Erde

Digitaler Alltag

Am Donnerstag wurde in Hannover die CeBIT eröffnet. Auf der weltgrößten Computermesse präsentieren rund 6.300 Aussteller aus 70 Ländern eine Woche lang den aktuellen Stand der digitalen Technik. Ein Trend sind kleinste Funkchips in Alltagsgegenständen.

Die so genannten RFID-Etiketten oder "Smart Labels" stecken heute schon in den Tickets zur Fußball-WM 2006. Idee der Radio- Frequenz- Identifikation (RFID) ist es, alle möglichen Objekte von fern über Funk zu identifizieren, so dass man immer weiß, wo sie gerade sind. In zehn bis 15 Jahren sollen Waren im Supermarkt, Bücher, Dokumente oder Patienten in Krankenhäusern mit den hauchdünnen Chips ausgestattet sein. Langfristig sollen die Chips sogar miteinander Daten austauschen. Datenschützer fürchten, mit RFID stehe der "gläserne Kunde" vor der Tür. Der Einzelne könne nicht kontrollieren, wer mit Hilfe der Chips welche Informationen über ihn sammelt.

Weitere wichtige Themen der Messe sind das Telefonieren über das Internet, genannt VoIP (Voice over Internet Protocol), das Zusammenwachsen von Computern und Unterhaltungsgeräten sowie schnelle Breitband-Zugänge ins Internet. Mit ihnen wird das Herunterladen ganzer Filme, Musikalben, Radio- und TV-Sendungen in Zukunft Alltag sein. Angesichts der heute schon großen Verluste durch das illegale Tauschen von PC-Spielen, Musik und Filmen über das Internet forderte der Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) eine neue Form der Abrechnung für Kopien urheberrechtlich geschützter Daten. "Digitale Technik erfordert auch eine digitale Abrechnung", so der BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms am Donnerstag in Hannover. Bisher werden Pauschalbeträge auf den Kaufpreis von Kopierern, Videorecordern oder Leer-Datenträgern aufgeschlagen und anschließend von Verwertungsgesellschaften an die Urheber der damit kopierten Medien verteilt. Die BITKOM wünscht stattdessen individuelle Abrechnungssysteme.


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