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Daten und Fakten: Arbeitslosigkeit


19.2.2013
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland durchlief mehrere Entwicklungsphasen. Die aktuellere Entwicklung wurde durch die Hartz-Reformen und den massiven Einsatz von Kurzarbeit während der Finanzkrise geprägt. Zuletzt wurde wieder vom Beschäftigungswunder gesprochen. Doch Arbeitslosigkeit ist vielschichtig und lässt sich nicht an einer einzelnen Zahl oder Quote festmachen.

Die Generation 50+ hat auf dem Arbeitsmarkt schlechtere Chancen.Die Generation 50+ hat auf dem Arbeitsmarkt schlechtere Chancen. (© picture-alliance/dpa, Fotoreport)

Entwicklung der Arbeitslosigkeit



Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit lässt sich in vier Phasen einteilen:
  • Die Phase des Abbaus der Nachkriegsarbeitslosigkeit zwischen 1950 und 1960
  • Die Phase der Vollbeschäftigung zwischen 1960 und 1973, kurz unterbrochen durch die vergleichsweise geringe Rezession von 1967/68
  • Die Phase der Persistenz, einer von Rezession zu Rezession steigenden Arbeitslosigkeit seit 1973
  • Die Sonderentwicklung durch die Hartz-Reformen seit 2005 und die Finanzkrise 2009/2010
Die sehr hohe Nachkriegsarbeitslosigkeit wurde in der als "Wirtschaftswunder" bezeichneten Nachkriegsperiode rasch abgebaut. Vom Höchststand von 11 Prozent im Jahre 1950 reduzierte sich die Arbeitslosenquote innerhalb von nur einem Jahrzehnt auf 1,3 Prozent im Jahr 1960. In den sechziger und frühen siebziger Jahren wurden, mit Ausnahme der Jahre 1967 und 1968, Arbeitslosenquoten von unter einem Prozent realisiert. Es herrschte Vollbeschäftigung und die Zahl der offenen Stellen übertraf deutlich die Zahl der Arbeitslosen. Der befürchteten Arbeitskräfteknappheit versuchte man mit der Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer zu begegnen.

Info

Arbeitslosenstatistik verstehen

Arbeitslosigkeit ist ein statistisch definierter und daher variabler Begriff. Nicht alle Menschen, die keiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, werden in der offiziellen Statistik auch tatsächlich als arbeitslos geführt. Unberücksichtigt bleiben beispielsweise Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Sie gehen in die Gruppe der Unterbeschäftigten ein. Eine Einführung in die Problematik bietet der Abschnitt "Wie wird Arbeitslosigkeit gemessen?".


Zu Beginn der siebziger Jahre veränderten sich die ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen. Die durchschnittlichen Wachstumsraten halbierten sich gegenüber der Ära Adenauer. Die Inflationsraten erhöhten sich beträchtlich. Gleichzeitig wuchs das Arbeitskräfteangebot, unter anderem durch die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen. Die 1973 einsetzenden drastischen Ölpreiserhöhungen lösten dann eine weltweite Rezession aus. In der Bundesrepublik setzte eine Phase der Stagflation ein, in deren Folge die Arbeitslosigkeit stark anstieg.

Entwicklung der Arbeitslosenquote in DeutschlandEntwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Seit 1973 folgt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland dem Prinzip der "Persistenz". Auf eine Rezessionsphase mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit folgte regelmäßig kein Rückgang der Arbeitslosigkeit im entsprechenden Maße, wie sie zuvor angestiegen war. Die Arbeitslosenquote ist dementsprechend seit 1973 jeweils nicht wieder auf das jeweilige Vorkrisenniveau zurückgegangen, sondern hat von Rezession zu Rezession einen höheren Sockel erreicht.

Die Hartz-Reformen 2005 führten zu einer "Sonderentwicklung“ der Arbeitslosigkeit. Der sprunghafte Anstieg der Quote im Jahr 2005 war keiner Rezession geschuldet, sondern resultierte aus der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009/2010 verlief die Entwicklung der Arbeitslosigkeit atypisch. Zwar stieg die Arbeitslosigkeit rezessionsbedingt an, dies insbesondere durch den umfangreichen Einsatz von Kurzarbeit, dies verlief aber vergleichsweise moderat. Seitdem fällt die Arbeitslosenquote auf Grund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und lag im Jahresdurchschnitt 2011 bei 7,1 Prozent. Ende 2012 ist sie weiter gesunken und lag im Oktober 2012 bei 6,5 Prozent. Damit hat Deutschland eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten im Euroraum, sodass bereits von einem neuen Beschäftigungswunder gesprochen wird.


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autoren: Sabrina Bersheim, Frank Oschmiansky, Stefan Sell für bpb.de
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