Erde

Fußball und Patriotismus

Drei Farben Schwarz-Rot-Gold: Die Begeisterung der deutschen Fußballfans für das Spiel der eigenen Mannschaft hat eine Debatte über Patriotismus ausgelöst. Wie viel Fahnenschwenken darf sein?

Das Finale noch nicht in Sicht und trotzdem feiern die deutschen Fußballfans jeden Sieg der Nationalmannschaft, als wäre es schon so weit. Immer mit dabei: Schwarz-Rot-Gold – als Flagge, abwaschbare Tätowierung, Gesichtsbemalung oder lustige Perücke. Auch im Ausland fällt der neue, unverkrampfte Umgang mit den Nationalsymbolen auf. Während in den deutschen Feuilletons mit großem Ernst über Patriotismus, Nationalismus und die deutsche Vergangenheit diskutiert wird, überwiegt bei den Fußballfans die Begeisterung für Fußball und Mannschaft. Auch Migranten stimmen in den Chor mit ein: Vor der Dönerbude und dem Gemüseladen weht die deutsche Fahne einträchtig neben der türkischen. Ob der Fußball damit Integration und gegenseitiger Akzeptanz über die WM hinaus auf die Sprünge helfen kann, wird sich zeigen, wenn der Alltag wieder Einzug hält.

Glaubt man den Aussagen der Spieler der deutschen Nationalmannschaft, so freuen sie sich nicht nur über Unterstützung und die vielen Fähnchen in Schwarz-Rot-Gold an den deutschen Autos, sondern finden das auch ganz normal. Das Verhältnis der Nationalspieler zum eigenen Land sei unverkrampft, sagt der deutsche Torhüter Jens Lehmann, weil sie nicht mehr der Nachkriegsgeneration angehörten. Wie unverkrampft das Verhältnis zum Fußball und zur Nation ist, wird sich bei Spielern und Fans vermutlich erst nach einer Niederlage zeigen.

Mehr zum Thema

Norbert Seitz

Was symbolisiert das "Wunder von Bern"?

Den gesellschaftspolitischen Beitrag, den der Fußball leisten kann, zeigt Norbert Seitz in seinem Essay anhand des "Wunders von Bern" auf. Es sei ein Teil des deutschen "Geschichtsgefühls" geworden. Weiter...