Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

11.8.2014 | Von:
Kathrin Schultheis
Stefan Sell

(Fach-)Hochschulausbildung

Das Studium an (Fach-)Hochschulen hat in Deutschland an Beliebtheit gewonnen. Die steigende Anzahl der Studienanfänger/-innen kann mitunter auf Schulreformen zurückgeführt werden, die durch die Verkürzung der Schulzeit doppelte Abiturjahrgänge verursacht haben. Es gibt also Schuljahre, in denen zwei Abiturjahrgänge die Schule verlassen. Dies stellt auch die (Fach-)Hochschulen vor eine besondere Herausforderung.

Studentinnen und Studenten verfolgen im Anatomie-Hörsaal der Medizinischen Fakultät an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Vorlesung zu Gelenken und Muskeln.Studentinnen und Studenten verfolgen im Anatomie-Hörsaal der Medizinischen Fakultät an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Vorlesung zu Gelenken und Muskeln. (© picture-alliance, ZB)


Das (Fach-)Hochschulstudium

Neben der dualen Berufsausbildung und der Ausbildung im Schulberufssystem ist die (Fach)Hochschulausbildung eine weitere Möglichkeit, um in Anschluss an die Schulzeit einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben. Rund eine halbe Million Erstsemester haben sich 2013 an deutschen (Fach-)Hochschulen eingeschrieben. Insgesamt waren im Wintersemester 2012/2013 rund 2,5 Millionen Studenten immatrikuliert. Sie studieren derzeit an 428 (Fach-)Hochschulen.

Studienanfänger nach Hochschulart

HochschulartStudienjahr1
2010/20112011/20122012/20132013/20142
Universitäten 261.568 308.360 283.869 289.456
Pädagogische Hochschulen 4.902 4.841 4.572 4.407
Theologische Hochschulen 355 427 358 358
Kunsthochschulen 5.805 5.948 6.184 6.071
Fachhochschulen 162.067 188.814 190.209 195.773
Verwaltungsfachhochschulen 9.902 10.358 9.896 10.567
Insgesamt 444.608 518.748 495.088 506.632

1Studienanfänger/-innen im Sommer- und nachfolgenden Wintersemester
2Vorläufige Ergebnisse
Quelle: Statistisches Bundesamt

Deutsche Hochschullandschaft

Bereich2010/2011 2011/2012 2012/2013
Hochschulen insgesamt 415 421 428
Universitäten 106 108 108
Pädagogische Hochschulen 6 6 6
Theologische Hochschulen 16 16 17
Kunsthochschulen 51 51 52
Fachhochschulen 207 201 216
Verwaltungsfachhochschulen 29 29 29

Quelle: Statistisches Bundesamt

Verteilung der Studierenden auf Studienfächer im WS 2012/2013Verteilung der Studierenden auf Studienfächer im WS 2012/2013 (PDF-Icon Grafik als Download 85 KB) (© bpb)
Im Wintersemester 2012/2103 waren insgesamt rund 2,5 Millionen Studierende an den deutschen (Fach-)Hochschulen eingeschrieben, rund ein Drittel von ihnen in einem Studiengang der Rechts- Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Jeweils etwa ein Fünftel entschied sich für ein Studium der Ingenieurwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften oder Mathematik- und Naturwissenschaften.

Neben dem Studium an einer Universität, für das sich jährlich mehr als die Hälfte der Studienanfänger/-innen entscheidet, kann ein Studium auch an einer Fachhochschule absolviert werden. Während die Universitäten traditionell forschungsorientiert und auf die theoretische Ausbildung ihrer Studierenden abzielten, waren es die Fachhochschulen, die eine praxisbezogene Ausbildung anbieten wollten. Diese Unterscheidung trifft aber in zunehmendem Maße nicht mehr zu.

Auch das universitäre Studium stellt umfangreiche Praxisbezüge her, während auch an Fachhochschulen geforscht wird. Mit der Einführung des Bachelor- und Mastersystems ist auch der Wechsel zwischen Universität und Fachhochschule vereinfacht worden. Grundsätzlich sind die Abschlüsse beider Bildungseinrichtungen gleichwertig zu behandeln, die Zugangsvoraussetzungen können jedoch von den (Fach-)Hochschulen selbst festgelegt werden, sodass sich ein Wechsel in der Praxis noch immer schwierig gestalten kann. Fachhochschulen verfügen bisher jedoch über kein eigenen Promotions- und Habilitationsrecht. Dieses Vorrecht der Universitäten wird regelmäßig kritisiert. Das Bundesland Schleswig-Holstein plant derzeit ihren Fachhochschulen das Promotionsrecht zu verleihen. Dort ist man der Ansicht, dass an Fachhochschulen inzwischen ebenso viel Forschung betrieben wird wie an Universitäten.

Exkurs

Duales Studium

Während Studierende regulärer Studiengänge an (Fach-)Hochschulen nicht an Betriebe gebunden sind, sind Studierende dualer Studiengänge vertraglich an Ausbildungsbetriebe gebunden. Das duale Studium ähnelt in seiner Struktur der dualen Berufsausbildung. Die Studierenden werden an zwei Lernorten, der (Fach-)Hochschule und dem Ausbildungsbetrieb ausgebildet. Neben dem Studienabschluss erwerben sie im ausbildungsintegrierenden Studienmodell durch die praktische Ausbildung einen Berufsabschluss.

Das ausbildungsintegrierende Studienmodell verläuft in der Regel nach drei unterschiedlichen Organisationsstrukturen. Das integrierte Modell ähnelt dem dualen Berufsausbildungssystem. Die Lernorte Hochschule und Betrieb werden an unterschiedlichen Tagen der Woche im Wechsel aufgesucht. Das Blockmodell kann ebenfalls sowohl in der dualen Berufsausbildung als auch im dualen Studium identifiziert werden: Längere Praxisphasen und längere theoretische Ausbildungsphasen ("Blöcke") wechseln sich ab. In beiden Modellen werden die vorlesungsfreien Zeiten analog zu den Ferienzeiten der dualen Auszubildenden für längere Praxisphasen im Ausbildungsbetrieb genutzt. Als drittes Organisationsmodell ist das teilseparierte Modell zu nennen. Wird das duale Studium nach diesem Modell durchgeführt, so werden die theoretischen und praktischen Ausbildungsinhalte getrennt voneinander in sehr langen Phasen vermittelt. So kann zum Beispiel das erste Ausbildungsjahr ausschließlich am Lernort Hochschule theoretische Kenntnisse vermitteln und das zweite Ausbildungsjahr am Lernort Betrieb die praktische Ausbildung beinhalten. Die Studierenden in ausbildungsintegrierenden dualen Studiengängen sind während der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) in den Betrieben praktisch tätig, sodass sie einerseits die gesamte Studienzeit intensiv zu theoretischen und praktischen Ausbildungszwecken nutzen, andererseits die Inhalte der integrierten Berufsausbildungsbildung in einem stark verkürzten Zeitraum erlernen müssen.

In einem praxisintegrierenden Studiengang wird die theoretische Ausbildung an den (Fach-)Hochschulen durch längere Praxisphasen in den Unternehmen (beispielsweise in der Vorlesungsfreien Zeit) ergänzt. Die Studierenden erhalten so eine Betriebsanbindung. Die dualen Studierenden erhalten durch ihren Ausbildungsbetrieb eine Ausbildungsvergütung, die auch während der Theoriephasen geleistet wird. Aufgrund der hohen Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe verpflichten diese ihre Studierenden häufig, im Anschluss an den Studienabschluss für eine vertraglich festgelegte Mindestdauer beim Ausbildungsbetrieb tätig zu sein. Alternativ sind die Ausbildungskosten (anteilig) zu erstatten. (Fach-)Hochschulen öffnen sich zunehmend für Kooperationen mit Betrieben. Die Datenbank AusbildungPlus des BIBB verzeichnet 2012 537 duale Studiengänge an Fachhochschulen, 206 an sonstigen Hochschulen, 137 an Berufsakademien und 30 Studiengänge an Universitäten. An Universitäten werden Studierende dualer Studiengänge häufig in die regulären Bachelor-Studiengänge integriert, was die niedrige Zahl der dualen Studienangebote an Universitäten relativiert. Wie eine Studie des IAQ von Krone und Mill (2012) zeigt, wird das duale Studium vorrangig von männlichen jungen Erwachsenen nachgefragt, deren Eltern über keine akademische Ausbildung verfügen. Dennoch handelt sich dabei keineswegs um eine Zielgruppe, die ohne das Angebot dualer Studiengänge an den Hochschulen absent bliebe, sondern um Abiturienten, die alternativ ein Studium in Regelform begonnen hätten. Die Nachfrage nach dualen Studiengängen ist in der Vergangenheit dennoch rapide angestiegen.

Sirikit Krone, Wissenschaftlerin am Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), fand in einer Studie her-aus, dass der überwiegende Anteil (rund 60 %) der dualen Studiengänge im naturwissenschaftlichen Bereich liegt und stellte fest, dass das Angebotsspektrum sich zunehmend erweitert und vermehrt Studiengänge in den Bereichen Gesundheitswesen und Pädagogik angeboten werden. Die Betriebe erhoffen sich durch die Investition in duale Studiengänge eine frühzeitige Fachkräfteanbindung. Zu-dem können gerade hochspezialisierte Unternehmen die Kenntnisse ihrer zukünftigen Fachkräfte bereits frühzeitig beeinflussen.


1999 beschlossen 29 europäische Staaten im Rahmen einer gemeinsamen Erklärung ihrer Bildungsminister, einen europäischen Hochschulraum schaffen zu wollen. Diese Erklärung stellt, gemeinsam mit der Sorbonne-Erklärung aus dem Jahr 1998 und der Magna Charta Universitatum aus dem Jahr 1988, den Start des sogenannten Bologna-Prozesses dar, der die europäische Hochschullandschaft in den darauffolgenden Jahren entscheidend veränderte. Ziel war es vor allem, eine internationale Vergleichbarkeit der Hochschulabschlüsse zu erreichen. Dies sollte durch die Einführung von Diploma Supplements (Diplomzusätze) der Vereinheitlichung der Studienabschlüsse durch Bachelor- und Masterstudiengänge, der Einführung eines Leistungspunktesystems für Studierende, der Förderung der Mobilität von Studierenden und der europäischen Zusammenarbeit der Universitäten erreicht werden.

Sukzessive stellten (Fach-)Hochschulen auch in Deutschland die Studiengänge, die bis dahin mit einem Diplom- oder Magisterabschluss endeten auf ein zweigeteiltes Studiensystem um, das nach (überwiegend) dreijähriger Studienzeit zu einem ersten qualifizierten Studienabschluss (Bachelor) und nach weiterer (meist) zweijähriger Studienzeit zu einem höherwertigen Abschluss (Master) führt. Der Masterstudiengang bietet dabei eine Vertiefung der im Bachelorstudium erworbenen Kenntnisse (kon-sekutiver Masterstudiengang), kann aber auch einen anderen Bereich umfassen (nicht-konsekutiver Masterstudiengang). Das für einen Studiengang empfohlene Arbeitsvolumen wurde angelehnt an eine Vollzeiterwerbstätigkeit mit 30 Creditpoints (CP) pro Semester von der deutschen Hochschulrektorenkonferenz festgelegt, wobei ein CP 30 Stunden Arbeit entspricht. Pro Semester wird der Erwerb von ca. 30 CP vorausgesetzt, sodass ein Bachelorstudiengang zumeist mit 180 CP abgeschlossen werden kann und ein Masterstudiengang mit 120 CP. Dies entspricht lediglich einer Faustregel, Abweichungen von dieser Regelung sind nicht unüblich und in einigen Studienfächern weit verbreitet.


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