerung die Lebensgrundlagen zu entziehen, indem zum Beispiel Brunnen bombardiert wurden. Laut Schätzungen sind seit 2003 rund 200.000 Menschen getötet und 2,5 Millionen vertrieben worden.

In Darfur sind bereits Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) stationiert, die jedoch schlecht ausgerüstet sind. Die UN möchte die etwa 6.000 AU-Soldaten in mehreren Phasen ablösen. Letztlich sollen 17.000 UN-Soldaten und 3.000 Polizisten vor Ort stationiert werden. Die Regierung in Khartum lehnt dies bisher strikt ab. Kritiker sehen darin eine Hinhaltetaktik: Einerseits werde mit der internationalen Gemeinschaft verhandelt, andererseits gewinne die Regierung Zeit, um die ethnischen "Säuberungen" abzuschließen.

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