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11.8.2014 | Von:
Birte Tiedemann

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Aufgrund der gestiegenen Erwerbsbeteiligung von Frauen stehen in der heutigen Zeit viele Familien vor der Frage, wie sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf organisieren können, um den Bedürfnissen aller Familienmitglieder gerecht zu werden. Der folgende Text zeigt zunächst die Problematik auf, die bei mangelnden Möglichkeiten der Vereinbarkeit entsteht und beschreibt die Wichtigkeit der Vereinbarkeit für alle betroffenen Akteure. Abschließend werden bereits durchgeführte Maßnahmen sowie mögliche zukünftige Reformprogramme zur Verbesserung der Situation von Familien beschrieben.

24-Stunden Kita in Schwerin. Die Kita ist vor allem bei Eltern, die im Schichtdienst und/oder an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen, beliebt.24-Stunden Kita in Schwerin. Die Kita ist vor allem bei Eltern, die im Schichtdienst und/oder an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen, beliebt. (© picture-alliance/dpa)


Problemlage

Auch wenn es in den letzten Jahrzehnten ein Umdenken hinsichtlich familialer Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Akzeptanz von Müttererwerbstätigkeit gegeben hat, ist es auch in der heutigen Zeit für viele Menschen schwierig, die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen mit dem eigenen Beruf auf der anderen Seite zu vereinbaren. Das traditionelle Ernährermodell, bei dem der Mann Vollzeit erwerbstätig ist und das Haushaltseinkommen sichert und die Frau sich um Familien- und Hausarbeit kümmert, nimmt einen immer geringeren Stellenwert ein. In vielen Familien müssen oder wollen beide Elternteile arbeiten.

Dabei steht nicht allein die wirtschaftliche Funktion von Erwerbsarbeit im Vordergrund. Erwerbsarbeit bietet zusätzlich soziale Teilhabe, erhöht die Zufriedenheit und trägt generell zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Die meisten Personen sind nicht bereit sich für Familie oder Beruf zu entscheiden. Sie wollen Familie und Beruf angemessen kombinieren. Frauen streben zunehmend nach beruflicher und finanzieller Unabhängigkeit. Durch diese veränderte Rolle der Frauen, die zunehmend Vollzeit erwerbstätig sind, aber immer noch den Großteil der Familien- und Hausarbeit erledigen, ist der Alltag vieler Familien allerdings geprägt von Zeitkonflikten und –knappheiten und der Problematik, den Bedürfnissen aller Familienmitglieder gerecht zu werden. In manchen Familien ist nach der Geburt eines Kindes sogar eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen zu beobachten. Aufgrund von Ehegattensplitting und beitragsfreier Mitversicherung in der Krankenkasse erscheint es für einige Frauen nicht lohnenswert, mehr als einer geringfügigen Beschäftigung nachzugehen. Stattdessen sehen sie ihre Rolle vermehrt in der Familien- und Hausarbeit.

Neben den alltäglichen Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die Problematik auch aus der Perspektive des Lebens(ver)laufs zu berücksichtigen. Hier ist zunächst die Phase der Familiengründung bedeutend, die häufig parallel zur beruflichen Orientierung stattfindet. Elternschaft und Berufseinstieg müssen vereinbart werden. Die hohe Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse und vor allem die Befristung vieler Arbeitsverträge tragen zur Unsicherheit vieler Paare bei. Hinzu kommen hohe Scheidungsraten, generell instabilere Partnerschaften sowie eine gestiegene berufliche Mobilität, durch die die Kinderplanung verschoben und/oder völlig gestrichen wird.

Eine weitere zeitkritische Lebensphase kann zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftreten. Personen in diesem Alter sind häufig (Vollzeit) erwerbstätig, übernehmen aber zusätzlich und oft unerwartet die Pflege eines Angehörigen. In dieser Situation werden sich, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit steigender Lebenserwartung und höherem Pflegebedarf Älterer, in der Zukunft immer mehr Menschen befinden. Auch hiervon sind vor allem Frauen betroffen, die in den meisten Fällen die Pflegetätigkeit übernehmen. Für sie stellt sich dann die Frage, wie Beruf und Pflegetätigkeit vereinbart werden können.

Generell muss sich die Gesellschaft weiter öffnen und sollte sich nicht auf traditionelle Familienmodelle und Rollenbilder festlegen. Vielfach ist die alltägliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer von kulturell verankerten Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern geprägt. Eine gleichberechtigte Beteiligung von Vätern an Hausarbeit und Kinderbetreuung ist noch keine Normalität. Wenn Väter dies tun oder in Erwägung ziehen, zeitweilig ihre Erwerbstätigkeit zu unterbrechen, kann Müttern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erheblich erleichtert werden.

Warum ist Vereinbarkeit wichtig?

Es gibt vielerlei Gründe, die dafür sprechen, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. In der heutigen Zeit sind Frauen so gut ausgebildet sind, wie niemals zuvor. Dieses Potenzial sollte nicht ungenutzt bleiben. Noch immer ist zum Beispiel der Anteil von Frauen in Führungspositionen gering. Neben Gründen wie der "gläsernen Decke", bei der Männer den Aufstieg von Frauen erschweren und zum Teil geringeren Karriereambitionen von Frauen, ist ein Grund dafür die Tatsache, dass sie Bedenken haben, in einer gehobenen Stellung nicht mehr ausreichend Zeit für ihre Familie zur Verfügung zu haben. Auch um dem derzeitigen Fachkräftemangel in einigen Branchen entgegenzuwirken, ist ein hoher Anteil erwerbstätiger Frauen unabdingbar.

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist es zudem wichtig, möglichst vielen Menschen eine Teilnahme am Erwerbsleben zu ermöglichen. Aufgrund niedriger Geburtenraten und steigender Lebenserwartung sind die sozialen Sicherungssysteme stark belastet. Eine hohe Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter ist die Grundlage für eine entsprechende Absicherung im Alter. Dabei ist besonders wichtig, vielen Frauen die Ausübung einer regulären Beschäftigung zu ermöglichen, da hauptsächlich sie es sind, die ansonsten von drohender Altersarmut bedroht sind. Durch die Bereitstellung von Kinderbetreuungseinrichtungen und flexiblen Beschäftigungsmodellen kann zudem der Anreiz für die Familiengründung erhöht werden. Vor allem durch eine zunehmende Erwerbsbeteiligung von Müttern kann einem Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials begegnet werden. Hinzu kommt die individuelle Perspektive, dass bei längeren Erwerbsunterbrechungen fachliche und betriebsspezifische Kenntnisse abnehmen. Durch kontinuierliche Erwerbsbiografien können diese beibehalten und gesteigert werden, was zu höheren Löhnen und langfristig zu einem höheren Lebenseinkommen führt. Wenn zumindest eine Teilzeitbeschäftigung ausgeführt wird und kein längerer vollständiger Ausstieg aus der Erwerbsarbeit erfolgt, fallen Einkommenseinbußen folglich geringer aus. Eine gute Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert eine stabile wirtschaftliche Situation in Familien und trägt zum Wohlergehen aller Mitglieder bei.

Anteil aktiver Erwerbstätigkeit 15- bis 65-jähriger Frauen nach Alter des jüngsten KindesAnteil aktiver Erwerbstätigkeit 15- bis 65-jähriger Frauen nach Alter des jüngsten Kindes (PDF-Icon Grafik zum Download 57 KB) (© bpb)
Die Erwerbstätigenquote der Frauen ist seit 1996 kontinuierlich angestiegen. Seit dem Jahr 2004 um fast 10 Prozentpunkte. Der Anstieg der Quote von Müttern, deren jüngstes Kind sich im Alter zwischen drei und sechs Jahren befand, verlief seit 2006 fast parallel dazu. Mütter, die ein Kind im Alter von unter drei Jahren haben, sind in den letzten Jahren allerdings nicht vermehrt einer aktiven Erwerbstätigkeit nachgekommen. Sie sind eher selten erwerbstätig. Dies deutet darauf hin, dass viele Frauen nach der Geburt eines Kindes die volle Elternzeit in Anspruch nehmen und erst wenn das Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat, wieder in das Berufsleben einsteigen.

Ansätze aus anderen Ländern

In Deutschland und vielen anderen westeuropäischen Staaten dominiert ein modernisiertes Ernährermodell mit Vollzeiterwerbstätigkeit des Mannes und beruflicher Auszeit der Frau nach der Geburt von Kindern und anschließender Teilzeitbeschäftigung. Dieses Modell bringt jedoch die bereits beschriebenen Nachteile mit sich. Andere Länder haben hingegen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen, die Familien eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

In Frankreich ist das Doppelernährermodell seit langer Zeit eine Selbstverständlichkeit und dort institutionell verankert. Es herrscht eine eher kinderfreundliche Grundhaltung und großes Vertrauen in öffentliche Betreuungseinrichtungen. Zudem besteht eine Vielzahl an unterschiedlichen Betreuungsmöglichkeiten (beispielsweise staatliche Kinderkrippen und staatlich geförderte Tagesmütter-Modelle). Ab dem Alter von drei Jahren geht fast jedes Kind in die französische Vorschule. Generell hat sich die Ganztagsbetreuung im französischen Schulsystem seit langem etabliert. Daraus resultieren eine hohe Geburtenrate und eine hohe Erwerbsquote von Müttern. Dabei ist die überwiegende Zahl der Frauen in Vollzeit erwerbstätig – auch mit zwei und mehr Kindern. Als Anreiz für die Geburt mehrerer Kinder gibt es auch finanzielle Hilfen, die erst mit Geburt des zweiten oder dritten Kindes gewährt werden. Darüber hinaus gibt es in Frankreich die Besteuerungsmethode des Familiensplittings, bei der Familien gemeinsam veranlagt werden und somit steuerliche Vorteile für kinderreiche Familien bestehen.

Anzahl der Kinder pro FrauAnzahl der Kinder pro Frau (PDF-Icon Grafik zum Download 53 KB) (© bpb)
Auch die skandinavischen Länder haben traditionell eine Vorreiterrolle, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. In Schweden beispielsweise ist das Doppelverdienermodell, bei dem beide Elternteile sowohl einer Erwerbstätigkeit nachgehen als auch Haus- und Familienarbeit teilen, seit langem vorherrschend. Einkommen werden individuell besteuert, wodurch – im Gegensatz zum Ehegattensplitting – auch für den Ehepartner, der weniger verdient ein ebenso großer Anreiz zur Ausübung von Erwerbsarbeit besteht.

Darüber hinaus ist das öffentliche Kinderbetreuungssystem sehr gut ausgebaut und jedes Kind hat Anspruch auf einen Betreuungsplatz in einer öffentlichen Kita. Außerdem gibt es ein einkommensabhängiges Elterngeld, das auch Väter ermutigen soll, für einige Zeit die Betreuung des Kindes zu übernehmen. Diese Rahmenbedingungen haben dafür gesorgt, dass in Schweden seit Jahrzehnten eine hohe Frauenerwerbsquote besteht und die durchschnittliche Kinderzahl je Frau weit über der Deutschlands liegt.

Wie kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden?

Abbildung Puppenküche: Laut Demografiebericht sind es nach wie vor überwiegend die Frauen, die familiäre Aufgaben übernehmen und diese in Einklang mit einer Erwerbstätigkeit bringen müssen.Laut Demografiebericht sind es nach wie vor überwiegend die Frauen, die familiäre Aufgaben übernehmen und diese in Einklang mit einer Erwerbstätigkeit bringen müssen. (© picture alliance / ZB)


Verfügbarkeit von Kinderbetreuung

§

1998

Entscheidung des Bundesverfassungsgericht (BVerfGE 99, 216ff.)

Der Staat hat entsprechend dafür Sorge zu tragen, dass es Eltern gleichermaßen möglich ist, teilweise und zeitweise auf eine eigene Erwerbstätigkeit zugunsten der persönlichen Betreuung ihrer Kinder zu verzichten wie auch Familientätigkeit und Erwerbstätigkeit miteinander zu verbinden. Der Staat muss die Voraussetzungen schaffen, dass die Wahrnehmung der familiären Erziehungsaufgabe nicht zu beruflichen Nachteilen führt, dass eine Rückkehr in eine Berufstätigkeit ebenso wie ein Nebeneinander von Erziehung und Erwerbstätigkeit für beide Elternteile einschließlich eines beruflichen Aufstiegs während und nach Zeiten der Kindererziehung ermöglicht und dass die Angebote der institutionellen Kinderbetreuung verbessert werden.
Die Verfügbarkeit einer geeigneten Tagesbetreuung ihrer Kinder ist für viele Eltern eine Notwendigkeit, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Aufnahme oder Wechsel einer Erwerbstätigkeit, die Teilnahme an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen oder eine Verlängerung von Teilzeit auf 30 bis 35 Wochenstunden wie sie 2,2 Millionen Teilzeitkräfte wünschen, setzen eine gute Kinderbetreuung voraus.

Seit dem 1. August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder, die das erste Lebensjahr vollendet haben. Das gemeinsame Ziel von Bund, Ländern und Kommunen ist dabei ein bedarfsgerechtes Angebot an Betreuung für Kinder in den ersten drei Lebensjahren. Der Rechtsanspruch kann durch einen Betreuungsplatz in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege erfüllt werden. Nach Angaben der Bundesländer sollen im Kita-Jahr 2013/2014 insgesamt rund 810.000 Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Die letzten Elternbefragungen durch das Deutsche Jugendinstitut ergaben einen Bedarf von bundesweit rund 780.000 Plätzen. Damit wäre rechnerisch der Rechtsanspruch erfüllt, jedoch ist zu beachten, dass Angebot und Nachfrage regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. So kann es in einigen Regionen einen Überschuss an Betreuungsplätzen geben, die nicht besetzt werden können, während in anderen Regionen zu wenige Plätze vorhanden sind.

Die aktuellen Zahlen der amtlichen Statistik der Kinder- und Jugendhilfe zur Kinderbetreuung wurden noch vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs veröffentlicht. Demnach wurden am 1. März 2013 knapp 600.000 Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut. Das entspricht einer durchschnittlichen Betreuungsquote in Deutschland von 29,3 Prozent.

Die Betreuungsquote war in ostdeutschen Ländern mit 49,8 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in westlichen Bundesländern (24,2 Prozent). Sie ist zudem regional recht unterschiedlich, denn sie liegt in Nordrhein-Westfalen bei knapp 20 Prozent, in Bayern und Baden-Württemberg bei knapp 25 Prozent und als Spitzenwert der westdeutschen Flächenländer in Rheinland-Pfalz bei knapp über 28 Prozent. Die ostdeutschen Bundesländer weisen hingegen alle eine Betreuungsquote von über 40 Prozent auf. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 57,7 Prozent. Die Kindertagesbetreuung streut also regional sehr stark. Diese Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind historisch begründet. In der DDR war es der Regelfall, dass Mütter berufstätig sind, auch weil ausreichend Betreuungsmöglichkeiten für Kinder vorhanden waren. Aus diesem Grund haben Mütter in Ostdeutschland auch heute noch eine größere Nähe zur Erwerbsarbeit.

Beim sog. "Krippengipfel" am 2. April 2007 hatten Bund, die zuständigen Länder und die Gemeinden vereinbart, bis 2013 bundesweit eine Betreuungsquote von 35 Prozent zu erreichen, also eine Verdreifachung auf 750.000 bedarfsgerechte Betreuungsplätze. Der Bund versprach 4 Milliarden Euro, 2,15 Milliarden für Bauinvestitionen und 1,85 Milliarden Euro für Betriebskosten. Ab 2014 wollte der Bund jährlich 770 Millionen Euro für die laufenden Kosten beisteuern. Darüber hinaus bot das Konjunkturpaket II für die Infrastruktur frühkindlicher Bildung 6,5 Milliarden Euro. Bis 2014 sollten 400 Millionen Euro für zusätzliches Personal in 4.000 Schwerpunkt-Kindertagesstätten für eine bessere Sprach- und Integrationsförderung verwendet werden. Mit einer Übernahme der Finanzierung des Kita-Ausbaus durch den Bund ist ein Paradigmenwechsel eingetreten. Bisher mussten alle Kosten des Ausbaus von Kinderbetreuung von Ländern und Kommunen getragen werden. Die letztendlich von den Bundesländern für das Kitajahr 2013/14 gemeldeten Betreuungsplätze könnten einer Betreuungsquote von 40,3 Prozent gerecht werden, was 11 Prozentpunkte über der für März 2013 berechneten Betreuungsquote von unter Dreijährigen liegt. Dies deutet darauf hin, dass auch Länder und Kommunen vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs den Ausbau an Betreuungsmöglichkeiten erheblich vorangetrieben haben.

Kinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen und in öffentlich geförderter
Kindertagespflege am 01. März 2013 nach LändernKinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege am 01. März 2013 nach Ländern (PDF-Icon Grafik zum Download 57 KB) (© bpb)
In öffentlich geförderter Tagespflege, die ein gleichwertiges Angebot gegenüber der Betreuung in einer Kita ist, befanden sich im März 2013 rund 94.000 Kinder unter drei Jahren. Die Betreuungsquote dieser Kinder in diesem Bereich der Kinderbetreuung lag bei 4,5 Prozent. Knapp 44.000 Tagespflegepersonen kümmerten sich um die Kleinsten.

In der Altersgruppe der 3- bis unter 6-Jährigen haben die Eltern von über 2,2 Millionen Kindern eine Kindertagesbetreuung nutzen können. Bundesweit betrug die Betreuungsquote 93,9 Prozent, wobei sich die Quote nach Bundesländern kaum unterscheidet. Die von den Jugendämtern geförderte Tagespflege spielt für Kinder dieser Altersgruppe eine geringe Rolle.

Die Entwicklung der Betreuungsquoten zeigt einen stetigen Anstieg bei der Inanspruchnahme von Betreuung für unter Dreijährige an. Seit 2007 hat sich die Quote fast verdoppelt. Auch die Betreuungsquote der Drei- bis Fünfjährigen hat in den letzten Jahren einen Anstieg erfahren. Sie liegt seit 2008 durchgehend bei über 90 Prozent. Vor allem im letzten Jahr vor der Einschulung besuchen fast alle Kinder eine Betreuungseinrichtung.

Betreuungsquoten für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kinder in Kindertagespflege
2007 – 2013Betreuungsquoten für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kinder in Kindertagespflege 2007 – 2013 (PDF-Icon Grafik zum Download 50 KB) (© bpb)
Nach § 10 Abs. 1 (3) SGB II ist erwerbsfähigen leistungsberechtigten Eltern die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zumutbar, sobald das jüngste Kind drei Jahre alt und die Kinderbetreuung sichergestellt ist. Ferner stieg die Zahl der Alleinerziehenden, insbesondere in Großstädten, auf über 600.000 stark an, sehr häufig verbunden mit Langzeitarbeitslosigkeit der Alleinerziehenden. Für alleinerziehende Empfängerinnen von Arbeitslosengeld II mit kleinen Kindern ist es besonders schwer, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren. Sobald das jüngste Kind drei bis fünf Jahre alt ist, übernehmen diese Frauen im Vergleich zu kinderlosen Alleinstehenden sehr häufig Ein/Zwei-Euro-Beschäftigungen, schulische Trainingsmaßnahmen und berufliche Weiterbildung, seltener betriebsnahe Maßnahmen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vermutet daher als wichtigstes Erwerbshindernis für Alleinerziehende den Mangel an Kinderbetreuungsplätzen und nicht die mangelnde Erwerbsorientierung.

Das Problem der Betreuung setzt sich in Deutschland bei Schulkindern fort, denn Hortplätze und Ganztagsschulen sind vor allem in Westdeutschland knapp. Zwei Drittel aller Mütter, deren jüngstes Kind zwischen sechs und neun Jahre alt ist, sind aktiv erwerbstätig; ein Fünftel von ihnen Vollzeit. Unklar ist, wie in diesen Familien die Kinderbetreuung organisiert wird. Außerdem ist anzunehmen, dass die hohe Teilzeitquote aus der Tatsache resultiert, dass es nicht genügend Betreuungsmöglichkeiten am Nachmittag gibt und es sich daher eher um eine unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung handelt. Auch wenn in den letzten Jahren ein vermehrter Ausbau von Ganztagsschulen stattgefunden hat, gibt es bis heute keine flächendeckende ganztägige Betreuung für Kinder im Grundschulalter.

Angesichts der zum damaligen Zeitpunkt unzureichenden Tagesbetreuung von Kindern beschloss die schwarz-gelbe Koalition 2011 als "Anerkennungs- und Unterstützungsleistung" von 2013 an ein "Betreuungsgeld" von 100 Euro monatlich für Kinder im zweiten Lebensjahr und ab 2014 von 150 Euro für Kinder von zwei und drei Jahren zu zahlen, wenn Eltern ihre Kinder nicht in Kindergärten o.ä. betreuen lassen. Das Betreuungsgeld ist nach wie vor heftig umstritten. Seit dem 1. August 2013 können es Eltern erhalten, deren Kind ab dem 1. August 2012 geboren wurde, und die für ihr Kind keine Leistung nach § 24 Abs. 2 SGB VIII (frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege) in Anspruch nehmen. Von August bis Dezember 2013 erhielten knapp 65.000 Menschen das gerade eingeführte Betreuungsgeld.

Befürworter des Betreuungsgeldes betonen vor allem die Wahlfreiheit, die Eltern in Sachen Kinderbetreuung gelassen wird. Sie sollen frei entscheiden können, ob sie ihr Kind privat betreuen oder das Angebot einer öffentlichen Betreuungseinrichtung oder einer Tagespflegeperson in Anspruch nehmen. Den unterschiedlichen Bedürfnissen von Familien könne damit Rechnung getragen werden.

Dem entgegen steht eine große Zahl kritischer Meinungen. Steuergeld für Eltern, die auf staatliche Kinderbetreuung verzichteten, sei als eine Art Entschädigung für den Verzicht auf eine öffentliche Leistung verfassungsrechtlich bedenklich. Während verlangt werde, das Betreuungsgeld mit anderen Sozialleistungen zu verrechnen, dürften nur existenzsichernde Leistungen miteinander verrechnet werden. Durch das Betreuungsgeld werde der Einkommensunterschied zwischen Beschäftigung und Nichtbeschäftigung verringert, was zu dem Fehlanreiz führen könnte, dass vor allem Mütter mit niedrigen Einkommen ihre Berufstätigkeit aufgeben. Das Betreuungsgeld würde damit dem Grundsatz der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegenstehen. Viele Migrantenkinder würden nicht mehr frühzeitig in eine Kindertagesbetreuung gebracht werden, wenn ihre Eltern staatliches Betreuungsgeld erhielten. Studien zeigen, dass vor allem sie von einer qualitativ hochwertigen außerhäuslichen Betreuung profitieren. Unklar ist auch, welche und wie viele Familien aus der Grundsicherung nach SGB II fallen könnten. Die Kritik wird also frauenpolitisch, bildungspolitisch und integrationspolitisch begründet. Man solle die Kosten lieber in mehr und bessere Kinderbetreuung stecken.

Finnland hatte als erstes Land 1985 ein Betreuungsgeld für daheim erziehende Eltern eingeführt, welches gegenwärtig bei 500 Euro liegt. Ein Drittel nutzte die Leistung voll, fast jede Familie zeitweise. Die Praxis zeigte, dass das Geld meist für selbst organisierte Betreuung verwendet wurde, da Teilzeitarbeit in Finnland knapp ist. Anders in Norwegen, das seit 1998 diese Leistung bot. Mit der nahezu vollständigen Versorgung mit öffentlicher Kinderbetreuung ging das zunächst große Interesse zurück. Außerdem zeigte sich, dass vor allem die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Migrationshintergrund zurückging. Mittlerweile denkt man daran, das Betreuungsgeld wieder abzuschaffen.

Im aktuellen Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung findet der Begriff Betreuungsgeld keinerlei Erwähnung. So ist davon auszugehen, dass es in dieser Legislaturperiode trotz kritischer Stimmen aus allen Parteien keine Änderungen an der bestehenden Regelung geben wird.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Von den 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden 1,18 Millionen allein durch Angehörige gepflegt. Hinzu kommen weitere fast 600.000 Menschen, die ebenfalls zu Hause versorgt werden und deren Pflege Angehörige und ambulante Pflegedienste gemeinsam übernehmen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren weiterhin stark zunehmen. Schätzungen gehen von bis zu einer Million zusätzlicher Pflegebedürftiger bis 2020 aus. Die meisten Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen sehen in der häuslichen Pflege für sich die beste Alternative.

Jedoch muss auch hier die Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit gewährleistet sein, schließlich befindet sich ein Großteil der Hauptpflegepersonen noch im erwerbsfähigen Alter. Hierzu muss eine noch stärkere Zusammenarbeit und Vernetzung von privaten Pflegepersonen und professionellen ambulanten Pflegediensten erfolgen. Außerdem ist es auch Aufgabe der Arbeitgeber, entsprechende Freistellungen und flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen. In Bezug auf Arbeitsbedingungen in den Betrieben und Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse von Personen mit Fürsorgeaufgaben, unterscheidet sich die Situationen von pflegenden Angehörigen kaum von der Situation von Eltern mit kleinen Kindern. Zudem ist es keine Seltenheit, dass pflegende Angehörige gleichzeitig noch Kinder im Haushalt haben, die versorgt werden müssen und sie somit einer Doppelbelastung ausgesetzt sind.

Seit Einführung des Pflegezeitgesetzes 2008 haben Arbeitnehmer den Anspruch, sich für einen begrenzten Zeitraum ohne Entgeltfortzahlung zur Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen von der Arbeit freistellen zu lassen oder in Teilzeit zu arbeiten. Die Dauer der Pflegezeit kann maximal sechs Monate betragen. Für einen darüber hinausgehenden Zeitraum kann die Familienpflegezeit in Anspruch genommen werden. Dabei kann die wöchentliche Arbeitszeit über einen Zeitraum von höchstens zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden reduziert werden. Es soll dabei aber nicht zu einem entsprechend hohen Verdienstausfall kommen.

Anreize für die Arbeitgeber wurden in Form eines Entgeltvorschusses gesetzt, der über ein zinsloses Bundesdarlehen refinanziert werden kann. Wird zum Beispiel die Arbeitszeit in der Pflegephase auf 50 Prozent reduziert, erhalten die Beschäftigten weiterhin 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Zum Ausgleich müssen sie im Anschluss an die Pflegephase wieder voll arbeiten, bekommen in diesem Fall aber weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts. Auf die Ausübung von Familienpflegezeit haben pflegende Angehörige allerdings keinen Rechtsanspruch; es handelt sich um eine Kannbestimmung.

Quellentext

Aus dem Koalitionsvertrag CDU, CSU und SPD

Wir werden die Möglichkeiten des Pflegezeit- und Familienpflegezeitgesetzes unter einem Dach mit Rechtsanspruch zusammenführen und weiterentwickeln, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf besser zu unterstützen. Die zehntägige Auszeit für Angehörige, die kurzfristig Zeit für die Organisation einer neuen Pflegesituation benötigen, werden wir aufbauend auf der geltenden gesetzlichen Regelung mit einer Lohnersatzleistung analog Kinderkrankengeld koppeln. Die Hilfen zur Weiterführung des Haushalts wollen wir weiter ausbauen. Wir werden prüfen, ob die Anrechnung von Pflegezeiten in der Rentenversicherung verbessert werden kann.

Flexible Arbeitsbedingungen

Einschulung: Kind mit SchultüteEinschulung: Kind mit Schultüte (© picture-alliance/AP)


Neben den wichtigen Punkten des Ausbaus und der Verbesserung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie der Gestaltung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, müssen auch von unternehmerischer Seite Maßnahmen getroffen werden, um ihren Arbeitnehmern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Dabei sollten vor allem flexible Arbeitszeiten ermöglicht werden, die den unterschiedlichen und variierenden Wünschen und Bedürfnissen von Eltern gerecht werden.

Eine Möglichkeit sind gleitende Arbeitszeiten, damit Eltern diese mit den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen koordinieren können. Außerdem gibt es neben der klassischen Teilzeittätigkeit, mit einer täglichen Arbeitszeit von einigen Stunden am Vormittag, eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten für die Erwerbstätigkeit mit reduzierter Stundenzahl. Ein Beispiel sind egalitäre Modelle, bei denen sowohl Mutter als auch Vater zeitversetzt mit reduzierter Wochenstundenzahl (z.B. jeder 30 Stunden) arbeiten und somit gleichermaßen die Betreuung der Kinder und die Hausarbeit übernehmen und in der kürzeren restlichen Zeit eine externe Betreuung in Anspruch nehmen. Bisher sind Teilzeitangebote, die finanziell attraktiv sind, die Ansprüche an weitere berufliche Qualifikation erfüllen und dennoch eine gute Möglichkeit zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bieten, eher Mangelware. Zudem haben es viele Mütter schwer, nach einer Erwerbsunterbrechung wieder ohne langfristige berufliche Nachteile in den Beruf zurückzukehren. Möglichkeiten, die Unternehmen bieten können, um es Familien zu erleichtern sind zum Beispiel Teilzeitarbeit, flexible Tages- und Wochenarbeitszeit, Lebens-/Langzeitarbeitszeitkonten, Home Office und interne betriebliche Kinderbetreuungsangebote.

Wichtig ist vor allem auch, dass familienbewusste Arbeitszeitmodelle auch eine Option für Führungskräfte sind und familienbedingte Reduzierungen der Arbeitszeit, Brüche im Erwerbsverlauf oder Probleme beim Wiedereintritt nicht zum Karriereknick führen dürfen. Die große Zahl hochqualifizierter Mütter und Väter sollte von den Unternehmen nicht vernachlässigt werden. Neben den regelmäßigen häuslichen Anforderungen der Arbeitnehmer, können spontan auftretende besondere Situationen entstehen, die natürlich auch eine angemessene Flexibilität und Toleranz des Arbeitgebers erfordern.

Positive Erfahrungen flexibler Arbeitszeitmodelle können innerhalb und zwischen Unternehmen weitergegeben werden, um die Akzeptanz in allen Branchen und Positionen zu erhöhen. Frauen sollten von Unternehmen nicht länger als Risiko betrachtet werden, weil sie Kinder bekommen könnten. Für die Unternehmen selbst können Familienfreundlichkeit und gute Arbeitsbedingungen ein wichtiger Standortfaktor sein und zur eigenen Attraktivität beitragen, vor allem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in einigen Branchen. Dabei spielen auch Faktoren wie geringe Kosten durch eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit, geringe Fluktuation und niedrige Krankenstände eine Rolle.

Reformprogramme

Auch wenn in den letzten Jahren bereits weitreichende Rahmenbedingungen geschaffen wurden, die für viele Familien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon deutlich erleichtert haben, müssen von politischer Seite weitere Anstrengungen unternommen werden, um Familien weiter zu unterstützen.

Mit der Einführung des Elterngeldes 2007 sollte es Eltern erleichtert werden, nach der Geburt eines Kindes vorübergehend auf die Ausübung der Erwerbstätigkeit zu verzichten und mehr Zeit für die Betreuung des Kindes zu haben. Es wird für maximal 14 Monate an Eltern gezahlt. Diese Zeit können Mutter und Vater untereinander aufteilen, wobei ein Elternteil zwischen zwei und zwölf Monaten diese Leistung in Anspruch nehmen kann. Die zwei zusätzlichen Monate erhält man, wenn der andere Elternteil auch mindestens zwei Monate seine berufliche Tätigkeit unterbricht und auch dieses Einkommen wegfällt. Alleinerziehende haben Anspruch auf die vollen 14 Monate Elterngeldbezug. Die Höhe des Elterngeldes bemisst sich am vorherigen Einkommen und ersetzt das Voreinkommen dabei in der Regel zu 65 Prozent.

Laut Elterngeldstatistik des Statistischen Bundesamtes haben über 27 Prozent der Väter von im Jahr 2011 geborenen Kindern Elterngeld in Anspruch genommen. Dies ist bisher der Höchststand seit Einführung des Elterngeldes. Der Anteil von Müttern, die Elterngeld bezogen, lag bei durchschnittlich 95 Prozent. Dabei ist der Regelfall. dass bei Vätern maximal zwei Monate (77 Prozent der Väter) und bei Müttern für ein Jahr (90 Prozent der Mütter) ein Bezug von Elterngeld stattfindet.

Quellentext

ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus

Im März 2014 stellte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig die Eckpunkte für die Reform des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes vor. "Wir setzen mit dem ElterngeldPlus auf einen gesellschaftlichen Trend: Viele Mütter möchten früher wieder in ihren alten Beruf einsteigen – viele Väter möchten sich gerne mehr um ihre Kinder kümmern", erklärte die Ministerin. Eltern wollen also schon während des Bezugs des regulären Elterngeldes mit geringerer Stundenzahl wieder ihrer Arbeit nachgehen.

Das EltengeldPlus könnte dies erleichtern, in dem aufgrund der Teilzeitbeschäftigung das Elterngeld in geringerer Höhe aber für einen längeren Zeitraum gezahlt wird. So könne trotzdem das volle Elterngeldbudget ausgeschöpft werden. Wenn sich beide Elternteile entscheiden, jeweils zwischen 25 und 30 Stunden in der Woche zu arbeiten, erhielten sie als Partnerschaftsbonus zusätzlich vier weitere ElterngeldPlus-Monate. Damit soll der Nachteil ausgeglichen werden, den Eltern haben, die wieder früh in den Beruf einsteigen. Sie würden andernfalls einen Teil ihres Elterngeldanspruchs verlieren.

Quelle: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig stellt Eckpunkte des ElterngeldPlus vor

Noch recht unterentwickelt ist der Bereich der familienunterstützenden und haushaltsnahen Dienstleistungen, obwohl sich viele Familien Hilfe im Haushalt wünschen. Sie werden bisher nur von sehr wenigen Familien legal und regelmäßig in Anspruch genommen, dabei könnten sie Familien unterstützen und vor allem Frauen im Haushalt entlasten und ihnen den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern.

Im achten Familienbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird aus Sicht der Familien eine Reihe von Gründen genannt, die der Inanspruchnahme von Diensten Dritter entgegenstehen. Demnach schließen viele Familien Hilfe im Haushalt prinzipiell gar nicht aus, sie überschätzten allerdings die damit verbundenen Kosten und unterschätzten die entstehende zeitliche Entlastung. Weitere Gründe, die genannt werden sind ein unangenehmes Gefühl bei der Beschäftigung anderer Personen, zeitlicher und bürokratischer Aufwand, Sicherheitsbedenken und mangelnde Qualität der erbrachten Dienstleistung. Im aktuellen Koalitionsvertrag heißt es dazu: "Wir werden eine Dienstleistungsplattform aufbauen, auf der legale gewerbliche Anbieter haushaltsnaher familienunterstützender Dienstleistungen für Familien und ältere Menschen leicht zu finden und in Anspruch zu nehmen sind."

Der achte Familienbericht des BMFSFJ trägt den Titel "Zeit für Familie – Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik". Darin wird Zeit als wichtiger Bestandteil von Lebensqualität bezeichnet – vor allem für Familien. Das Ziel muss es sein, "effizientere gesellschaftliche Zeitstrukturen zu schaffen und dadurch zusätzliche Zeitreserven für Familien zu erschließen".

Quellentext

Aus dem Koalitionsvertrag CDU, CSU und SPD

Familien brauchen Zeit füreinander. Deshalb machen wir uns stark für eine moderne lebenslauforientierte Zeitpolitik, die Frauen und Männer dabei unterstützt, Beruf, Familie und Engagement zu vereinbaren. Wir wollen Familien wieder zum Taktgeber des Lebens machen: Arbeitgeber, Betreuungseinrichtungen, Schulen, Ämter und Behörden, Dienstleistungsanbieter und Verkehrsbetriebe sollen die zeitlichen Bedürfnisse von Familien besser berücksichtigen und ihre Öffnungs- und Sprechzeiten aufeinander abstimmen. Zeitpolitik befördert wesentlich Wahlfreiheit und ein partnerschaftliches Zusammenleben in Familien.

Im achten Familienbericht werden zwei Dimensionen der Zeitpolitik genannt. Zum einen Zeitressourcen und Zeitorganisation von Familien im Alltag. Dazu gehöre etwa die Synchronisation von Öffnungs-, Arbeits- und Ferienzeiten. Zum anderen Zeitknappheit und Zeitkonflikte in bestimmten Phasen des Lebensverlaufs, z.B. die Familiengründung oder ein Zeitraum der Pflege eines Angehörigen. Oberstes Ziel familienpolitischen Handelns sei die Wahlfreiheit der Lebensführung. Um dies zu erreichen, gebe es vier konkrete Handlungsfelder:
  • Erhöhung individueller Zeitsouveränität
  • Umverteilung von Zeit zwischen Personen und im Lebensverlauf
  • Verbesserung der Synchronisation disponibler Zeit (z.B. Arbeitszeiten und Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen)
  • Stärkung der Zeitkompetenz durch zielgerichtete Nutzung von Zeit Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Thema, das unter Arbeitnehmervertretern genauso positiv beurteilt wird wie unter Vertretern von Arbeitgebern. Auch unter den politischen Parteien herrscht Einigkeit darüber, dass Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Baustein für die Zukunft sind. Familien, Unternehmen und Politik müssen dafür allesamt Anstrengungen unternehmen, können aber in Folge dessen auch davon profitieren.

Quellentext

Michael Sommer

Von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen profitieren alle Beteiligten. Zufriedene und motivierte Beschäftigte, die ihrem Unternehmen treu bleiben, zahlen sich auch für die Unternehmen aus. Nun kommt es darauf an, diese Grundsätze in der betrieblichen Wirklichkeit mit Leben zu erfüllen.

Quellentext

Eric Schweitzer

Was wir brauchen, sind passende Lösungen im Betrieb, die es schaffen, Familien- und Berufsleben besser zu vereinbaren – und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen.

Quelle: Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Gemeinsame Pressemeldung des DIHK und des BMFSFJ vom 07.04.2014

Arbeitgeber sehen ihren Beitrag zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hauptsächlich darin, Arbeitszeiten flexibler zu gestalten und Kontakt zu Mitarbeitern in Elternzeit zu halten. Weitere Maßnahmen, die von ihrer Seite umsetzbar sind, sind eine Flexibilisierung des Arbeitsortes und die Unterstützung bei der Kinderbetreuung durch betriebliche Angebote. Sie sehen aber auch weiterhin die Politik in der Pflicht, z. B. beim weiteren Ausbau der Kinderbetreuung sowie einem Abbau von Bürokratie bei der Schaffung betrieblicher Betreuungsangebote.

Zum Weiterlesen

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Siebter Familienbericht.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Achter Familienbericht.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familienpflegezeit

Literatur

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2013): Informationen zum Betreuungsgeld. Berlin.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2006): Erwartungen an einen familienfreundlichen Betrieb. Erste Auswertung einer repräsentativen Befragung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Kindern oder Pflegeaufgaben. Berlin.

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (2007): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Sicht der Unternehmen. Berlin/Brüssel.

Ellingsæter, Anne Lise (2012): Betreuungsgeld. Erfahrungen aus Finnland, Norwegen und Schweden. Berlin.

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