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Nordkorea testet Raketen

Mit den ersten Rakententests seit acht Jahren hat Nordkorea die internationale Staatengemeinschaft am Mittwoch in Aufregung versetzt. Die USA sprechen von einer Provokation, Japan fordert eine Resolution des Weltsicherheitsrats.

Der umstrittene Diktator Nordkoreas Kim Jong Il auf einem Gemälde in Pjöngjang
Foto: CCDer umstrittene Diktator Nordkoreas Kim Jong Il auf einem Gemälde in Pjöngjang
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Unmittelbar nach dem Start der Raketen zog Japan erste Konsequenzen und unterbrach die einzige Verbindung zum Nachbarstaat: Nordkoreanische Fähren dürfen in den kommenden sechs Monaten nicht mehr in japanischen Häfen anlegen. Außerdem wird offiziellen Vertretern Nordkoreas die Einreise verweigert. Dem Weltsicherheitsrat legte Japan einen Resolutionsentwurf vor, der Sanktionen beinhaltet und über den das Gremium am vergangenen Mittwoch in einer Dringlichkeitssitzung beriet. Eine Abstimmung war nicht vorgesehen. Die USA, Frankreich und Großbritannien unterstützten zwar den Entwurf, die beiden anderen Vetomächte Russland und China lehnten Sanktionen jedoch ab. Russland erklärte sich lediglich dazu bereit, in einer Erklärung ein "deutliches Signal" nach Nordkorea zu senden.

Japan fordert mit der Resolution nicht nur den sofortigen Stopp der Raketentests; es verlangt auch, dass Nordkorea die Sechs-Parteien-Verhandlungen über sein Atomprogramm wieder aufnimmt. Ziel dieser Gespräche, an denen Russland, Japan, die USA, China und die beiden koreanischen Staaten teilnehmen, soll eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel sein. Die USA fordern zudem eine Auflistung aller Atomanlagen mit regelmäßigen Untersuchungen. Ferner sollen die Plutoniumverarbeitung und der Uranabbau auf Eis gelegt werden.

Die Regierung in Pjöngjang reagierte unversöhnlich auf die scharfe internationale Kritik und kündigte an, ihre Raketentests fortzusetzen. Die Raketenstarts seien Teil einer Militärübung "zur Stärkung der Selbstverteidigung". Falls der Weltsicherheitsrat Sanktionen verhänge, werde man zu "radikalen Gegenmaßnahmen" gezwungen, erklärte der stellvertretende Leiter der nordkoreanischen UN-Mission, Han Song Ryol, in einem Interview mit dem US-Fernsehsender TBS.

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