Erde

Literaturnobelpreis für Orhan Pamuk

Am Donnerstag hat der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk den Literaturnobelpreis erhalten. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Die weiße Festung", "Rot ist mein Name" und "Schnee". In der Türkei ist er wegen seiner Äußerungen zum Genozid an den Armeniern umstritten.

Schon im vergangenen Jahr war der aus Istanbul stammende Pamuk für seine Rolle als Vermittler zwischen Orient und Okzident mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Pamuk habe "auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden", begründete am Donnerstag das Nobelpreiskomitee der Schwedischen Akademie die Entscheidung. Pamuks Werke erschienen bislang in 34 Sprachen und in mehr als 100 Ländern.

Faruk Sen, Direktor des "Zentrums für Türkeistudien" in Essen, bewertete die Entscheidung als wichtiges politisches Signal, das hervorragend in die Zeit passe. Pamuks Werk beweise, dass der Dialog der Kulturen nicht nur lebendig sei, sondern Literatur und Kunst ersten Ranges hervorbringe. Die deutsch-türkische Schriftstellerin Necla Kelek äußerte die Hoffnung, dass "jetzt auch die Gesellschaft in der Türkei erkennt, dass Großes nur in der Freiheit entsteht und dass endlich aufgehört wird, Schriftsteller bei kritischen Tönen wegen 'Verunglimpfung des Türkentums' zu verfolgen".

Pamuk ist in seiner Heimat höchst umstritten. Seitdem er den Massenmord an den Kurden und Armeniern im Osmanischen Reich offen angesprochen hatte, war er immer wieder Hasskampagnen ausgesetzt, die zuletzt zu einer Anklage wegen "Herabwürdigung des Türkentums" führten. Im Januar dieses Jahres wurde das Verfahren aber eingestellt.

Die Debatte um den Genozid an den Armeniern gewann zeitgleich neue Brisanz. Am Donnerstag stellte das französische Parlament das Leugnen des Völkermords an den Armeniern unter Strafe. Mit 106 zu 19 Stimmen verabschiedete es das entsprechende Gesetz. In der Türkei hat der Beschluss Politiker empört; auch einige Intellektuelle halten ihn für falsch.

Fluter-Türkei

fluter (Nr. 20)

Hallo Nachbar - Das Türkeiheft

Kopftuch-Verbot, EU-Beitritt, Armenierfrage: Die Debatten in der Türkei sind so komplex wie das Land. Die Oktober-Ausgabe von fluter will vor allem eines: mit Klischees aufräumen. Weiter...

0,00