Erde

Korruption und globale Wirtschaft

Nach vier Jahren hat Transparency International am Mittwoch einen weiteren "Bribe Payers-Index" vorgelegt. Die Umfrage unter rund 11.000 Führungskräften in 125 Ländern untersucht: Wie stark fällt bei Firmen aus wichtigen Industrienationen die Bestechung aus? Deutsche Unternehmen schnitten gut ab, aber ohne Korruption kommen auch sie nicht aus.

Nicht immer wird bar gezahlt, auch Geschenke und geldwerte Vorteile erfüllen mitunter den Straftatbestand der Korruption.
Foto: Kai Schöning / photocase.comNicht immer wird bar gezahlt, auch Geschenke und geldwerte Vorteile erfüllen mitunter den Straftatbestand der Korruption.
Foto: Kai Schöning / photocase.com
"Es gibt keine Sieger", sagte Hansjörg Elshorst, Vorsitzender von Transparency International (TI) in Deutschland, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Dafür lägen die Ergebnisse statistisch zu dicht beieinander. Auf einer Skala mit zehn möglichen Punkten erhielt der Spitzenreiter Schweiz (7,81) nur drei Punkte mehr als Indien (4,62), das an 30. Stelle am Ende der Liste steht. Außerdem erreiche kaum ein Land das obere Viertel der Skala. Das Ergebnis für deutsche Unternehmen, die mit 7,34 Punkten den siebten Platz belegten, so Elshorst, sei dennoch bemerkenswert. In Relation zu anderen Nationen ist der deutsche Anteil mit 9,5 Prozent am Weltexport "doppelt und dreifach" so groß - entsprechend häufiger stellten sich Gelegenheiten zur Korruption ein. Für Elshorst bedeutet das deutsche Abschneiden, dass "man nicht Weltmeister im Schmieren sein muss, um sich auf immer stärker umkämpften Märkten als Exportweltmeister zu halten".

Unternehmen junger, aufstrebender Exportnationen wie Indien, China oder Russland sind die Schlusslichter des Korruptions-Index. TI fordert diese Länder auf, sich an die OECD-Konvention gegen Bestechung ausländischer Amtsträger zu binden. Diese Konvention der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schreibt den unterzeichnenden Ländern vor, strafrechtliche Maßnahmen gegen Bestechung ausländischer Amtsträger gesetzlich festzuschreiben. Außerdem soll die steuerliche Absetzbarkeit von Bestechungsgeldern verboten werden.

19 der 30 gelisteten Nationen, u.a. auch Deutschland, haben die Konvention bislang ratifiziert. Dass es damit allein nicht getan ist, zeigt allerdings das Beispiel der Türkei. Die Konvention wurde dort 2003 gesetzlich verankert, dennoch landete das Land bei der zwischen Februar und Mai dieses Jahres durchgeführten Umfrage auf dem viertletzten Platz. Aus Sicht von TI sei das Ergebnis "höchst problematisch für ein Land, das sich um die EU-Mitgliedschaft bewirbt".

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