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Nahost-Krise spitzt sich zu

Bomben auf Beirut, Raketen auf Haifa: Während die Gewalt in Nahost weiter eskaliert, fordert die internationale Gemeinschaft ein Ende der Kampfhandlungen. UN-Generalsekretär Kofi Annan dringt auf den Einsatz einer UN-Beobachtertruppe in der Region.

Die israelische Armee hatte in der vergangenen Woche als Reaktion auf den Rakentenbeschuss der Hisbollah auf Nordisrael und die Entführung zweier israelischer Soldaten mit Angriffen auf den Libanon begonnen. Seitdem werden israelische Luftangriffe vor allem auf Beirut, die Hauptstadt des Libanon, die nordlibanesische Hafenstadt Tripoli und die Stadt Baalbek geflogen. Der Südlibanon war außerdem Ziel verstärkten Artilleriebeschusses, um die Raketenstellungen der Hisbollah auszuschalten. Insgesamt sollen laut libanesischer Armee mindestens 60 Ziele getroffen worden sein, die Zahl der Todesopfer auf libanesischer Seite wird mit mehr als 165 angegeben.

Die Hisbollah griff neben verschiedenen nordisraelischen Ortschaften erneut Haifa mit Raketen an. Bereits am Sonntag waren acht Israelis bei einem Raketenangriff ums Leben gekommen. Am selben Tag schlugen erstmals mehrere Raketen in der nordisraelischen Stadt Afula ein. Afula liegt gut 50 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze entfernt.

Während viele Menschen versuchen, den Libanon zu verlassen, intensiviert die internationale Staatengemeinschaft ihre Vermittlungsversuche. Am Sonntag traf der außenpolitische Beauftragte der EU, Javier Solana, zu Gesprächen mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora in Beirut ein. Laut italienischem Fernsehen bemüht sich auch Italiens Ministerpräsident Romano Prodi um Vermittlung. Er soll der libanesischen Regierung die israelischen Bedingungen für das Ende der Offensive unterbreiten.

Am Sonntag hatten auch die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russland in einer gemeinsamen Erklärung zunächst die Freilassung der Geiseln und daran anschließend das Ende aller militärischen Aktionen gefordert. Befürwortet wurde auch der Vorschlag von UN-Generalsekretär Kofi Annan, eine multilaterale UN-Truppe zur Beobachtung in die Region zu entsenden, den auch die Europäische Union unterstützt.

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