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Nordkorea droht mit Atomwaffentest

Die Ankündigung eines nordkoreanischen Atomwaffentests hat international große Besorgnis ausgelöst. Insbesondere Japan und Südkorea wollen den Test nicht hinnehmen, und auch die USA verurteilten das Vorhaben. Nordkoreas Verbündeter China forderte die Führung in Pjöngjang zur Mäßigung auf. Ein Termin für den Test wurde nicht genannt.

Straße in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang 
Foto: David EerdmansStraße in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang
Foto: David Eerdmans
In erster Reaktion verurteilte US-Außenministerin Condoleezza Rice die Ankündigung Nordkoreas als "sehr provokativen Akt", der die Stabilität in der Region gefährde. Schroff reagierten die japanische und die südkoreanische Regierung. Tokyo kündigte "harte Gegenmaßnahmen" an; ein solcher Test sei "unverzeihlich", erklärte der japanische Außenminister Taro Aso. Südkorea warnte die kommunistische Führung im Norden: Kernwaffen im nördlichen Nachbarland werde es nicht tolerieren. Auch China, ein wichtiger Verbündeter Nordkoreas, mahnte überraschend deutlich und rief zur Zurückhaltung auf. Bereits vor dem Treffen des Weltsicherheitsrates am Mittwoch erklärte UNO-Generalsekretär Kofi Annan, Nordkorea gefährde seine eigene Sicherheit. Er riet Pjöngjang dazu, das Moratorium für Atomwaffenversuche einzuhalten und wieder an den Sechs-Länder-Verhandlungen teilzunehmen.

In einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung rechtfertigte Nordkorea seine Pläne mit der "extremen Drohung der USA mit einem Atomkrieg, den Sanktionen sowie dem anhaltenden Druck". Die Wirtschaftssanktionen hätten die Lage des Landes drastisch verschlechtert, hieß es in einer Mitteilung des nordkoreanischen Außenministeriums. Die Verantwortung dafür trügen die Vereinigten Staaten. Nach Ansicht von Beobachtern beeinträchtigen vor allem die vor einem Jahr verhängten Finanzsanktionen die Geschäfte der nordkoreanischen Elite stark.

Die Sanktionen sind außerdem der Grund, warum Nordkorea aus den so genannten Sechs-Parteien-Verhandlungen ausgestiegen ist. An den Gesprächen über die Einstellung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms nehmen Russland, Japan, die USA, China und die beiden koreanischen Staaten teil. Sie stocken seit Jahren. Mehrmals zog sich Nordkorea zurück, zuletzt im November vergangenen Jahres. Im Februar verkündete die Führung in Pjöngjang, das Land sei Nuklearmacht.

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