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Grundsicherung für Arbeitssuchende: Daten, Zahlen und Fakten


19.2.2013
Personen, die Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende beziehen, sind eine sehr heterogene Gruppe. Obwohl irreführend auch als Arbeitslosengeld II bezeichnet, werden Leistungen aus der Grundsicherung nicht nur an Arbeitslose, sondern unabhängig von einer vorherigen Beschäftigung ausgezahlt. Entsprechend der früheren Sozialhilfe sichern sie das Existenzminimum aller Personen beziehungsweise Bedarfsgemeinschaften, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten können.

Mitarbeiterin der Bremer Tafel.Ehrenamtliche Mitarbeiterin der Bremer Tafel. Die Tafeln versuchen mit ihrem Angebot an Lebensmitteln auch Personen, die Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende erhalten, eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung zu ermöglichen. (© picture-alliance/dpa)

Zusammensetzung der Leistungsberechtigten



Im Oktober 2012 bezogen in Deutschland über sechs Millionen Menschen Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende gemäß Sozialgesetzbuch II (SGB II). 4,35 Millionen dieser Personen sind so genannte erwerbsfähige Leistungsberechtigte (eLb). Sie befinden sich im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 Jahren und der Rentenaltersgrenze und werden nicht durch Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit daran gehindert, mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.

Leistungsberechtigte Personen in der Grundsicherung und Arbeitslose nach RechtskreisenLeistungsberechtigte Personen in der Grundsicherung und Arbeitslose nach Rechtskreisen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Rund 1,68 Millionen Leistungsberechtigte in der Grundsicherung sind nicht erwerbsfähig. Mit einem Anteil von 95 Prozent betrifft das in erster Linie Kinder, die mit erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft leben. Eine Bedarfsgemeinschaft umfasst gemäß Definition der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einem Haushalt lebende Personen, die gemeinsam wirtschaften und dem mindestens ein erwerbsfähiger Leistungsberechtigter angehört. Im Oktober 2012 gab es rund 3,3 Millionen Bedarfsgemeinschaften, auf die sich die mehr als sechs Millionen Empfänger von Leistungen aus der Grundsicherung verteilten.

Nicht jeder erwerbsfähige Leistungsberechtigte ist zwangsläufig arbeitslos. Tatsächlich geht nur jeder zweite in die Arbeitslosenstatistik ein. Die übrigen Personen gelten als nicht arbeitslos, weil sie dem Arbeitsmarkt (temporär) nicht zur Verfügung stehen. Gründe hierfür sind beispielsweise die Teilnahme an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder ein Schulbesuch.

Abzugrenzen sind die Arbeitslosen in der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) von den rund 850.000 Arbeitslosen des Sozialgesetzbuches III (SGB III). Sie sind in der Hauptsache erst kurzzeitig arbeitslos (unter einem Jahr) und erhalten das am letzten Einkommen bemessene Arbeitslosengeld I (ALG I) aus der Arbeitslosenversicherung. Aber auch in der Arbeitslosenversicherung gibt es Langzeitarbeitslose. Ihre Zahl beläuft sich auf rund 130.000. Diese Personen sind zum einen Nicht-Leistungsempfänger, die entweder nie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld hatten (Berufsrückkehrer oder –einsteiger) und zum anderen Personen, die nach Auslaufen des Leistungsbezuges aufgrund fehlender Bedürftigkeit keine Leistungen aus der Grundsicherung erhalten. Weiterhin zählen dazu ältere Arbeitslosengeld-Empfänger, die Leistungsansprüche von mehr als 12 Monaten haben.
Zusammensetzung der BedarfsgemeinschaftenZusammensetzung der Bedarfsgemeinschaften Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Zusammensetzung von Bedarfsgemeinschaften



Mit rund 1,9 Millionen ist die Single-Bedarfsgemeinschaft die häufigste Form der Bedarfsgemeinschaft. Es folgen Zwei-Personen-Haushalte mit einer Anzahl von rund 685.000. Größere Bedarfsgemeinschaften sind vergleichsweise selten vertreten. Im Juli 2012 gab es knapp 390.000 Drei-Personen-Bedarfsgemeinschaften und rund 380.000 Bedarfsgemeinschaften mit mehr als vier Personen.

Höhe der Geldleistungen



Geldleistungen für BedarfsgemeinschaftenGeldleistungen für Bedarfsgemeinschaften Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Bedarfsgemeinschaften erhielten im Juni 2012 durchschnittlich 820 Euro an Leistungen aus der Grundsicherung. Dazu gehören auch Sozialversicherungsbeiträge, sonstige Leistungen, Sozialgeld und laufende Leistungen für Unterkunft und Heizung.

Je größer die Bedarfsgemeinschaft, desto höher der durchschnittliche Leistungsbetrag. Dabei steigt der Betrag jedoch nicht linear mit der Anzahl der Haushaltsmitglieder. Eine Single-Bedarfsgemeinschaft erhielt im Juni 2012 durchschnittlich 704 Euro. Demgegenüber lag der Pro-Kopf-Betrag in einer Bedarfsgemeinschaft mit vier Personen beispielsweise lediglich bei 276 Euro. Grund hierfür sind zum einen die niedrigeren Regelsätze für Kinder, zum anderen die geringeren Pro-Kopf-Kosten für Miete und Heizung.

Entwicklung der Leistungsempfänger



Entwicklung der Empfängerzahlen von Grundsicherung für ArbeitssuchendeEntwicklung der Empfängerzahlen von Grundsicherung für Arbeitssuchende Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Die Zahl der Empfänger von Leistungen aus der Grundsicherung ist seit 2006 rückläufig. Den deutlichsten Rückgang verzeichnen die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit einem Minus von 14,3 Prozent. Die Zahl der nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im selben Zeitraum am schwächsten gesunken. Hier lag der Rückgang bei rund 11 Prozent.

Der wirtschaftliche Aufschwung seit 2010 hat auch in der Grundsicherung für einen verhältnismäßig starken Rückgang der Empfängerzahlen gesorgt. So lag der Jahresdurchschnitt der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten 2011 rund sechs Prozent unter dem des Jahres 2010. Im Vergleich zu der Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung (SGB III), wo ein Rückgang um 19 Prozent verzeichnet werden konnte, ist das allerdings eine nur moderate Entwicklung. Grund hierfür ist, dass Personen in der Grundsicherung in deutlich geringerem Umfang von wirtschaftlichen Hochphasen profitieren, da ihre Hilfebedürftigkeit in der Regel andere Gründe als eine schlechte Arbeitsmarktlage (z.B. niedrige Qualifikation, gesundheitliche oder soziale Schwierigkeiten etc.) hat.

SGB II-Hilfequote



SGB-II-Hilfequote im BundesländervergleichSGB-II-Hilfequote im Bundesländervergleich Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Bezieht man den Anteil der Personen, die Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende erhalten, auf die Bevölkerung insgesamt, ergibt sich die SGB II-Hilfequote. Für das gesamte Bundesgebiet lag diese im Oktober 2012 bei 9,4 Prozent. Damit bezog nahezu jede zehnte in Deutschland lebende Person zwischen 0 und 65 Jahren Leistungen aus der Grundsicherung.

Die Hilfequoten weisen starke regionen- und personenspezifische Unterschiede auf.

So differiert der Anteil der Grundsicherungsbezieher an der Bevölkerung stark zwischen West- und Ostdeutschland sowie unter den einzelnen Bundesländern. Im Oktober 2012 lag die Quote in den alten Bundesländern bei 8 Prozent (etwa jeder Zwölfte), während sie in den neuen Ländern 15,3 Prozent (etwa jeder Siebte) erreichte. Im Bundesländervergleich reicht die Spannweite der Quoten von 4,1 Prozent in Bayern bis 20,6 Prozent in Berlin.

SGB II-Risikogruppen



Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko der Hilfebedürftigkeit. Besonders betroffen sind beispielsweise Ausländer mit einer Hilfequote von 15,6 Prozent. Auch bei Kindern ist die Hilfequote deutlich erhöht. 15 Prozent oder etwa jedes siebte Kind in Deutschland lebt von Leistungen aus der Grundsicherung. Frauen sind leicht stärker betroffen als Männer. Bei ihnen liegt die Hilfequote bei 8,6 Prozent gegenüber 7,9 Prozent bei den Männern. Unterdurchschnittlich betroffen sind Ältere. Personen zwischen 50 und 65 Jahren weisen mit 7,2 Prozent die geringste Hilfequote auf.

SGB II-Hilfequoten

in Prozent, Stand: Juni 2012

Leistungsberechtigte Prozent
alle Leistungsberechtigten9,5
erwerbsfähige Leistungsberechtigte8,2
 
   Frauen8,6
   Männer7,9
   unter 25 Jahre8,5
   25 bis unter 50 Jahre8,7
   50 bis unter 65 Jahre7,2
   Ausländer 15,6
 
nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte15

Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Grundsicherung für Arbeitssuchende in Zahlen. Stand: Juni 2012

Hilfequoten nach Typ der BedarfsgemeinschaftHilfequoten nach Typ der Bedarfsgemeinschaft Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Unter den Mehrpersonen-Bedarfsgemeinschaften sind die Haushalte von Alleinerziehenden überdurchschnittlich betroffen. Vier von zehn Alleinerziehenden-Haushalten erhielten im Juni 2012 Leistungen aus der Grundsicherung. Hinzu kommt: Mit jedem im Haushalt lebenden Kind wächst das Risiko der Hilfebedürftigkeit. Über zwei Drittel der Haushalte von Alleinerziehenden, in denen drei oder mehr Kinder leben, sind abhängig von Leistungen aus der Grundsicherung.

Die Hilfequote von Paar-Haushalten mit Kindern liegt zum Vergleich mit 7,2 Prozent deutlich niedriger. Paare ohne Kinder haben das niedrigste Risiko auf Hilfebedürftigkeit. Sie sind lediglich mit 3,7 Prozent betroffen.

Erwerbstätige Bezieher von Leistungen aus der Grundsicherung



Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende können mit Einkommen aus Erwerbstätigkeit kombiniert werden. Das ist zum einen der Fall, wenn die Einkünfte einer Person oder eines Haushaltes deren Lebensunterhalt nicht vollständig abdecken, also unter dem Regelsatz der Grundsicherungsleistung liegen. Das geringe Einkommen wird dann an das Grundsicherungsniveau angeglichen. Zum anderen ist es Beziehern von Grundsicherung gestattet, in einem gewissen Umfang zu ihren Bezügen hinzu zu verdienen. Bis 100 Euro monatlich ist der Zuverdienst abgabenfrei, darüber hinaus werden Teile des Einkommens mit den Leistungen aus der Grundsicherung verrechnet.

Arbeitsverhältnisse der erwerbstätigen Bezieher von GrundsicherungArbeitsverhältnisse der erwerbstätigen Bezieher von Grundsicherung Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Weil diese Personen entweder ihr geringes Gehalt mit Grundsicherungsleistungen oder ihre Leistungen aus der Grundsicherung mit zusätzlichem Einkommen aus Erwerbsarbeit aufstocken, werden sie umgangssprachlich auch Aufstocker genannt. Die Bundesagentur für Arbeit verwendet den Begriff allerdings hiervon abweichend für Personen, die gleichzeitig Arbeitslosengeld I (SGB III) und Leistungen aus der Grundsicherung beziehen.

Im Juni 2012 waren über 1,3 Millionen beziehungsweise rund 30 Prozent aller Bezieher von Grundsicherungsleistungen erwerbstätig. Zum überwiegenden Teil arbeiten diese Personen in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis, also einem Mini- bzw. 400 €-Job. Bei ihnen ist davon auszugehen, dass sie zu den Leistungen aus der Grundsicherung hinzuverdienen. Rund ein Fünftel der erwerbstätigen Grundsicherungsbezieher ist allerdings teilzeitbeschäftigt. Knapp ein Viertel arbeitet in Vollzeit und erreicht dennoch kein Gehalt, das den Regelsatz der Grundsicherung übersteigt. Hier deckt das Arbeitseinkommen aus einer regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung den Lebensunterhalt der Person oder des Haushaltes nicht ab. Besonders häufig ist das in größeren Paar-Bedarfsgemeinschaften mit Kindern der Fall, in denen nur eine Person Einkommen aus Erwerbsarbeit erzielt.

Beendigung des Leistungsbezuges



Personen, die Leistungen aus der Grundsicherung beziehen, fällt es schwer, das System wieder zu verlassen. So konnten im Juni 2012 lediglich 3,5 Prozent der Bedarfsgemeinschaften und 3,4 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ihre Hilfebedürftigkeit beenden.

Zudem ist die Rückkehrwahrscheinlichkeit sehr hoch. Von den Personen, die im Zeitraum Juli 2011 bis Juni 2012 neu in den Bezug von Leistungen aus der Grundsicherung eingingen, hatten mehr als die Hälfte (54 Prozent) in den vorherigen zwölf Monaten bereits mindestens einmal Leistungen erhalten, 34 Prozent beziehungsweise über ein Drittel sogar in den vorherigen drei Monaten.

Bei den Bedarfsgemeinschaften sieht es ähnlich aus. Fast jeder Zweite (42 Prozent) der Neuzugänge in Leistungsbezug zwischen Juli 2011 und Juni 2012 hatte in den vorherigen zwölf Monaten bereits mindestens einmal Leistungen erhalten, 23 Prozent sogar in den vorherigen drei Monaten.

Langzeitleistungsbezug



Verweildauern im GrundsicherungsbezugVerweildauern im Grundsicherungsbezug Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Aufschluss über das Ausmaß des Langzeitleistungsbezuges geben die so genannten Verweildauern. Sie bilden ab, wie lange Personen bis zu einem bestimmten Stichtag durchgängig Leistungen aus der Grundsicherung bezogen haben und verdeutlichen die starke Verfestigung der Hilfebedürftigkeit: Fast zwei Drittel der Leistungsbezieher (59,6 Prozent) waren im Dezember 2011 zwei Jahre oder länger im Bezug.

Auch hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Personengruppen. Ältere Menschen zwischen 50 und 65 Jahren haben beispielsweise ein erhöhtes Risiko, dauerhaft hilfebedürftig zu bleiben.

Zum Weiterlesen



Bundesagentur für Arbeit: Grundsicherung für Arbeitssuchende in Zahlen.
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/201210/iiia7/grusi-in-zahlen/grusi-in-zahlen-d-0-pdf.pdf

Bundesagentur für Arbeit: Grundsicherung für Arbeitsuchende: Erwerbstätige Arbeitslosengeld II-Bezieher: Begriff, Messung, Struktur und Entwicklung.
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Statistische-Analysen/Statistische-Sonderberichte/Generische-Publikationen/SGBII/Erwerbstaetige-AlgII-Empfaenger-Sonderbericht.pdf

Bundesagentur für Arbeit: Analyse des Arbeitsmarktes für Alleinerziehende in Deutschland 2011.
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Statistische-Analysen/Analytikreports/Zentrale-Analytikreports/Jaehrliche-Analytikreports/Generische-Publikationen/Analyse-Arbeitsmarkt-Alleinerziehende/Analyse-Arbeitsmarkt-Alleinerziehende-2011.pdf

Bundesagentur für Arbeit: Strukturen der Arbeitslosigkeit.
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berichte-Broschueren/Arbeitsmarkt/Generische-Publikationen/Strukturen-der-Arbeitslosigkeit-2012-05.pdf

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: IAB-Discussion Paper 2/2011. Arbeitsmarktvermittelte Abgänge aus der Grundsicherung. Der Einfluss von personen- und haushaltsgebundenen Arbeitsmarktbarrieren.
http://doku.iab.de/discussionpapers/2011/dp0211.pdf

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: IAB-Kurzbericht 21/2011. Alleinerziehende ALG-II-Empfängerinnen mit kleinen Kindern: Oft in Ein-Euro-Jobs, selten in betrieblichen Maßnahmen.
http://doku.iab.de/kurzber/2011/kb2111.pdf

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