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Kinder nicht in Sicht

Der Geburtenrückgang in Deutschland konnte auch 2005 nicht gestoppt werden. Nach vorläufigen Hochrechnungen des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr zwischen 680.000 und 690.000 Babys geboren und damit rund 20.000 weniger als 2004. Was sind die Gründe für die Kinderlosigkeit in Deutschland?

Ein junger Vater freut sich über sein Neugeborenes.
Bild: Jyn MeyerEin junger Vater freut sich über sein Neugeborenes.
Bild: Jyn Meyer
Nach den Daten des Statistischen Bundesamts ist bereits der Rückgang des Anteils der Frauen im gebärfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung für die sinkende Zahl an Neugeborenen verantwortlich. Grund dafür ist der so genannte "Pillenknick", der ab Mitte der 1960er Jahre den "Nachkriegs-Babyboom" ablöste und für einen steilen Fall der Geburtenziffer von durchschnittlich etwa 2,5 auf heute 1,4 in West- und Ostdeutschland sorgte. Dabei ist die Reproduktion einer Bevölkerung gewährleistet, wenn die Geburtenziffer dauerhaft bei oder über dem Wert von "2" liegt, ein Paar im Laufe seines Lebens also zwei Kinder zur Welt bringt.

Wertewandel, Unsicherheit, fehlende Kinderfreundlichkeit

Seit Geburtenrückgang und steigende Lebenserwartung die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme zunehmend in Frage stellen, wird in Deutschland intensiv über die Gründe für den Kindermangel und mögliche Abhilfen diskutiert. In der Debatte werden verschiedene Faktoren genannt, die den Geburtenrückgang in Deutschland beeinflussen. In Umfragen beklagen beispielsweise bis zu 70 Prozent der Frauen und Männer die fehlende Familien- und Kinderfreundlichkeit in Deutschland. Auch die unsichere soziale Situation und die Sorge um den Arbeitsplatz wirken sich auf die Zahl der Geburten aus: Sicherheit und Stabilität scheinen bei vielen jungen Erwachsenen ein wichtiges Entscheidungskriterium für Kinder zu sein. Ebenso beeinflusst ein allgemeiner Wertewandel den Geburtenrückgang: In den Augen vieler Erwachsener gehören Kinder nicht mehr unbedingt zum Lebensentwurf, sondern sind vielmehr eine Option. Dabei ist auffällig, dass gerade gut ausgebildete Frauen weniger Kinder bekommen. Offenbar ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor schwierig.

Der Geburtenrückgang ist nicht allein ein deutsches Problem, so haben Spanien und Italien eine niedrigere Geburtenziffer. Als Gegenbeispiel stellt sich Frankreich dar, durchschnittlich 1,9 Kinder pro Frau sind europäischer Rekord.

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Corinna Onnen-Isemann

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