Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

11.8.2014 | Von:
Kathrin Schultheis
Stefan Sell

Berufliche Bildung im internationalen Vergleich

Das duale System der Berufsausbildung eröffnet den Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen berufliche Perspektiven, die im Idealfall auf die dauerhafte Integration in einem Betrieb ausgerichtet sind. Es verfügt also über eine besondere Integrationsfunktion. In vielen Staaten ist aber nicht das duale Ausbildungssystem, sondern ein schulisches Ausbildungssystem oder "training on the job" das vorherrschende System der Berufsausbildung. Wie wirkt sich diese Heterogenität auf dem Arbeitsmarkt aus?

Landwirtschaftliche Landeslehranstalt Rotholz, Tirol/ÖsterreichLandwirtschaftliche Landeslehranstalt Rotholz, Tirol/Österreich. Das Engagement der öffentlichen Hand unterscheidet sich hinsichtlich der Höhe der öffentlichen Ausgaben für die berufliche Erstausbildung. (© picture-alliance, APA/picturedesk.com)


Systeme der Berufsausbildung

2013 hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Deutschlandbericht zur Studie "Skills beyond school" der dualen Berufsausbildung einen besonderen Stellenwert zugemessen. Dort wurden der starke Praxisbezug der Berufsausbildung und der damit verbundene "reibungslose Übergang von der Schule in das Berufsleben" als "solides Fundament für eine spätere Weiterqualifizierung" und die damit verbundenen beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten hervorgehoben. Verbesserungsbedarf wurde weniger im Bereich der (dualen) Berufsausbildung, sondern mehr für die Flexibilität und Durchlässigkeit der Hochschulen und im Bereich der beruflichen Weiterbildung identifiziert.

Eine Berufsausbildung wird in Deutschland traditionell in Anbindung an einen Ausbildungsbetrieb im dualen System oder in Vollzeitschulform an Berufs(fach)schulen absolviert. Derzeit existieren 348 staatliche anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland. Für Jugendliche und junge Erwachsene, die nach ihrem Schulabschluss keine Ausbildungsstelle finden konnten, wird im sogenannten Übergangssystem eine Vielzahl von Bildungsgängen angeboten, die eine berufliche oder persönliche Qualifizierung vermitteln sollen und die Eingliederung in eine Berufsausbildung zum Ziel haben. Berufsberatung, Berufsorientierung und Ausbildungsstellenvermittlung werden per Gesetz auch von den Arbeitsagenturen und ihren Berufsberaterinnen und Berufsberatern erbracht, um Schülerinnen und Schülern frühzeitig beim Übergang von allgemeinbildender Schule in eine Berufsausbildung zu begleiten. Der Gesetzgeber sieht hierzu auch finanzielle Fördermöglichkeiten vor.

Schulberufssystem und duale Berufsausbildung sind im europaweiten Vergleich die dominierenden Formen der beruflichen Ausbildung. Dennoch ist die Berufsausbildung international von großer Heterogenität geprägt. Zwar werden in allen EU-Staaten überwiegend entweder duale Berufsausbildung oder vollzeitschulische Berufsausbildung angeboten, jedoch unterscheiden sich die Ausbildungsstruktur und insbesondere die Relevanz der Berufsausbildungssysteme von Staat zu Staat deutlich. So existieren beispielsweise in Belgien, Frankreich und Finnland analog zu Deutschland ein duales sowie ein schulisches Ausbildungsmodell. Die duale Berufsausbildung nimmt jedoch in beiden Staaten nur einen sehr geringen Stellenwert ein, das Vollzeitschulberufssystem ist hingegen weit ausgebaut. In anderen Staaten, wie beispielsweise Island und Estland, wird Berufsausbildung ausschließlich an Berufsschulen angeboten.

Auch die Zugangsbedingungen variieren zwischen den Nationalstaaten. In Norwegen gilt eine Ausbildungsplatzgarantie und die Berufsausbildung wird ausschließlich schulisch durchgeführt. In Litauen gilt ein Mindestalter von 14 Jahren, was im EU-Vergleich besonders niedrig ist. Einige Staaten bieten eine Berufsausbildung in verschiedenen Qualifizierungsstufen an, die unterschiedliche Abschlüsse vermitteln, welche je nach Land von beruflicher Grundbildung (niedrigste Stufe) bis hin zum Gesellenbrief oder der Hochschulreife (höchste Stufe) reichen. Aber auch hier sind die Systeme sehr heterogen: In Rumänien müssen die Auszubildenden für die Zulassung zur höchsten Qualifikationsstufe bereits das Abitur nachweisen.

Marius Busemeyer, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Konstanz, unterscheidet die Berufsausbildungssysteme entlang zweier Dimensionen: dem Engagement der öffentlichen Hand und dem Engagement der Betriebe in der beruflichen Erstausbildung.

Das Engagement der öffentlichen Hand unterscheidet sich hinsichtlich der Höhe der öffentlichen Ausgaben für die berufliche Erstausbildung (öffentliche Ausgaben können beispielsweise für die Unterhaltung von staatlichen Berufsschulen, Lehrpersonal und –material getätigt werden, aber auch für staatlich finanzierte Ausbildungsvermittlung), der unterschiedlich stark ausgeprägten Mechanismen der Zertifizierung von beruflichen Fertigkeiten und einer unterschiedlich starken Verknüpfung der beruflichen Erstausbildung mit Weiterbildung und aktiver Arbeitsmarktpolitik. Das Engagement der Betriebe kann vor allem hinsichtlich der Beteiligungsbereitschaft der Betriebe an der beruflichen Erstausbildung unterschieden werden. Inwieweit ist ein Betrieb dazu bereit, Ressourcen (vor allem Zeit, Geld und Arbeitsmittel) in die Berufsausbildung zu investieren, auch wenn die in der Berufsausbildung erworbenen Fähigkeiten zu einer überbetrieblichen Mobilität der Arbeitnehmenden führen, sie ihre beruflichen Kenntnisse also nach erfolgreich absolvierter Berufsausbildung auch in anderen Unternehmen als dem Ausbildungsbetrieb verwenden können. Anhand dieser Kriterien können vier Ausbildungssysteme unterschieden werden:
  1. etatistisches Ausbildungssystem (hohes öffentliches Engagement, niedriges betriebliches Engagement),
  2. liberales Ausbildungssystem (niedriges öffentliches und betriebliches Engagement),
  3. segmentalistisches Ausbildungssystem (niedriges öffentliches Engagement, hohes betriebliches Engagement und
  4. kollektives Ausbildungssystem (hohes öffentliches und hohes betriebliches Engagement).
Je nach Ausbildungssystem dominiert ein schulisches oder ein duales Ausbildungssystem. In liberalen Systemen ist auch ein vorrangig betriebliches Ausbildungssystem zu identifizieren. Als Beispiel für Staaten mit etatistischem System ist Frankreich zu nennen. Die Berufsbildung obliegt dort überwiegend dem zuständigen staatlichen Ministerium und den Regionen. Die Sozialpartner sind ebenfalls beteiligt. Sie haben Regulierungsinstanzen geschaffen und fungieren bei Fragen der Berufsbildung als beratender Gesprächspartner für die öffentliche Hand. Die Berufsbildung in Frankreich wird vorrangig von staatlichen Berufsschulen und technischen Fachschulen durchgeführt. Eine Art der dualen Berufsausbildung existiert auch in Frankreich. Etwa jede/r vierte Auszubildende ist dem dualen System zuzuordnen. Die duale Berufsausbildung endet mit einem Zertifikat, das den Ausbildungsabsolventen die berufliche Qualifikation für ein relativ weites Berufsfeld - z.B. Gesundheitswesen oder Einzelhandel - bescheinigt.

Das Ausbildungssystem Großbritanniens kann als liberales Ausbildungssystem bezeichnet werden. In England und Wales können berufliche Prüfungen nicht nur von Auszubildenden, sondern von jeder Person abgelegt werden. Wie und wann die geprüften beruflichen Kenntnisse erworben wurden, spielt keine Rolle. Ausbildungsangebote werden sowohl von privaten und staatlichen Instituten als auch von Arbeitgebern angeboten. Letztere bieten teilweise nicht nur die Ausbildung im Betrieb an, sondern darüber hinaus auch außerbetriebliche Ausbildung in Weiterbildungszentren. Die nach bestandener Prüfung erworbenen Zertifikate werden durch verschiedene Zertifizierungsagenturen vergeben und sind daher nicht landesweit standardisiert. Am weitesten verbreitet sind die Part One GNVQs für 14 bis 16-Jährige und GNVQs (General National Vocational Qualification).

Erstgenannte bieten eine berufsbezogene Vorbereitung für eine Berufsausbildung oder Erwerbstätigkeit, zweitgenannte führen in bis zu zweijährigen Ausbildungsgängen zu berufsqualifizierenden Zertifikaten – je nach gewählten Fächern – im kaufmännischen, sozialen oder informationstechnologischen Bereich. Beide Varianten richten sich an Schüler/-innen, die nach ihrem Schulabschluss weiter an einem Vollzeitausbildungsprogramm teilnehmen. Berufsbegleitend und insbesondere auch als Angebot für Ältere konzipiert, werden die NVQs (National Vocational Qualifications) verstärkt praxisbezogen angeboten und die Auszubildenden dual in Betrieben und staatlichen Angeboten ausgebildet. Eine Vergütung erhalten sie in den Praxisphasen durch die Betriebe. In England und Wales versucht man also eine betriebsübergreifende Zertifizierung beruflicher Kenntnisse zu erreichen, ohne den Ausbildungsweg zu stark formalisieren zu wollen.

Das japanische Ausbildungssystem entspricht dem segmentalistischem System. Das staatliche Angebot zur beruflichen Ausbildung umfasst eine Vielzahl schulischer Angebote. An den Fachoberschulen werden berufliche Kenntnisse in Form von theoretischem Unterricht vermittelt. Es existieren zum Beispiel Programme in den Bereichen Hauswirtschaft, Pflege, Fischerei, Informatik, Kunst, Musik etc. Beliebter als die Berufsfachschulen sind jedoch die akademische Ausbildung an Universitäten und der Besuch allgemeinbildender Oberschulen. Für eine Vielzahl von Berufsfachschülerinnen und -schülern ist die Ausbildung die Alternative zu einer Hochschulausbildung, die sie nicht beginnen konnten (z.B. wegen fehlender schulischer Qualifikation). Ein zweites Ausbildungssegment, das jedoch nicht mit dem staatlichen System systematisch verzahnt ist, wird durch die Betriebe angeboten. Sie engagieren sich stark für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter/-innen. Eine Standardisierung oder betriebsübergreifende Zertifizierung der Kenntnisse wird jedoch nicht angestrebt. Das japanische Ausbildungssystem stellt sich demnach zweigeteilt, also segmentiert, dar.

Das deutsche Ausbildungssystem gehört zu den kollektiven Ausbildungssystemen, d.h. ein hohes Engagement der öffentlichen Hand trifft auf ein ebenso starkes betriebliches Engagement. Das öffentliche Engagement drückt sich überwiegend durch die Bereitstellung finanzieller Mittel aus: Berufsschulen, Lehrpersonal und Unterrichtsmaterial sowie die dazugehörige Infrastruktur werden den Betrieben und Auszubildenden kostenlos zu Verfügung gestellt. Dies gilt sowohl für die theoretische Ausbildung im dualen System als auch für die Ausbildungsgänge des Schulberufssystems. Die Betriebe übernehmen im dualen System die Kosten der praktischen Berufsausbildung in ihren eigenen und externen Betriebsstätten, die Personalkosten (inkl. Bewerberauswahl und Ausbildungsvergütungen) und stellen sicher, dass die Ausbildungsinhalte den zentral festgelegten Standards entsprechen. Diese dienen der Sicherung einer bundesweiten Vergleichbarkeit der durch die Berufsausbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten und somit der Einhaltung von Qualitätsstandards. Der Berufsbildungsforscher Martin Baethge sieht das kollektive System der Berufsausbildung durch das Berufsprinzip geprägt. Auszubildende werden frühzeitig in einem konkreten Berufsbild ausgebildet und spezialisieren sich auf ebendieses. Gleichermaßen erhalten die Auszubildenden aufgrund der in Deutschland bundesweit einheitlichen Zertifizierung der Berufsausbildung betriebsübergreifende Kenntnisse, sodass nach Berufsabschluss eine Mobilität der Nachwuchsfachkräfte innerhalb ihres erlernten Berufs betriebsübergreifend weitestgehend hindernisfrei möglich ist.

Duale Berufsausbildung – europäische Zukunft?

Die in einigen europäischen Staaten in kurzer Zeit rapide gestiegene Jugendarbeitslosenquote ist ursächlich dafür, dass die betroffenen Staaten verstärkt nach Lösungsmodellen zur Bekämpfung und Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit suchen. Deutschland wird aufgrund seiner besonders niedrigen Jugendarbeitslosigkeitsquote dabei eine Vorbildrolle zugesprochen, die national sowie international auf das Vorherrschen der dualen Berufsausbildung zurückgeführt wird. Durch die hohe Betriebsnähe und die kooperativen Prinzipien stellt sie eine Besonderheit dar, die ein wichtiger Faktor der wirtschaftlichen Stabilität Deutschlands, auch in ökonomischen Krisen, zu sein scheint.

Das duale System der Berufsausbildung ist in Deutschland ein bereits lange Zeit tradiertes System, sodass fraglich ist, ob und wie es sich in anderen Staaten implementieren lässt. Die Ausbildungsbetriebe schreiben der dualen Berufsausbildung einen hohen Wert zu, auf Grund dessen sie sich nicht nur maßgeblich an den Ausbildungskosten beteiligen, sondern auch Bereitschaft zur Vermittlung strukturierter Ausbildungsinhalte zeigen. Dies führt jedoch auch dazu, dass Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen nach einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung den Betrieb wechseln. Gleichermaßen bringt sich die öffentliche Hand ein, vorrangig die Bundesländer, die den überwiegenden Anteil der Kosten für die theoretische Ausbildung in den Berufsschulen tragen. Die Schaffung und Anerkennung dieser kollektiven Struktur stellt eine der größten Herausforderungen für die Staaten dar, die die duale Berufsausbildung einführen oder stärken wollen. Auf die Kernelemente der dualen Berufsausbildung verweist auch Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB):

Quellentext

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Die duale Ausbildung funktioniert in Deutschland sehr gut, weil es bundesweit einheitliche Regelungen für die Berufsbildung gibt. Das sichert die Mobilität von Fachkräften und beugt Arbeitslosigkeit vor. Kennzeichnend für das deutsche System ist die enge Kooperation von Staat und Wirtschaft sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Sozialpartner: Arbeitgeber wie Gewerkschaften wollen schließlich Fachkräfte sichern und den Standort Deutschland stärken. Hier finanzieren die Unternehmen den Großteil der Ausbildung. Rund 470.000 Betriebe bilden aus und übernehmen dabei mehr als 70 Prozent der gesamten Ausbildungskosten. Auch für die Finanzierung der überbetrieblichen Ausbildungszentren, die eine wichtige Rolle in der Qualitätssicherung spielen, kommen Staat und Wirtschaft gemeinsam auf.

Vergleichsweise einfach stellt sich der Export der deutschen Strukturen der dualen Berufsausbildung bei deutschen Konzernen mit Geschäftsstellen im Ausland dar. Bereits seit etwa 20 Jahren bilden einige große deutsche Konzerne in Portugal Jugendliche im dualen System aus. Sie ergriffen die Initiative und baten die portugiesische Industrie- und Handelskammer erfolgreich, eine praxisbezogenere Ausbildung zu ermöglichen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn entsprechende Gesetze und Ausbildungsordnungen in den betreffenden Ländern beschlossen und überregional umgesetzt werden.

Die Länder Deutschland, Spanien, Griechenland, Portugal, Italien, die Slowakei und Lettland haben bereits im Dezember 2012 unter Beteiligung der europäischen Kommission ein Memorandum unterzeichnet, das auch vom Europäischen Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Centre européen pour le développement de la formation professionnelle - CEDEFOP), einer Europäischen Agentur, die ihren Sitz in Griechenland hat und die Entwicklung der europäischen Berufsbildungspolitik fördert, unterstützt wird. Ziel ist die Einführung eines Berufsausbildungssystems nach deutschem Vorbild, um bis 2020 zu gewährleisten, dass 80 % aller jungen Menschen in der Europäischen Union eine Arbeitsstelle haben. Die beteiligten Länder wollen im Rahmen eines intensiven Austauschs auch die internationale Mobilität junger Menschen steigern: Verstärkt sollen Jugendliche und junge Erwachsene aus anderen europäischen Ländern in Deutschland ausgebildet werden. Weitere Vereinbarungen über die gemeinsame Zusammenarbeit in der Berufsausbildung hat Deutschland mit Italien und Spanien geschlossen.

Als Koordinationsstelle fungiert das BIBB, das bereits seit vielen Jahren den wissenschaftlichen Austausch rund um das Thema der Beruflichen Bildung stärkt und vorantreibt. Gastwissenschaftlier aus aller Welt sind regelmäßig zu Gast am Bundesinstitut für Berufsbildung. Neben Mitgliedsstaaten der Europäischen Union arbeiten auch China, Indien, Russland, Südafrika und die Türkei im Rahmen bilateraler Kooperationen mit dem BIBB zusammen. Sie alle lernen im Rahmen des internationalen Austauschs voneinander und prüfen, inwieweit Elemente der (dualen) Berufsausbildung in das eigene nationale Berufsbildungssystem integriert werden können.

Junge Menschen ohne Berufsausbildung

Jugendarbeitslosigkeit in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Dezember 2013Jugendarbeitslosigkeit in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Dezember 2013 (PDF-Icon Grafik zum Download 61 KB) (© bpb)
Im Januar 2014 betrug die Jugendarbeitslosenquote in Deutschland 7,6 %. Innerhalb der Europäischen Union variiert der Anteil der Arbeitslosen im Alter zwischen 15 und 24 Jahre gemessen an allen Erwerbspersonen dieser Altersklasse stark. Dies stellt den niedrigsten Wert aller EU-Mitgliedsstaaten dar. Die Europäische Statistikagentur eurostat meldete die höchsten Quoten für Spanien (54,6 %) und Griechenland (59,0 %). Einen Überblick über die Jugendarbeitslosenquote der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bietet die nebenstehende Abbildung.

Die weltweit aktive Unternehmensberatung McKinsey führte 2012 eine Studie durch, in der junge Erwachsene befragt wurden, weshalb sie keine Berufsausbildung machen ('Why did you not enroll in post-secondary education or training?'). McKinsey fand heraus, dass in den untersuchten Fällen länderübergreifend die Kosten ausschlaggebend für die Entscheidung gegen eine weitere Ausbildung waren. In den USA, Brasilien und Mexiko gaben die Befragten ferner an, dass sie einer Arbeit nachgehen müssten anstatt weiter in Bildung investieren zu können. Befragte aus der Türkei und Indien gaben häufig an, dass sich die Investitioenn in Ausbildung nicht lohnen würden, da der Ertrag zu gering sei. Dies ist zumindest in der Türkei insofern wenig verwunderlich, als dass die Jugendarbeitslosigkeitsquote dort 2013 bei 19,3 % lag. Dies könnte eine mögliche Ursache für die Einschätzung der befragten türkischen Personen sein. In Saudi-Arabien, dem Vereinten Königreich und Marokko gaben die Befragten überwiegend an, dass sie an einer weiteren Ausbildung schlichtweg zu wenig Interesse hätten. Unter den befragten Deutschen gab jede vierte befragte Person an, dass nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung standen oder diese entweder nicht in Wohnortnähe angeboten würden oder kein Ausbildungsplatz im gewünschten Beruf/Ausbildungsgang erreicht werden konnte.

Dass der Berufsausbildung in Deutschland ein besonderer Wert zugeschrieben wird, stellte sich auch im Rahmen der McKinsey Studie heraus. Dort gab der überwiegende Teil der Befragten aus allen Ländern an, dass eine akademische Berufsausbildung gesellschaftlich höher angesehen wird als eine Berufsausbildung. Eine Ausnahme bildeten die Befragten Deutschlands, die dieser These nur zu 49 % zustimmten. Damit ist die deutsche Bevölkerung die einzige der in der Studie neun befragten Personengruppen [1], die die Berufsausbildung und die (Fach-)Hochschulausbildung als gleichwertig anerkennt.

Jugendgarantie

Um die in einigen europäischen Staaten vorherrschende hohe Jugendarbeitslosigkeit wirkungsvoll zu bekämpfen und den Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Chance zur Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt geben zu können, wurde ein europaweites Programm zum Abbau und zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit entwickelt: die Jugendgarantie. Ziel des Programmes ist es, allen Ausbildungsuchenden oder arbeitslosen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Eintritt ihrer Arbeitslosigkeit ein Angebot für eine Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsstelle zu unterbreiten.

Die Europäische Kommission schlägt diesbezüglich vor: "Die Mitgliedstaaten sollten gewährleisten, dass jungen Menschen binnen vier Monaten nach dem Verlust einer Arbeit oder dem Verlassen der Schule eine hochwertige Arbeitsstelle, eine weiterführende Ausbildung, ein hochwertiger Ausbildungsplatz oder ein hochwertiger Praktikumsplatz angeboten wird."

Mit der Jugendgarantie sollen auch Personen erreicht werden, die nicht bei einer nationalen Arbeitsagentur gemeldet sind. Zur Finanzierung des Programms stellt der Europäische Sozialfonds 6 Milliarden Euro zur Verfügung, dennoch müssen auch die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten eigene finanzielle Mittel investieren, um das hoch gesteckte Ziel erreichen zu können. Die Folgekosten hoher Jugendarbeitslosigkeit und fehlender Ausbildungsplätze würden jedoch langfristig deutlich höher liegen. Derzeit erarbeitet ein Großteil der EU-Mitgliedsstaaten die nationale Umsetzung der Jugendgarantie. Finnland hingegen hat bereits eine umfassende Struktur geschaffen und kann auf erste Erfolge zurückblicken. Im Jahr 2011 erhielten 83,5 % aller jungen Arbeitsuchenden innerhalb von drei Monaten nach ihrer Arbeitslosmeldung ein Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsangebot.

In Deutschland ist der Plan zur Umsetzung der Jugendgarantie im April 2014 verabschiedet worden. Das Kabinett hat einen "Nationalen Implementierungsplan zur Umsetzung der EU-Jugendgarantie" erarbeitet. Da in Deutschland eine sehr geringe Jugendarbeitslosigkeitsquote vorherrscht und vergleichsweise viele Jugendliche und junge Erwachsene über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, sieht die Bundesregierung die zentralen Ziele, die mit der Jugendgarantie verfolgt werden als bereits erfüllt an. Es herrscht keine in kurzer Zeit stark gestiegene Jugendarbeitslosigkeit so wie es in anderen europäischen Ländern der Fall ist. Der Fokus des deutschen Programms liegt daher in der Stärkung des Abwärtstrends der Jugendarbeitslosigkeit. Dies soll vor allem durch eine verstärkte Vernetzung der beteiligten Akteure, insbesondere der Sozialpartner, und durch eine frühzeitige adressatengerechte Ansprache der Zielgruppe gelingen. Vorrangig wird der Zugang zu den Unterstützungsangeboten über die Arbeitsagenturen und Jobcenter gewährleistet. Aber auch Personen, die bei keiner der beiden Institutionen arbeitslos gemeldet sind, sollen über die freien Träger der Jugendhilfe oder über Bundes- und Landesprogramme Zugang zu den Unterstützungsangeboten erhalten. Im Fokus der Bemühungen stehen Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren, die bisher keinen Berufsabschluss erreichen konnten.

Quellentext

Deutschlands Zukunft gestalten

Die Arbeitslosigkeit junger Menschen ist in vielen europäischen Ländern infolge der Krise dramatisch gestiegen. Diese jungen Menschen, die vielfach gut ausgebildet sind, darf Europa nicht im Stich lassen. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit muss deshalb eine Priorität europäischer Politik sein.

Deutschland wird bei der Umsetzung der vereinbarten Europäischen Jugendgarantie mit gutem Beispiel vorangehen. Eine erfolgreiche Umsetzung in allen Mitgliedstaaten bedarf ausreichender finanzieller Unterlegung, um den Aufbau notwendiger Strukturen in den am stärksten betroffenen Ländern zu ermöglichen. Wir begrüßen einen Qualitätsrahmen für Praktika. Die Bundesregierung wird sich für überprüfbare Ziele zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit im Europäischen Semester einsetzen. Dabei sollten die nationalen Parlamente und das Europäische Parlament ihre Rolle wahrnehmen.

Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD 18. Legislaturperiode (S. 162)


Von besonderer Bedeutung für das Gelingen der durchgeführten Programme ist die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten vor Ort und eine verstärkte lokale Vernetzung der relevanten Akteure, wie zum Beispiel bei Partnerschaften mit den Sozialpartnern und Jugendorganisationen. Eine Übersicht über die in den EU-Mitgliedsstaaten und Kroatien aufgelegten Programme wurde 2012 von der Europäischen Kommission veröffentlicht und kann online eingesehen werden.

Übergang von Berufsausbildung in Erwerbstätigkeit

Der Abschluss einer Berufsausbildung wirkt sich positiv auf den Übergang in eine erste Erwerbstätigkeit aus. Das CEDEFOP untersuchte 2013 die Bedeutung der Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt auf europäischer Ebene. Die zentralen Ergebnisse der Studie lassen sich folgendermaßen darstellen:

Die Forscher/-innen des CEDEFOP fanden heraus, dass Personen, die über einen mittleren Berufsabschluss verfügen, schneller eine Beschäftigung finden als Personen, die über einen mittleren allgemeinbildenden Abschluss verfügen. Darüber hinaus gelang die Aufnahme einer ersten Beschäftigung denjenigen Ausbildungsabsolventen, die eine praxisorientierte Berufsausbildung, z.B. in Betrieben, absolviert haben schneller als denjenigen, die eine schulische Berufsausbildung absolvierten: Erstgenannten gelang der Übergang 14 % schneller als den schulisch ausgebildeten Personen. Ebenso gelang es allen Ausbildungsabsolventen häufiger, unmittelbar eine Vollzeitstelle anzunehmen als Personen, die keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können.

Die Beschäftigungsverhältnisse von Ausbildungsabsolventen sind zudem von einem höheren Stabilitätsgrad geprägt. Vergleicht man die Übergänge der Ausbildungsabsolventen in eine erste Erwerbstätigkeit auf nationalstaatlicher Ebene, so lassen sich deutliche Unterschiede feststellen. Überwiegend gelingt Berufsausbildungsabsolventen der Übergang in eine erste Beschäftigung schneller als Personen mit allgemeinbildendem Abschluss. Für Zypern, Island, Irland und das Vereinigte Königreich zeigt sich ein umgekehrtes Bild: Dort gelingt Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung der Übergang schneller. Die Chance einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, steigt in allen untersuchten Ländern mit dem Abschluss einer Ausbildung (allgemeinbildend sowie berufsbezogen). In Ländern, in denen die Berufsausbildung eine große Tradition hat (z.B. Deutschland, Niederlande und Schweiz) ist der Unterschied zwischen den beiden Personengruppen am größten.

Anerkennung im Ausland erworbener beruflicher Kenntnisse

Die Heterogenität der Berufsausbildungssysteme, der Berufsabschlüsse und insbesondere der Ausbildungsinhalte stellt die internationale Mobilität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vor ein Problem: Ihre Kenntnisse werden nicht in jedem Staat gleichwertig anerkannt. Um die internationale Mobilität von Hochschulabsolventen zu verstärken, wurde im Rahmen des Bologna Prozesses die Vergleichbarkeit der Studieninhalte und -abschlüsse vorangetrieben (siehe hierzu auch den Text zur (Fach-)Hochschulausbildung). Das Bestreben, die Vergleichbarkeit von Berufsabschlüssen zumindest europaweit voranzutreiben, erstarkte in den letzten Jahren ebenfalls.

Am 20. Oktober 2005 trat die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie (2005/36/EG) in Kraft. Sie regelt die Anerkennung der Berufe von Personen, die Staatsangehörige eines Mitgliedsstaates der EU, des EWR oder der Schweiz sind. Sie gilt jedoch nur für die sogenannten reglementierten Berufe, also Berufe, für deren Ausübung oder Aufnahme eine bestimmte Berufsqualifikation zwingende Voraussetzung ist (z.B. Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen, Lehrer/-innen, aber auch zulassungspflichtige Handwerksmeisterberufe). Alle Berufe, die in Deutschland im dualen System ausgebildet werden gehören hingegen nicht zu den reglementierten Berufen. Die EU-Staaten hatten zwei Jahre Zeit, um die Vorgaben der EU-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Für sieben Berufe (Ärztinnen und Ärzte, Tierärztinnen und -ärzte, Zahnärztinnen und -ärzte, Hebammen, Apotheker/-innen, Krankenpfleger/-innen und Architektinnen und Architekten) ist es gelungen, die Ausbildungsstandards europaweit so weit zu vereinheitlichen, dass eine automatische Berufsanerkennung erfolgen kann. In anderen reglementierten Berufen muss zunächst geprüft werden, inwiefern die Gleichwertigkeit im betreffenden Staat festgestellt werden kann. Dieses Prüfverfahren wird durch Anerkennungsstellen durchgeführt. Es besteht auch die Möglichkeit, dass berufliche Teilqualifikationen anerkannt werden. Am Bespiel Deutschlands wird im Folgenden gezeigt, welche Regelungen auf nationalstaatlicher Ebene getroffen werden können.

Wie alle EU-Mitgliedsstaaten hat Deutschland eine zentrale Informationsstelle zur Berufsanerkennung eingerichtet, die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB). Neben allgemeinen Informationen zur Berufsanerkennung reglementierter Berufe, stellt die ZAB auf Antrag Gleichwertigkeitsbescheide für nicht reglementierte Berufe aus. So soll die Verwertung der im Ausland erworbenen beruflichen Kenntnisse auf dem deutschen Arbeitsmarkt erleichtert werden. Dazu werden die erworbenen beruflichen Qualifikationen mit einem deutschen Referenzberuf, also dem Beruf, der den Kenntnissen am weitesten entspricht, verglichen und die Gleichwertigkeit des Berufsabschlusses oder von Teilqualifikationen bescheinigt. Die Anerkennung der Gleichwertigkeit für nicht-reglementierte Berufe ist rechtlich nicht notwendig. Im Jahr 2014 kostete die Überprüfung und Ausstellung einer Gleichwertigkeitsbescheinigung 484,85 Euro. Zur Anerkennung der reglementierten Berufe sind in jedem Bundesland zuständige Anerkennungsstellen eingerichtet worden, in Deutschland beispielsweise bei den zuständigen Kammern (Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Ärzte- und Apothekerkammern) und Bezirksregierungen. Die Anerkennung wird von den zuständigen Stellen geprüft, teilweise existieren Abkommen für bestimmte Berufe mit Österreich und Frankreich, die die Berufsanerkennung erleichtern.

Die nationalstaatlichen Regelungen unterscheiden sich europaweit jedoch deutlich voneinander. Die Anerkennung der Mehrheit von Berufen ist daher in jedem Staat unterschiedlich geregelt und eine Vereinheitlichung noch in weiter Ferne. Um diese Mobilität der erworbenen Qualifikationen zu stärken ist der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) entwickelt worden. Er stellt einen Metarahmen für die Nationalen Qualifikationsrahmen der Nationalstaaten dar, in Deutschland unter dem Begriff Deutscher Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR). Die Fach- und personale Kompetenz kann acht Qualifikationsstufen zugeordnet werden und erfolgt in Anlehnung an den EQR. Den einzelnen Niveaustufen wurden in Deutschland geltende formale Qualifikationen zugeordnet, um eine Vergleichbarkeit mit im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen zu vereinfachen.

Zuordnungen nach DQR

Niveau Qualifikationen
1 Berufsausbildungsvorbereitung
  • Berufsvorbereitende Maßnahmen (BvB)
  • Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)
2 Berufsausbildungsvorbereitung
  • Berufsvorbereitende Maßnahmen (BvB)
  • Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)
  • Einstiegsqualifizierung (EQ)
  • Berufsfachschule (Berufliche Grundbildung)
3 Duale Berufsausbildung (zweijährig)
Berufsfachschule (Mittlerer Schulabschluss)
4 Duale Berufsausbildung (drei- und dreieinhalbjährig)
Berufsfachschule (Assistentenberufe)
Berufsfachschule (vollqualifizierende Berufsausbildung nach BBiG/HwO)
5 IT-Spezialist (Zertifizierter*)
Servicetechniker (Geprüfter*)
6 Bachelor
Fachkaufmann (Geprüfter*)
Fachschule (Staatlich geprüfter…)
Fachwirt (Geprüfter*)
Meister (Geprüfter*)
Operativer Professional (IT) (Geprüfter )
7 Master
Strategischer Professional (IT) (Geprüfter*)
8 Promotion

*Weitere Qualifikationen der beruflichen Aufstiegsfortbildung werden nach dem im „Gemeinsamen Beschluss“ beschriebenen Verfahren konsensual zugeordnet.
Quelle: Anlage zum Gemeinsamen Beschluss der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Wirtschaftsministerkonferenz und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zur Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (DQR)

Internationale Mobilität

LEONARDO DA VINCI Mobilität 1995 – 2013LEONARDO DA VINCI Mobilität 1995 – 2013 (PDF-Icon Grafik zum Download 55 KB) (© bpb)
Die internationale Mobilität von Auszubildenden und im Bereich der Ausbildung beschäftigtem Personal wird bereits seit vielen Jahren EU-weit gefördert. Während des Auslandsaufenthaltes bietet sich Betroffenen eine gute Chance zum Erwerb interkultureller Handlungskompetenzen und zur Erweiterung ihrer Sprach- und Fachkenntnisse. Zu diesem Zweck ist u.a. das EU-Programm Leonardo Da Vinci aufgelegt worden. Zielgruppe des Programms sind in erster Linie Auszubildende, die im Rahmen verschiedener Projekte Auslandserfahrungen sammeln wollen. Sie können – je nach Programm – für drei Wochen bis sechs Monate Praktika in Unternehmen anderer europäischer Länder absolvieren. Das Programm unterstützt die Teilnehmenden durch ein Stipendium für die Dauer ihres Auslandsaufenthalts. Das Stipendium umfasst Vorbereitungskurse, die Kosten der An- und Abreise, finanzielle Unterstützung für den Lebensunterhalt am Unterkunftsort, Sprachtrainings vor Ort etc. Auch sogenannte Free Mover, also Personen, die einen förderungsfähigen Auslandsaufenthalt selbst planen und organisieren, können eine Förderung erhalten. Im Jahr 2013 erhielten rund 20.000 Personen ein Stipendium, wobei die Teilnehmendenzahl in den vergangenen 20 Jahren rapide anstieg. 2013 betrug das Fördervolumen 35,9 Millionen Euro.

Die Internationalisierung der Berufsausbildung nimmt also nicht nur formal zu, indem EU-weit Ausbildungsrahmenpläne angepasst werden, sondern auch auf individueller Ebene. Es kann bei Auszubildenden ein steigendes Interesse an Auslandsaufenthalten während der Berufsausbildung festgestellt werden.

Weiterführende Links

Zum Weiterlesen

Literatur

Allmendinger, Jutta; Giesecke, Johannes; Oberschachtsiek, Dirk (2011): Unzureichende Bildung. Folgekosten für die öffentlichen Haushalte. Gütersloh.

Baethge, Martin (1996): Berufsprinzip und duale Ausbildung: Vom Erfolgsgaranten zum Bremsklotz? In: Wittwer, Wolfgang (Hrsg.): Von der Meisterschaft zur Bildungswanderschaft. Bielefeld, S. 109-124.

Bosch, Gerhard; Krone, Sirikit; Langer; Dirk (Hrsg.) (2010): Das Berufsbildungssystem in Deutschland. Aktuelle Entwicklungen und Standpunkte. VS: Wiesbaden.

Brötz, Rainer et al. (2008): Berufsfamilien als Beitrag zur Stärkung des Berufsprinzips. BWP 4/2008, S. 23-26.

Bundesinstitut für Berufsbildung (2012): Duale Berufsausbildung: Erfolgsformel für Europa.

Busemeyer, Marius R. (2012): Reformperspektiven der beruflichen Bildung: Erkenntnisse aus dem internationalen Vergleich. Expertise im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, Berlin: FES

Busemeyer, Marius, R. (2013): Fachkräftequalifizierung im Kontext von Bildungs- und Beschäftigungssystemen. BWP 5/2013, S. 6-10.

Europäische Kommission (2012): ARBEITSUNTERLAGE DER KOMMISSIONSDIENSTSTELLEN

Eichhorst, Werner; Hintie, Hinte; Rinne, Ulf (2013) Youth Unemployment in Europe: What to Do about It? IZA Policy Paper No. 65. Bonn. Online erhältlich unter http://ftp.iza.org/pp65.pdf.

Fazekas, Mihály; Field, Simon (2013): Postsekundäre Berufsbildung in Deutschland. OECD-Studie zur Berufsbildung. OECD.

Herkner, Volkmar (2013): Berufspädagogische Aspekte zu einem Recht auf berufliche Ausbildung – Anspruch, Realität und Umsetzung. In: bwp@, Nr. 25. 2013. Online erhältlich unter http://www.bwpat.de/ausgabe25/herkner_bwpat25.pdf.

IHK (o.J.): Berufsbildungssysteme in Europa. Online erhältlich unter http://www.ihk-berlin.de/aus_und_weiterbildung/bildungspolitik/Internationalisierung_der_Berufsausbildung/813740/EU_Laendervergleich.html.

Ishikida, Miki Y. (2005): Japanese Education in the 21st century. iUniverse.

Klemm, Klaus (2012): Was kostet eine Ausbildungsgarantie in Deutschland? Bertelsmann Stiftung. Bielefeld.

Kremer, Manfred (2008): Flexibilisierung und Berufsprinzip – Antagonismus oder zwei Seiten einer Medaille? BWP 4/2008, S. 3-4.

OECD (2010): Lernen für die Arbeitswelt. Paris.

Schmillen, Achim; Stüber, Heiko (2014): Lebensverdienste nach Qualifikation: Bildung lohnt sich ein Leben lang. IAB-Kurzbericht 01/2014, Nürnberg.

Sell, Stefan (2013): Wie attraktiv ist zukünftig die duale Ausbildung. Demografischer Wandel, Imageproblem und veränderte Schülerschaft. In: Henry-Huthmacher, Christine; Hoffmann, Elisabeth (Hrsg.): Duale Ausbildung 2020. 14 Fragen & Antworten. Konrad Adenauer Stiftung e.V. Sankt Augustin, S. 18-24.

Fußnoten

1.
Befragt wurden 908 Personen aus den Ländern Brasilien, Deutschland, Indien, Mexiko, Marokko, Saudi Arabien, Türkei, USA, Vereinigtes Königreich
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Autoren: Kathrin Schultheis, Stefan Sell für bpb.de
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"Hauptsache Arbeit!" lautet oft der Ruf – die Qualität der Arbeitsplätze rückt dabei in den Hin...

Gewerkschaften

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Mit dem Übergang vom wohlfahrts-
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Migration und Arbeitsmarkt

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Durch den demografischen Wandel droht der deutschen Gesellschaft nicht nur die Überalterung, sonder...

Arbeitsmarktpolitik

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Die Instrumente der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungs-
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Arbeitslosigkeit

2003 verkündete Gerhard Schröder ein umfassendes Reformprogramm für Deutschland: die "Agenda 2010...

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Der Verlust der eigenen Arbeit kann kann zu psychischen Beeinträchtigungen führen, die den Betroff...

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Die Mittelschicht schrumpft. Immer mehr Menschen haben Angst vor dem sozialen Abstieg. Die aktuelle ...

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Die Ansprüche der Arbeitswelt wachsen, dabei bleibt das Privatleben oft auf der Strecke. Aber wie l...

Grundeinkommen?

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Seit einiger Zeit diskutiert Deutschland über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ist e...

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Dossier

Demografischer Wandel

Zu- und Auswanderung, Geburtenrate, Sterblichkeit - die sind die drei zentralen Faktoren für die demografische Entwicklung. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft spürbar verändern - ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, im Bereich der Sozialversicherungen, der Arbeitswelt, der Infrastruktur oder der Familienpolitik. Das Dossier beleuchtet die wichtigsten Bereiche und skizziert den Stand der Debatte.

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