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Vor 45 Jahren: Mauerbau in Berlin

Es war ein Schock für Ost- und Westberliner: In den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 riegelten Sicherheitskräfte der DDR die Sektorengrenze der Stadt ab. Barrikaden wurden errichtet, Betonpfähle eingerammt und Stacheldrahtzäune gezogen. Der Übergang von Ost nach West war versperrt, Berlin in zwei Hälften geteilt.

Volkspolizisten riegeln die Grenzen zum Sowjetsektor ab. Foto: DIA-Reihe der Polizeihistorischen Sammlung / Polizeipräsident von BerlinVolkspolizisten riegeln die Grenzen zum Sowjetsektor ab. Foto: DIA-Reihe der Polizeihistorischen Sammlung / Polizeipräsident von Berlin
In den 28 Jahren bis zum Fall der Mauer 1989 wurden mindestens 125 Menschen an den Berliner Grenzanlagen getötet. Damit ist die Zahl der Mauer-Toten nach neuesten Forschungen niedriger als bislang angenommen. In einer Studie des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam (ZZF) und der Gedenkstätte Bernauer Straße konnten bislang 125 Mauer-Opfer nachgewiesen werden. Nach Angaben des Leiters des Studienprojektes, Hans-Hermann Hertle, konnten bislang 62 vermutete Todesfälle an der Mauer nach Auswertung aller Quellen ausgeschlossen werden. Einige der bislang als Todesopfer geführten Flüchtlinge hätten schwer verletzt überlebt.

Die meisten der bisher nachgewiesenen Toten waren junge Männer unter 30 Jahren, lediglich acht Frauen zählen zu den Opfern. 24 Menschen aus Ost und West starben darüber hinaus durch Schüsse, Unfälle oder bei Kontrollen an Grenzübergängen, obwohl sie keine Fluchtabsichten hatten. Zu den Getöteten zählen auch acht Grenzsoldaten, die durch Flüchtlinge, Fluchthelfer oder Kameraden getötet wurden.

Dass die Zahl der Todesopfer auch 16 Jahre nach dem Fall der Mauer noch nicht endgültig aufgeklärt ist, liegt an der schwierigen Forschungssituation. Laut Hans-Hermann Hertle verschleierte die DDR viele Informationen. Wichtigste Quelle des Forscherteams waren die Akten der Mauerschützenprozesse, die erst nach Prozess-Ende eingesehen werden konnten. Weitere 81 Verdachtsfälle sollen im weiteren Verlauf der Studie untersucht werden.

Neben wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen über die exakte Anzahl der Todesopfer bemüht sich das Projekt auch um die genauen Umstände der Flucht und die Lebensverhältnisse der Opfer. In der Gedenkstätte an der Bernauer Straße in Berlin sollen ihre Schicksale dokumentiert werden. Die Biografien der Maueropfer können auf der gemeinsamen Projektseite des Deutschlandradios, des ZZF und der Bundeszentrale für politische Bildung im Internet unter www.chronik-der-mauer.de nachgelesen werden. Dort findet sich neben einer Chronik der Jahre 1961 bis 1989 eine umfangreiche Materialsammlung mit Dokumenten, Radio- und Fernsehbeiträgen sowie O-Tönen. Eine Fotosammlung stellt die Grenzanlagen in den 80er Jahren und ihren heutigen Zustand im Vergleich dar.

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