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Nordkorea testet Atomwaffe

Am Montagmorgen hat Nordkorea unterirdisch erstmals eine Atomwaffe getestet. Weltweit löste die Aktion Empörung und Entsetzen aus. Von der internationalen Staatengemeinschaft wird jetzt eine entschlossene Reaktion erwartet.

Platz im Zentrum der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang.
Foto: Public DomainPlatz im Zentrum der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang.
Foto: Public Domain
Um 3.36 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurde die Atombombe nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums in Hwaderi nahe der Stadt Kilju gezündet. Russische Nuklearkontrollsysteme registrierten laut Agentur Interfax um diese Zeit eine unterirdische Atomexplosion in Nordkorea. Auch US-Geologen des Instituts U.S. Geological Survey beobachteten am frühen Morgen eine Erschütterung auf der koreanischen Halbinsel, die mit einem Wert von etwa 4,2 auf der Richterskala gemessen wurde. Die mögliche Stärke der Explosion wurde vom russischen Verteidigungsministerium mit 5.000 bis 15.000 Tonnen Trinitrotoluol (TNT) eingeschätzt. Damit könnte der nordkoreanische Test eine Stärke gehabt haben wie die Bombe, welche die USA im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima (15.000 Tonnen TNT) abgeworfen hatte.

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, dass der unterirdische Test sicher und erfolgreich verlaufen sei. Er werde dazu beitragen, hieß es weiter, "den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in der umliegenden Region zu erhalten". Nordkorea ist damit einer von acht Staaten, die erklärtermaßen über eine Atombombe verfügen.

Die deutsche Bundesregierung lehnte den Atomwaffentest entschieden ab und kündigte an, den nordkoreanischen Botschafter in Deutschland einzubestellen. Sowohl Südkorea als auch Japan bezeichneten den Test als Provokation und als nicht hinnehmbar. Südkorea stoppte darüber hinaus eine Hilfslieferung an Nordkorea und versetzte seine Armee-Einheiten in Alarmbereitschaft.

Auch China, das 20 Minuten vor dem Test von der nordkoreanischen Regierung informiert worden war, verurteilte ihn, weil die Stabilität im Nordosten Asiens im Interesse aller betroffenen Parteien liege. Das Außenministerium in Peking sprach sich für eine Verhandlungslösung aus. In Washington wurden dagegen Finanz-, Reise- und Handelssanktionen gefordert. Der Weltsicherheitsrat ist zu einer Dringlichkeitssitzung über mögliche Reaktionen auf den Atombombentest zusammengekommen.

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