Arbeitsmarktpolitik Dossierbild
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11.8.2014 | Von:
Frank Oschmiansky
Kathrin Schultheis
Stefan Sell

Förderung der Berufsausbildung

Eine erste qualifizierte Berufsausbildung wird für den Arbeitsmarkt immer wichtiger, da zunehmend mehr Arbeitsplätze für ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte wegfallen. Das Arbeitsförderungsrecht (SGB III) sieht deshalb vielfältige Möglichkeiten zur Förderung von jungen Menschen vor, die eine Ausbildung anstreben.

Jugendliche im Berufsinformationszentrum BIZ der Agentur für Arbeit in HannoverJugendliche im Berufsinformationszentrum BIZ der Agentur für Arbeit in Hannover (© picture-alliance/dpa)


Historie

Nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) können Maßnahmen zum Übergang von der Schule in den Beruf, zur Berufsvorbereitung und zur Berufsausbildung unterschieden werden. Zudem werden die Ausbildungsstellenvermittlung, die im Kapitel "Ausbildungsvermittlung" erläutert wird und die finanzielle Förderung der Berufsausbildung durch die Arbeitsverwaltung angeboten.

Berufsberatung ist an der Schnittstelle zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem angesiedelt. Während die Berufsberatung in anderen Staaten enger an das Bildungssystem angekoppelt ist, wurde sie in Deutschland der Arbeitsverwaltung übertragen. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater bemühen sich jedoch um eine enge Kooperation mit den allgemeinbildenden Schulen, um Schülerinnen und Schüler frühzeitig bei der beruflichen Orientierung und der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz unterstützen zu können.

Die Berufsberatung entstand im Zuge des Mitte der 1890er Jahre einsetzenden Wirtschaftsbooms. Jugendliche Schulabgänger zogen es vor, sofort als ungelernte Arbeitskräfte Geld zu verdienen, anstatt eine Lehre anzutreten. Daher setzte in den Handwerksberufen ein starker Nachwuchsmangel ein. Der entscheidende Impuls zur Fortentwicklung der Lehrstellenvermittlung in Richtung Berufsberatung ging jedoch von den Bemühungen der bürgerlichen Frauenbewegung aus, um höheren Töchtern eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Daneben trieb vor allem die für die Jugendpflege zuständige "Zentralstelle für Volkswohlfahrt" die Entwicklung der Berufsberatung voran. Der von ihr gegründete "Deutsche Ausschuss für Berufsberatung" schlug den Aufbau einer öffentlichen Berufsberatung vor, die die Jugendlichen nach Eignung und Interesse und unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes ins Berufsleben eingliedern sollte.

Dieser Grundsatz ist für die Berufsberatung auch heute noch bestimmend. Im entsprechenden Gesetzestext des SGB III heißt es daher: "Die Agentur für Arbeit hat durch Vermittlung darauf hinzuwirken, dass Ausbildungsuchende eine Ausbildungsstelle, Arbeitsuchende eine Arbeitsstelle und Arbeitgeber geeignete Auszubildende sowie geeignete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten. Sie hat dabei die Neigung, Eignung und Leistungsfähigkeit der Ausbildungsuchenden und Arbeitsuchenden sowie die Anforderungen der angebotenen Stellen zu berücksichtigen." (§ 35 Abs. 2 SGB III).

Der erste Weltkrieg gab der Berufsberatung wichtige Impulse im Hinblick auf ihre institutionelle Verankerung. Durch den Arbeitskräftemangel während des Krieges war der Lehrstellenmarkt zusammengebrochen. Richtungsweisend war eine bayerische Verordnung, nachdem Berufsberatungsstellen den Arbeitsämtern zugeordnet werden sollten.

Nach Kriegsende wurde den Ländern die Möglichkeit eröffnet, in ihren Städten und Gemeinden eine öffentliche Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung einzuführen. Die Regierungen in Preußen, Württemberg und Thüringen wiesen ihre Arbeitsämter (die damals überwiegend noch Arbeitsnachweis hießen) an, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung mit den Aufgaben der Arbeitsämter zu verbinden.

Im Jahr 1923 erließ die Reichsarbeitsverwaltung allgemeine Grundsätze für die Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung innerhalb wie außerhalb der Zuständigkeit der Arbeitsämter:
  • Orientierung an Eignung und Neigung der Ratsuchenden,
  • Unparteilichkeit in der Beratung und Vermittlung und
  • Berücksichtigung der allgemeinen Lage auf dem Arbeitsmarkt.
Innerhalb der Arbeitsämter sollten Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung räumlich und organisatorisch eng verknüpft sein.

Mit dem im Oktober 1927 in Kraft getretenen Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (AVAVG) wurde der neuen Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung die Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung als gleichberechtigte Pflichtaufgaben neben Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung übertragen. Die Grundsätze aus dem Jahr 1923 blieben weitgehend erhalten. Ergänzend kam hinzu, dass die Berufsberatung unentgeltlich zu sein hatte und weibliche Ratsuchende möglichst von Frauen in besonderen Abteilungen betreut werden sollten.

In der Zeit des Nationalsozialismus mutierten Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung zur "Berufsnachwuchslenkung". Die Berufsberatung wurde zu einem Instrument, um junge Menschen in Mangelberufe zu dirigieren. Zudem kooperierte die Reichsanstalt auf dem Gebiet der Berufsberatung eng mit der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel.

Erst das Grundgesetz beendete die Praxis der "Berufsnachwuchslenkung" und griff wieder auf die demokratischen Wurzeln aus der Weimarer Zeit zurück. Die 1952 gegründete "Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung" wurde fortan zum Träger der Berufsberatung. Zu den wichtigsten Aufgaben der neuen Bundesanstalt gehörte zunächst die Finanzierung von Ausbildungsmaßnahmen als Ersatz für fehlende Lehrstellen.

Im Jahr 1957 wurden Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in einer Gesetzesnovelle gleichberechtigt auf eine Stufe gestellt. Die gesetzliche Neufassung definierte Berufsberatung als "jede Erteilung von Rat und Auskunft in Fragen der Berufswahl" und die zu ihren Aufgaben zählende Lehrstellenvermittlung als "jede Tätigkeit, die auf das Zustandekommen von beruflichen Ausbildungsverhältnissen gerichtet ist". Die Aufgaben der Bundesanstalt wurden um die Berufsaufklärung erweitert, die der Berufsberatung vorangehen und sie vorbereiten sollen. Berufsaufklärung bedeutete ein allgemeinverständliches Unterrichten und Interessieren von Einzelpersonen, Personengruppen (Schülergruppen, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern) oder der Öffentlichkeit über Aufgaben, Bedeutung, Anforderungen, Ausbildungsgang, Verdienstmöglichkeiten, Aussichten und Entwicklung von Berufen. Zugleich wurde das Alleinrecht der Bundesanstalt auf die Berufsberatung bestätigt.

Das Arbeitsförderungsgesetz (AFG) von 1969 schuf eine neue rechtliche Grundlage für die Berufsberatung. Es wertete die Berufsaufklärung (ab 1977 Berufsorientierung genannt) deutlich auf und erhob sie in den Rang einer eigenständigen Fachaufgabe. Die Berufswahl wurde nicht mehr als einmalige Entscheidung verstanden, sondern als ein längerer Prozess, der von Anfang bis Ende vom Arbeitsamt begleitet werden sollte. Diese Konzeption kann als Reaktion auf den Strukturwandel der Wirtschaft, auf Rationalisierung und Automatisierung verstanden werden. Für die Durchführung von Berufsaufklärung, Berufsberatung und Vermittlung in berufliche Ausbildungsstellen schrieb das AFG der Bundesanstalt eine enge Zusammenarbeit mit den "Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung" vor. Die Regelung, dass Beratung und Vermittlung von Frauen durch Frauen auszuüben sei, wurde aufgegeben, da eher Nachteile für die Frauen bei einer Trennung der Ratsuchenden nach Geschlechtern befürchtet wurden. Begutachtungen und Untersuchungen des Ärztlichen Dienstes und des zu Beginn der 1950er Jahre eingerichteten und der Berufsberatung organisatorisch angeschlossenen Psychologischen Dienstes wurden im AFG erstmals gesetzlich verankert.

In der ehemaligen DDR entwickelte sich die Berufsberatung anders, sie wurde den Betrieben übertragen. Die Betriebe sollten eigenständig Auszubildende entsprechend ihrem Fachkräftebedarf ausbilden. Um interessierte Schülerinnen und Schüler anzuwerben, bildeten die Betriebe Kommissionen, die in den Schulen ausgewählte Berufe vorstellten und bewarben. Die neue Verfassung der DDR, die am 6. April 1968 in Kraft trat, sah für alle Jugendlichen das Recht und die Pflicht zur Aufnahme einer Berufsausbildung vor. Die neuen polytechnischen Oberschulen richteten ihren Unterricht in Teilen bereits auf die Arbeitswelt aus. In den 1970er und 1980er Jahren wurden dann staatliche Stellen zur Berufsberatung eingeführt und auch Studienberatung angeboten. Berufsberatung wurde von staatlichen Stellen stets im Hinblick auf den Fachkräftebedarf durchgeführt.

Mit dem Übergang vom AFG zum SGB III zu Beginn des Jahres 1998 wurden die Aufgabenfelder "Beratung und Vermittlung" neu definiert. Zur Beratung gehören neben Berufsberatung auch Eignungsfeststellung, Berufsorientierung und Arbeitsmarktberatung. Unter "Berufsberatung" versteht das SGB III die Erteilung von Auskunft und Rat zur Berufswahl, beruflichen Entwicklung und zum Berufswechsel, zur Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Berufe, zu den Möglichkeiten der beruflichen Bildung, zur Ausbildungs- und Arbeitsstellensuche und zu Leistungen der Arbeitsförderung. Die Berufsberatung erstreckt sich auch auf die Erteilung von Auskunft und Rat zu den Fragen der Ausbildungsförderung und der schulischen Bildung, soweit sie für die Berufswahl und die berufliche Bildung von Bedeutung sind (§ 30 SGB III).

Berufsberatung und Berufsorientierung heute

Die Bundesagentur für Arbeit – neben zum Teil vielen anderen Akteuren - unterstützt die Jugendlichen schon während der Schulzeit bei der Berufswahl. Berufsorientierung gibt es dabei als schulisches und außerschulisches Angebot. Neben Gruppeninformationen an den Schulen, Besuchen im Berufsinformationszentrum (BIZ) und individuellen Beratungsgesprächen bietet die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein breites Spektrum an berufskundlichen Medien, Eignungstests und Informationen rund um die Bewerbung an. Zahlreiche Informationsangebote für Eltern und Lehrer sowie Vorträge und Workshops ergänzen die Palette.

Kernstück der Berufsberatung ist das persönliche Gespräch mit den Jugendlichen. Im Mittelpunkt der Beratungsgespräche stehen zum einen die Neigungen, Interessen, Fähigkeiten und Leistungen der Jugendlichen. Zum anderen informieren die Berater/-innen über Ausbildungsberufe und Studiengänge, stellen auch weniger bekannte Alternativen vor und beraten über Chancen und Risiken auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Noch immer ist es nämlich nur eine geringe Anzahl von unterschiedlichen Berufen, die auf dem "Wunschzettel" der Ausbildungsstellensuchenden steht.

Vermittlungswünsche der Ausbildungsstellensuchenden 2012/13, nach Geschlecht

Top 10 Frauen Top 10 Männer
1.Medizinische FachangestellteKFZ-Mechatroniker – PKW-Technik
2. Bürokauffrau Kaufmann im Einzelhandel
3.Verkäuferin Industriemechaniker
4.Kauffrau im Einzelhandel Verkäufer
5.Industriekauffrau Bürokaufmann
6. Friseurin Industriekaufmann
7.Zahnmedizinische Fachangestellte Tischler
8. Kauffrau für Bürokommunikation Fachkraft für Lagerlogistik
9. Bankkauffrau Fachlagerist
10. Hotelfachfrau Mechatroniker

Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2013

Unbesetzt bleiben häufig Ausbildungsstellen im Bereich Lebensmittelhandwerk wie Koch/Köchin, Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk, Bäcker/-in, Fleischer/-in und Stellen im Gastgewerbe.

Für einen Teil der Jugendlichen ist die "erste Schwelle" von der Schule in einen Ausbildungsplatz eine hohe Hürde. Vor allem, wenn die Schulnoten schlecht oder die Sprachkenntnisse nicht ausreichend sind, gelingt der Wechsel von der Schule in die Berufsausbildung nur mit großen Schwierigkeiten. Deshalb richtet die BA besonderes Augenmerk auf Schul- und Ausbildungsabbrecher, Jugendliche mit Migrationshintergrund, sozial Benachteiligte, behinderte Jugendliche, Rehabilitanden und Jugendliche, die schon in früheren Jahren vergeblich eine Ausbildungsstelle gesucht haben. Die Jugendlichen können bei Bedarf mit Fördermaßnahmen unterstützt werden. Einige Förderinstrumente werden im Folgenden kurz beschrieben. Fördermaßnahmen der BA richten sich überwiegend an Jugendliche, die als "nicht ausbildungsreif" gelten. Im Gesetzestext ist diesbezüglich von besonders förderungsbedürftigen jungen Menschen die Rede. Der Begriff der Ausbildungsreife ist umstritten, wie an dieser Stelle nachgelesen werden kann.

Fördermaßnahmen/-programme

Die Maßnahmen zur Berufswahl nach dem SGB III sind in §§ 48 ff. SGB III geregelt. Sie gliedern sich in Maßnahmen zum Übergang von der Schule in den Beruf (§§ 48 f. SGB III), Maßnahmen zur Berufsvorbereitung (§§ 51 ff.) und ausbildungsbegleitende Maßnahmen (§ 73 ff.). Die Maßnahmen sind teilweise dem Übergangssystem zuzurechnen, welches hier vorgestellt wird.

Maßnahmen zur Berufsorientierung nach § 48 SGB III sollen Jugendlichen, die noch keine Entscheidung über ihre Berufswahl getroffen haben, eine vertiefte Berufsorientierung ermöglichen. Die BA beteiligt sich an den Kosten für Maßnahmen zur Berufsorientierung hälftig. Die andere Hälfte der Kosten wird von Dritten, zum Beispiel Schulen oder Bildungsträgern getragen. Die Teilnahme an Maßnahmen der Berufsorientierung ist für die Jugendlichen kostenfrei.

Um besonders förderungsbedürftigen jungen Menschen den Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung zu erleichtern, können zudem Berufseinstiegsbegleiter/-innen eingesetzt werden (§ 49 SGB III). Die Berufseinstiegsbegleitung hat zum Ziel, die Chancen leistungsschwächerer Schüler/-innen auf Integration in den Ausbildungsmarkt zu erhöhen. Sie basiert auf dem Konzept der frühzeitigen und lückenlosen Begleitung durch professionelle, berufs- und lebenserfahrene Ausbildungspaten. Das Angebot umfasst die Zeit von der Vorabgangsklasse bis zur Einmündung in die Ausbildung. Es endet ein halbes Jahr nach Ausbildungsbeginn, spätestens aber 24 Monate nach Beendigung der allgemeinbildenden Schule. Dieses Arrangement soll den Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Jugendlichen und Paten ermöglichen, auf dessen Grundlage die Paten Unterstützung bei allen Stationen des Berufsfindungs- und Einmündungsprozesses leisten (Berufsorientierung, Berufswahl, Ausbildungsbefähigung, Bewerbungsprozess, Ausbildungsbeginn).

Ein zentrales Förderinstrument nach dem SGB III sind Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) (§ 51 ff. SGB III). Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen haben die Funktion, die Ausbildungsfähigkeit (Ausbildungsreife) herzustellen oder sie dienen der beruflichen Eingliederung. Eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme kann gefördert werden, wenn sie
  • nicht den Schulgesetzen der Länder unterliegt und
  • nach Ausbildung und Berufserfahrung des Leiters und des Ausbildungs- und Betreuungspersonals, Gestaltung des Lehrplans, Unterrichtsmethode und Güte der zum Einsatz vorgesehenen Lehr- und Lernmittel eine erfolgreiche berufliche Bildung erwarten lässt.
Von der Konzeption her sind BvB eine Mischung aus praktisch-anwendungsbezogenen und theoretischen Elementen. Nach § 53 SGB III haben förderungsbedürftige jungen Menschen das Recht, einen Hauptschulabschluss nachzuholen und durch die Bundesagentur für Arbeit hierzu gefördert zu werden. Die Leistung wird jedoch nur dann erbracht, wenn nicht Dritte eine gleiche Förderung erbringen. Aus diesem Grund können BvB nicht nur zur Erleichterung der beruflichen Eingliederung auch allgemeinbildende Fächer enthalten, sie können auch auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses vorbereiten.

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Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB)

2012 legt die Bundesagentur für Arbeit ein neues Fachkonzept für die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen vor. Die Inhalte von BvB umfassen demnach
  • Berufsorientierung/Berufswahl,
  • berufliche Grundfertigkeiten,
  • betriebliche Qualifizierung,
  • Grundlagenqualifizierung IT- und Medienkompetenz,
  • arbeitsplatzbezogene Einarbeitung,
  • Bewerbungstraining,
  • Sprachförderung,
  • einen allgemeinen Grundlagenbereich und nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses bzw. eines gleichwertigen Schulabschlusses
und weiter
  • Mobilitätstraining,
  • interkulturelles Training,
  • zielgruppenspezifische Angebote (z. B. Frauenförderung) und
  • Gendertraining.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit (2012): Fachkonzept für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen nach §§ 51 ff. SGB III (BvB 1 bis 3) (November 2012)


2007 wurde mit der Einstiegsqualifizierung ein neues Förderinstrument in das SGB III aufgenommen. Sie startete 2004 als Sonderprogramm des Bundes im Rahmen des "Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland". Wesentliches Ziel war die von den Spitzenverbänden der Wirtschaft zugesagte Steigerung der Ausbildungsleistung durch die Einwerbung von 30.000 neuen Ausbildungsplätzen jährlich. Flankiert wurde dieses Ziel durch die Einführung der betrieblichen Einstiegsqualifizierung Jugendlicher. Die Wirtschaftsvertreter verpflichteten sich, für die Dauer des Paktes jährlich 25.000 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung bereitzustellen; die Bundesregierung sagte im Gegenzug zu, den Betrieben die Vergütung der Praktikanten sowie pauschaliert die Sozialversicherungsbeiträge zu erstatten. Die Praktikumsvergütung konnte mit bis zu 192 Euro monatlich zuzüglich des pauschalierten Sozialversicherungsbeitrages gefördert werden. Seit Oktober 2007 werden Einstiegsqualifizierungen durch die Agenturen für Arbeit und die Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende als gesetzliche Regelleistung (§ 54a SGB III) gefördert. Derzeit beträgt die monatliche Förderung 216 Euro zuzüglich der pauschalisierten Sozialversicherungsbeiträge. Die Einstiegsqualifizierung wird für die Dauer von sechs bis zwölf Monaten gefördert. Eine einschlägige Einstiegsqualifizierung kann auf die Berufsausbildung angerechnet werden und ihre Gesamtdauer verkürzen. Ein Rechtsanspruch auf die Anrechnung existiert jedoch nicht.

Förderung der Berufsausbildung für besonders förderungsbedürftige junge Menschen

Jugendliche und junge Erwachsene, die einen besonderen Förderungsbedarf aufweisen, um eine Ausbildungsstelle oder einen Ausbildungsabschluss erreichen zu können, können hierfür eine Förderung durch die Agenturen für Arbeit erhalten. Die Leistungen werden größtenteils den Ausbildungsbetrieben gewährt und insbesondere finanzielle Leistungen überwiegend nicht an die Auszubildenden ausgezahlt. Die Leistungen sind in § 73 ff. SGB III gesetzlich geregelt.

Einen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung können Betriebe erhalten, die behinderte oder schwerbehinderte Menschen ausbilden, die die Ausbildung ohne die Zuschüsse nicht erfolgreich abschließen können. Den Betrieben kann 60 % der Ausbildungsvergütung (80 % bei schwerbehinderten Auszubildenden) zuzüglich eines pauschalierten Beitrags für die Sozialversicherungsbeiträge erstattet werden.

Junge Menschen können während ihrer Berufsausbildung ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) erhalten, wenn der Ausbildungsabschluss gefährdet ist. Nach § 75 SGB III können als ausbildungsbegleitende Hilfen Maßnahmen
  1. zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten,
  2. zur Förderung fachpraktischer und fachtheoretischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten und
  3. zur sozialpädagogischen Begleitung
gewährt werden. Diese Maßnahmen werden zumeist von Bildungsträgern erbracht, deren Kosten nach § 74 SGB III bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen durch die Agentur für Arbeit erstattet werden. Eine klassische Form der abH ist der außerschulische Nachhilfeunterricht für Berufsschüler/-innen.

Eintritte in Maßnahmen der Berufsausbildung 2012, nach GeschlechtEintritte in Maßnahmen der Berufsausbildung 2012, nach Geschlecht (PDF-Icon Grafik zum Download 52 KB) (© bpb)
Wenn Träger junge Menschen in einer außerbetrieblichen Einrichtung ausbilden (Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE)), die Ausbildung also durch Beschäftigte des Trägers durchgeführt wird, weil kein Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb erreicht werden konnte, können die Maßnahmeträger durch die Agenturen für Arbeit eine Kostenerstattung für ihre Maßnahmekosten erhalten (§ 74 SGB III). Es wird ein frühzeitiger Übergang in eine betriebliche Ausbildung, möglichst bereits im ersten Ausbildungsjahr, angestrebt. Gelingt der Übergang nicht, wird die Ausbildung bis zum Abschluss außerbetrieblich fortgeführt. Für die Durchführung erhalten die Bildungsträger die erforderlichen Maßnahmekosten sowie Zuschüsse zu der vom Bildungsträger an die Auszubildenden bezahlte Ausbildungsvergütung.

Finanzielle Förderung für Auszubildende

Entwicklung der finanziellen Förderung zur BerufsausbildungEntwicklung der finanziellen Förderung zur Berufsausbildung (PDF-Icon Grafik zum Download 51 KB) (© bpb)
Auszubildende können, wenn sie an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme teilnehmen, oder eine betriebliche Ausbildung machen, Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) von der Bundesagentur für Arbeit erhalten (§ 56 ff.). Behinderte Auszubildende erhalten analog zur BAB ein Ausbildungsgeld oder Übergangsgeld, wenn sie vor Ausbildungsbeginn bereits sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren und Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben haben (§ 119 ff. SGB III). Auszubildende, die einen schulischen Ausbildungsgang verfolgen, können nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) gefördert werden. Am häufigsten wird die Förderung mit BAB gewährt.

Die gesetzlichen Regelungen und Voraussetzungen zum Erhalt von BAB sind in § 56ff. SGB III geregelt. Dort heißt es:

§

§ 56ff. SGB III

(1) Auszubildende haben Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe während einer Berufsausbildung, wenn
  1. die Berufsausbildung förderungsfähig ist,
  2. sie zum förderungsfähigen Personenkreis gehören und die sonstigen persönlichen Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt sind und
  3. ihnen die erforderlichen Mittel zur Deckung des Bedarfs für den Lebensunterhalt, die Fahrkosten und die sonstigen Aufwendungen (Gesamtbedarf) nicht anderweitig zur Verfügung stehen.
(2) Auszubildende haben Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe während einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme nach § 51.

Eine Berufsausbildung ist förderungsfähig, wenn es sich um eine anerkannte betriebliche Berufsausbildung oder um eine Berufsausbildung nach dem Altenpflegegesetz handelt. Es muss sich zudem um die Erstausbildung handeln, d.h. der Auszubildende darf nicht bereits über einen anerkannten Berufsabschluss verfügen.

Zum förderungsfähigen Personenkreis gehören junge Menschen, wenn sie neben Voraussetzungen, die Staatsangehörigkeit und Wohnsitz betreffen, einen eigenen Haushalt führen und der Ausbildungsort vom elterlichen Haushalt nicht in angemessener Zeit erreicht werden kann (notwendige auswärtige Unterbringung). Zu dieser Regelung gibt es jedoch Ausnahmen: Auszubildende mit eigenem Haushalt können auch ohne notwendige auswärtige Unterbringung BAB erhalten, wenn sie mindestens 18 Jahre alt oder verheiratet (bzw. in einer Lebenspartnerschaft) sind oder wenn sie mit mindestens einem Kind zusammenleben oder wenn sie aus schwerwiegenden sozialen Gründen nicht auf den elterlichen Haushalt verwiesen werden können.

Ob die erforderlichen Mittel zur Deckung des Lebensunterhaltes vorliegen, wird durch die Sachbearbeiter/-innen der BA geprüft, indem sie die Kosten (teilweise Pauschalbeträge) zur Deckung des Lebensunterhaltes ermitteln und das anrechenbare Einkommen des Azubis, seines Ehepartners (bzw. des eingetragenen Lebenspartners) und seiner Eltern aufrechnen. BAB ist eine staatliche Förderung, die vollumfänglich als Zuschuss gezahlt wird. Sie muss also nicht erstattet werden. Teilnehmer/-innen an BvB erhalten BAB ohne Einkommensanrechnung.

Leistungen nach dem BAföG werden hingegen nur für Auszubildende in schulischen Ausbildungsgängen vollumfänglich als Zuschuss geleistet. Studierende erhalten die Hälfte ihrer Leistungen als Darlehen und müssen diese nach dem Studienabschluss zurückzahlen. Wie auch bei BAB wird die Leistung auf Antrag erbracht und individuell anhand von Lebenshaltungskosten und des Einkommens der Auszubildenden/Studierenden, der Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner/-innen und der Eltern ermittelt (§§ 11 ff. BAföG). Für die Förderung mit BAföG gibt es zudem eine Altersgrenze: Nur Auszubildende, die ihre Ausbildung/ihr Studium vor ihrem 30. Geburtstag aufnehmen, können gefördert werden.

Zuständigkeiten

Seit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sind einige Zuständigkeiten für jugendliche erwerbsfähige Hilfebedürftige (Jugendliche im Rechtskreis SGB II) zwischen den Arbeitsagenturen und den Grundsicherungseinrichtungen gesplittet. Berufsorientierung und Berufsberatung ist auch für diese Jugendlichen Aufgabe der Arbeitsagenturen. Im Bereich der Aktivierungsmaßnahmen bzw. Fördermaßnahmen gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten. Die Arbeitsagenturen sind für die Durchführung von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen, die Auszahlung der Berufsausbildungsbeihilfe und sonstigen Leistungen zur Förderung der Berufsausbildung zuständig. Ebenso liegt die Zuständigkeit für die Einstiegsqualifizierung bei der Arbeitsagentur. Dagegen erbringen die Grundsicherungsträger die Leistungen der Benachteiligtenförderung.

Förderprogramme Bund und Länder

Ergänzend zur Regelförderung im Rahmen der Sozialgesetzbücher werden auf Bundesebene unterschiedliche Programme zur beruflichen Eingliederung Jugendlicher umgesetzt. Diese Programme werden von verschiedenen Ressorts initiiert. Aktive Ministerien sind neben dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) insbesondere das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Informationen zu den Programmen finden sich in der Regel auf den Internetseiten der entsprechenden Ministerien. Exemplarisch werden im Folgenden einige Programme kurz erläutert.

Das BMBF fördert u.a. seit 2006 mit dem Programm JOBSTARTER die Ausbildungsstrukturenentwicklung. Ziel des Programmes ist die Förderung innovativer Projekte, in deren Rahmen neue Ausbildungsplätze oder neue oder ausbildungsmüde Betriebe für die Schaffung von Ausbildungsplätzen gewonnen werden sollen. Bis zum Ende der fünften Förderrunde konnten 62.000 Ausbildungsplätze akquiriert und davon 43.000 besetzt werden. Die sechste Förderrunde startet im Herbst 2013.

Das BMAS fördert zum Beispiel im Rahmen des Programms Initiative Inklusion die Teilhabe schwerbehinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Es unterstützt u.a. Programme, die Berufsorientierungsmaßnahmen für schwerbehinderte junge Menschen anbieten und deren Ziel die Gewinnung von Ausbildungsplätzen für schwerbehinderte Menschen in regulären Betrieben ist. Für das Programm "Initiative Inklusion" wurden insgesamt 100 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

Das BMFSJ unterstützt u.a. die Initiative Jugend stärken, die in vier Förderprogramme unterteilt ist. Das Programm ist 2010 in 35 Modellkommunen gestartet. Es zielt darauf ab, benachteiligten Jugendlichen und jungen Migrantinnen und Migranten, die nicht unmittelbar nach ihrem Schulabschluss eine Berufsausbildung beginnen konnten, ein lückenloses Förderprogramm anzubieten und lokale Angebote so zu verzahnen, dass eine zielgerichtete aufeinander aufbauende Förderung der jungen Menschen möglich ist. Zudem ist das Nachholen oder die Aufwertung des Schulabschlusses Ziel der Initiative, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestmögliche Startchancen zu ermöglichen.

Förderprojekte des BMWi zielen überwiegend auf die Förderung von (Ausbildungs-)Betrieben ab. Das BMWi unterstützt beispielsweise im Rahmen des Programms eine passgenaue Vermittlung von Auszubildenden an ausbildungswillige Unternehmen (ab 2014: Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Betriebe bei der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie bei der Integration von ausländischen Fachkräften, bei der Ermittlung des Personalbedarfes und der Erstellung von Bewerberprofilen. Es wirkt außerdem bei der Vermittlung von Auszubildenden an die Betriebe mit, wobei es auch den Ausbildungssuchenden bei der Bewerbung Hilfestellungen gibt.

Förderprogramme der Länder

Neben den bundesweiten Aktivitäten finden sich auf Länderebene weitere Ansätze zur Förderung Jugendlicher und junger Erwachsener.

Hier sind zunächst die verschiedenen schulischen Angebote zu nennen, die sich dem Übergangsbereich von allgemeinbildenden Schulen in eine berufliche Ausbildung oder in ein Studium zuordnen lassen. Dazu zählen das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ). Diese (überwiegend vollzeitschulischen) Angebote verhelfen zu einer Grundbildung, führen jedoch zu keinem Berufsabschluss.

Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ist als Angebot der Landesschulgesetzgebung in allen Bundesländern enthalten. Es findet in der Regel in Vollzeitform statt. Fast die Hälfte der Bundesländer ermöglicht darüber hinaus den Besuch eines BVJ in Teilzeitform. Das BVJ besteht aus einem einjährigen Ausbildungsgang zur Vorbereitung auf die Anforderungen einer beruflichen Ausbildung. Ausgerichtet ist das BVJ mehrheitlich auf Jugendliche ohne Schulabschluss, dieser kann im Rahmen des BVJ nachgeholt werden. In der Regel ist das BVJ ein Pflichtschuljahr für die Jugendlichen, die nach dem Besuch der allgemeinbildenden Schule ihre Berufsschulpflicht noch nicht erfüllt haben und sich in keiner Vollzeitschule und keiner betrieblichen Berufsausbildung befinden.

Jugendliche im Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) erhalten eine stärker berufsfeldbezogene Grundbildung, die den Unterrichtseinheiten der dualen Ausbildung ähnelt. Der schulische, berufsfeldspezifische Unterricht dient neben der Vorbereitung auf eine Erwerbstätigkeit bzw. Ausbildung auch der Auswahl eines späteren Ausbildungsberufes. Das Berufsgrundbildungsjahr ist als Angebot in den Landesschulgesetzen fast aller Bundesländer enthalten, eine Ausnahme bilden Brandenburg, Hamburg und Rheinland-Pfalz, die jedoch teilweise über analoge Konzepte verfügen. Voraussetzung für eine Aufnahme in das BGJ ist in der Regel der Abschluss der allgemeinen Schulpflicht (9 Jahre). Das BGJ wird auch zum "Vervollständigen" der Berufsschulpflichtzeit bis zum 18. Lebensjahr genutzt, abhängig von der durch die Landesgesetzgebung festgelegten Schulpflichtdauer.

Berufsfachschulen sind demgegenüber Bestandteil des beruflichen Ausbildungssystems und zielen deshalb auf die Absolvierung einer beruflichen Ausbildung ab. Sie sind Teil des Schulberufssystems. An den Berufsfachschulen können je nach Qualifikationserfordernis des jeweiligen Berufes, Jugendliche mit unterschiedlichen Schulabschlüssen teilnehmen. Sie bieten teilqualifizierende Bildungsgänge, die einzelne Module der Berufsausbildung in bestimmten Berufsfeldern vermitteln, sowie vollqualifizierende Bildungsgänge, die mit einem Berufsabschluss abgeschlossen werden können.

Auch über ihre Zuständigkeit für Schul- und Bildungspolitik hinaus sind die Länder im Bereich der beruflichen Integration Jugendlicher in Form von speziellen Programmen tätig. Dabei decken die Länder auch in der Breite ein mit der Bundesebene vergleichbares Spektrum an Programmen zur Förderung Jugendlicher ab. Exemplarisch können hier Instrumente zum Aufbau von Strukturen, wie beispielsweise die Förderung der Verbundausbildung oder die Unterstützung von Schülern der Abschlussklassen bei der Auswahl eines Berufes (Berufsorientierung), genannt werden.
Die Förderaktivitäten auf der Länderebene werden maßgeblich durch die Richtlinien der EU zur Verwendung der Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) bestimmt und werden in den operationellen Programmen der Länder unter verschiedenen strategischen Zielsetzungen angesiedelt. Typisches Merkmal der Förderlandschaft auf Länderebene sind zudem Programme, in denen unterschiedliche Maßnahmen zur Eingliederung Jugendlicher in Ausbildung umgesetzt werden. In nahezu allen Ländern finden sich Initiativen wie beispielsweise das "Fit for Work"-Programm in Bayern oder "Berufswahl Richtig Angehen Frühzeitig Orientieren" in Sachsen-Anhalt, die verschiedene Handlungsansätze, welche zu derselben Zielsetzung beitragen, zusammenfassen. Hierunter fallen beispielsweise Ansätze zum Aufbau von Strukturen zur Jugendförderung, die Unterstützung kleinerer und mittelgroßer Unternehmen bei der Ausbildung im Verbund sowie eine verstärkte Ausbildungsberatung. Zudem werden betriebliche Ausbildungsplätze für förderfähige Jugendliche direkt finanziell bezuschusst und die überbetriebliche Ausbildung gefördert.

Einige Länderministerien legen auch Programme auf, die passgenau auf den besonderen länderspezifischen Bedarf zugeschnitten werden. In den Stadtstaaten, die über einen hohen Ausländeranteil verfügen, werden diese Programme zum Beispiel verstärkt auf Jugendliche mit Migrationshintergrund oder junge Arbeitslosengeld II-Empfänger/-innen ausgerichtet. So implementierte das Land Berlin ein Instrument, welches auf die Integration in Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ausgerichtet ist. Dabei sollen der öffentliche Dienst und Unternehmen mit Landesbeteiligung mit gutem Beispiel voran gehen. Viele der neuen Bundesländer verbinden die Programme zur beruflichen Integration von Jugendlichen mit der regionalpolitischen Zielsetzung, der Abwanderung junger Arbeitskräfte in den betroffenen Ländern entgegenzuwirken. Das Land Sachsen-Anhalt führt daher schon seit dem Jahr 2004 ein Programm "Gegen Abwanderung junger Landeskinder" durch und auch die brandenburgischen Programme "LANDaktiv" und "Einstiegszeit für Jugendliche in Brandenburg" sollen verhindern, dass Jugendliche aufgrund drohender Arbeitslosigkeit nach Alternativen in anderen Bundesländern suchen.

Die umfangreichen Maßnahmen, die von EU, Bund, Ländern und Kommunen finanziert und durchgeführt werden haben sich zu einem fast undurchsichtigen Maßnahmendschungel entwickelt. Die Angebote der Förderung beim Übergang von Schule und Berufen sind so vielfältig, dass erste Bundesländer Programme aufgelegt haben, um das Übergangssystem zu systematisieren. Ein Beispiel ist die Landesinitiative Kein Abschluss ohne Anschluss - Übergang Schule - Beruf in NRW (bzw. http://www.berufsorientierung-nrw.de/start/).

Pro und Contra

Die Berufsausbildung gilt als zentraler Faktor für die niedrige Jugendarbeitslosenquote Deutschlands. Die Förderung der Berufsausbildung ist hingegen umstritten. Wie bereits dargestellt, ist das Konzept der mangelnden Ausbildungsreife ein vielfach diskutiertes. Die Qualität der Förderinstrumente wird ebenfalls kritisch betrachtet. Die fehlende Zertifizierung und Standardisierung von Maßnahmen der Berufsvorbereitung und -orientierung und das unübersichtliche Förderrepertoire (dessen Vielfältigkeit hier nur in Ansätzen wiedergegeben werden konnte) werden häufig kritisch hinterfragt. Die Kritik zielt weiterhin auf die Verteilung der Neuzugänge in die drei Sektoren der Berufsausbildung ab, da lediglich die Hälfte der Ausbildungsverträge derzeit noch im dualen System abgeschlossen wird. Die SPD möchte neben der Akquise neuer Ausbildungsplätze notfalls auch die beruflichen Fördermaßnahmen ausweiten, um jedem Schulabgänger einen Ausbildungsplatz garantieren zu können.

Zitat

Willy Brase (MdB, SPD)

Mit einer Ausbildungsplatzgarantie will die SPD-Bundestagsfraktion das Übergangssystem perspektivisch überwinden. Zentrale Voraussetzungen dafür sind der systematische Ausbau der persönlichen Begleitung und nachhaltige Beratung an den Schulen, die betriebliche Einstiegsqualifizierung als gezielte Fördermaßnahme und die Weiterentwicklung des regionalen Bildungsmanagements. Im Falle eines zu geringen Ausbildungsplatzangebots wollen wir zur Sicherung des Fachkräftebedarfs gemeinsam mit den Tarifpartnern Branchen- oder Qualifizierungsfonds einrichten.

Die CDU hingegen möchte die Fördermaßnahmen überprüfen und konsolidieren, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen und Kosten einzusparen.

Zitat

Albert Rupprecht (MdB, CSU

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Mit unzähligen Programmen versuchen Bund und Länder seit der Lehrstellenkrise unter Rot-Grün unversorgte Ausbildungsplatzbewerber zu qualifizieren – mit mäßigem Erfolg. Viele, die unter Bundeskanzler Gerhard Schröder die Schule verlassen haben, sind heute noch immer ohne Berufsabschluss und arbeitslos. Bei ihnen hat das Übergangssystem versagt. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen. Das gesamte Übergangssystem gehört auf den Prüfstand. Die Überprüfung und Konsolidierung hat für unsere Arbeitsgruppe höchste Priorität. Ein ‚Weiter So‘ können wir gegenüber den Jugendlichen und auch den Steuerzahlern nicht verantworten.

Unter denjenigen Personen, die das Konzept der (mangelnden Ausbildungsreife) anerkennen wird allgemein befürwortet, dass Jugendliche, die nicht ausbildungsreif sind oder die aus unterschiedlichsten Gründen keine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben, in Vorbereitungsmaßnahmen oder außerbetrieblichen Einrichtungen auf die Aufnahme einer Berufsausbildung vorbereitet bzw. ausgebildet werden.

Vergleichsweise unumstritten sind Berufsberatung und Berufsorientierung. Hier keimt ab und an die Frage auf, ob diese überwiegend aus Beitragsmitteln der BA finanziert werden sollen. Zugleich wird darauf verwiesen, dass kaum Analysen zur Qualität vorliegen. Im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode haben sich CDU/CSU und die SPD darauf verständigt bundesweit sog. Jugendberufsagenturen nach Hamburger Vorbild einzuführen.

Quellentext

Übergang Schule – Ausbildung – Beruf

Die beste und effizienteste Vorsorge gegen Ausbildungsabbrüche und lange Zeiten von Arbeitslosigkeit im Lebensverlauf sind passgenaue und tragfähige Übergänge von der Schule in Ausbildung und Beruf. Daher wollen wir den erfolgreichen Ausbildungs- und Berufseinstieg für leistungsschwache Jugendliche erleichtern und gezielt begleiten.

Flächendeckend einzurichtende Jugendberufsagenturen sollen die Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern II, III und VIII für unter 25-Jährige bündeln. Datenschutzrechtliche Klarstellungen sollen den notwendigen Informationsaustausch erleichtern. Junge Menschen, deren Eltern seit Jahren von Grundsicherung leben, sollen gezielt Unterstützung bekommen.

Quelle: Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD 18. Legislaturperiode


In Jugendberufsagenturen sollen für Jugendliche und junge Erwachsenen, die eine Ausbildungsstelle suchen, alle Informationen und Hilfestellungen "unter einem Dach" angeboten werden. Vereinzelt werden Jugendberufsagenturen bereits seit einigen Jahren betrieben. Das erst Ende 2012 errichtete Hamburger Modell der Jugendberufsagentur gilt als Vorzeigemodell. Dort sollen Mitarbeiter/-innen der Arbeitsagenturen, der Jobcenter und der Jugendämter (insbesondere Jugendberufshilfe) die Jugendlichen umfassend beraten und durch Informationsbündelung zur Transparenz des Ausbildungsmarktes beitragen. Die Einrichtung von Jugendberufsagenturen ist nicht verpflichtend. Auch die Zielgruppe, also welche Personen genau die Jugendberufsagenturen in Anspruch nehmen können, soll vor Ort nach den lokalen Gegebenheiten entschieden werden.

Ziel der Einrichtung von Jugendberufsagenturen ist die Verbesserung der Transparenz über das Angebot von Ausbildungsstellen und insbesondere der Förderungen und des Maßnahmeangebots. Zudem soll mit der Einrichtung der Jugendberufsagenturen gewährleistet werden, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen umfassend beraten werden und keine Nachteile für Einzelne aufgrund der unterschiedlichen gesetzlichen Förder- und Zuständigkeitsstrukturen entstehen. Für die Fachkräfte, die in den Jugendberufsagenturen tätig sind, kann ebenfalls eine größere Transparenz geschaffen werden, wenn im Rahmen von gemeinsamen Dienstbesprechungen der Entstehung von Doppelstrukturen vorgebeugt werden kann.

Links

  • Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
  • Good Practice Center: Förderung von Benachteiligten in der Berufsbildung mit einem Überblick über die Förderprogramme auf der Bundesebene
  • Jugendberufsagentur Hamburg

Zum Weiterlesen

Berger, Klaus (2003): Was kostet den Staat die Ausbildungskrise? Umfang und Struktur staatlicher Ausgaben zur Ausbildungsförderung. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, Jg. 32, H. 2. S. 5-9.

BMAS (Hrsg.) (2013): Der ESF informiert: Programme zur Förderung der Eingliederung Jugendlicher in Ausbildung und Beruf. Bonn.

BMBF /Hrsg.) (2012): Berufsbildungsbericht 2012. Bonn.

Eberhard, Verena (2006): Das Konzept der Ausbildungsreife: ein ungeklärtes Konstrukt im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen. Ergebnisse aus dem BIBB. Bonn

Krämer, Reinhard (2001): Die Berufsberatung in Deutschland von den Anfängen bis heute – eine historische Skizze. In: ibv Nr. 16 vom 18.4.2001; S. 1097-1105.

Neubauer, Jennifer (2006): Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt: die Kompensationsleistungen der ausbildungsbezogenen Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit. Nürnberg; Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nr. 303.

Schmuhl, Hans-Walter (2003): Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsverwaltung in Deutschland 1871-2002: Zwischen Fürsorge, Hoheit und Markt; Nürnberg; BeitrAB 270.
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