Erde

Nahost-Krise: Sicherheitsrat drängt auf UN-Resolution

Nach dem bislang folgenschwersten israelischen Luftangriff auf das südlibanesische Kana am Sonntag arbeitet der Weltsicherheitsrat an einer Resolution zur Lösung des Libanon-Konflikts. Die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah gehen unvermindert weiter.

In der Nacht zum Mittwoch nahmen israelische Luftlandetruppen mehrere Kämpfer der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz aus dem libanesischen Baalbeck gefangen. Der Ort liegt mehr als hundert Kilometer nördlich der israelischen Grenze. Damit war es der bislang weiteste Vorstoß israelischer Truppen in den Norden des Libanon seit Beginn der Offensive vor drei Wochen. In der gleichen Nacht endete auch eine 48-stündige Feuerpause der israelischen Luftwaffe. Die Regierung in Jerusalem hatte bereits zuvor angekündigt, die Angriffe mit Ablauf der Frist wieder in "vollem Umfang" aufzunehmen.

In der Nacht zum Montag hatte Israel unter heftigem internationalen Druck verkündet, für 48 Stunden keine Luftangriffe auf den Libanon zu fliegen. Die Feuerpause sollte der Zivilbevölkerung die Möglichkeit geben, das Kampfgebiet zu verlassen, und zur Untersuchung des israelischen Luftangriffs auf das südlibanesische Kana genutzt werden. Beim dem Beschuss des Dorfes waren am Sonntag 28 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Kinder. Israel hatte den Angriff damit gerechtfertigt, dass Raketen-Angriffe der Hisbollah-Miliz vom Gebiet des Dorfes ausgegangen seien. Außerdem habe man die Bewohner mehrfach vor den bevorstehenden Luftangriffen gewarnt. Die Hisbollah nutze die libanesische Bevölkerung bewusst als menschliche Schutzschilde und setze die zivilen Opfer für die eigene Propaganda ein.

Wenige Stunden nach dem Stopp flog die israelische Luftwaffe jedoch wieder Angriffe gegen Stellungen der Hisbollah in der Nähe des libanesischen Dorfs Taibeh. Auch die Hisbollah setzte ihren Raketenbeschuss auf Nordisrael fort. Am Sonntag hatte die Hisbollah etwa 140 Raketen auf Israel abgefeuert, mehr als 100 davon auf den Ort Kiriat Schmona. Nach Angaben der libanesischen Regierung kamen bei den Kämpfen bislang 828 Menschen ums Leben, 3.200 seien verletzt worden. Der israelische Tourismusminister Jitzak Herzog erklärte, das Militär habe seit Beginn seiner Offensive im Libanon 400 Hisbollah-Kämpfer getötet.

Am Montagmorgen hatte sich der Weltsicherheitsrat nach einer Dringlichkeitssitzung in einer Erklärung "extrem schockiert und erschüttert über den Beschuss von Kana" gezeigt und eine baldige UN-Resolution angekündigt. Auf Drängen der USA wurde jedoch auf eine Verurteilung Israels verzichtet. Mittlerweile liegt dem Gremium ein französischer Resolutionsentwurf vor. Dieser sieht unter anderem eine sofortige Waffenruhe und eine Sicherheitstruppe an der Grenze zu Israel vor. Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte bei ihrem Israel-Besuch eine rasche Waffenruhe und eine "dauerhafte Regelung" des Konfliktes. Dabei müsse der Libanon die Souveränität über alle Landesteile übernehmen. Bislang war der USA vorgeworfen worden, Israel freie Hand bei der militärischen Offensive gegen die Hisbollah zu lassen.

Bei einer Sondersitzung in Brüssel einigten sich die EU-Außenminister unterdessen nach mehrstündigen Verhandlungen am Dienstag auf eine gemeinsame Erklärung zum Konflikt. Sie rufen Israel und die Hisbollah zu einer "sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten" auf, der ein dauerhafter Waffenstillstand folgen müsse. Deutschland, Großbritannien und Tschechien hatten zuvor einen Entwurf der finnischen EU-Ratspräsidentschaft zurückgewiesen, der einen sofortigen Waffenstillstand forderte.


Mehr zum Thema

Gert Krell

Die USA, Israel und der Nahost-Konflikt

Der Blick auf die Geschichte und Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und Israel stellt gängige politische Ansichten verschiedener Richtungen in Frage. Er dokumentiert zugleich Widersprüche in der Außenpolitik der amerikanischen Demokratie gegenüber dem Nahost-Konflikt. Weiter...

teaser

Elmar Krautkrämer

Der israelisch-
palästinensische Konflikt

Im historischen Überblick werden die Ereignisse bis zur Staatsgründung Israels im Mai 1948 geschildert. Außerdem stehen die Kriege und die Suche nach Frieden im Mittelpunkt. Weiter...

Fischer Weltalmanach

Israel

Daten, Jahresüberblick, die Innenpolitik und das Verhältnis von Israel und Palästina - der Fischer Weltalmanach liefert wichtige Informationen über das Israel der Gegenwart. Weiter...